Eine der größten Triebfedern der Innovation war schon immer die Monotonie, die Langeweile, die Einförmigkeit der Arbeit. Im Jahr 1895 sollten zwei junge Mechaniker in Stuttgart hunderte Löcher in eine Stahlkonstruktion bohren. Das Bohren von Löchern war seit der Steinzeit eine harte, undankbare Arbeit gewesen. Zwar waren Handbohrwerkzeuge über die Jahrhunderte immer besser geworden. Aber die Hauptarbeit übernahmen auch am Ende des 19. Jahrhunderts immer noch die Muskeln der Handwerker. Hunderte Löcher in Stahl zu treiben, hieß damals: tagelange, schweißtreibende, öde Arbeit. Zwei junge Männer, Friedrich Heep und Jakob Wahl, die im Jahr 1895 für das Stuttgarter Unternehmen Fein arbeiteten, suchten nach einer anderen Lösung und begannen zu basteln. Der Elektromotor war mehrere Jahrzehnte vorher entwickelt worden. Die Motoren wurden damals immer kleiner, immer handlicher. Heep und Wahl montierten ein Bohrfutter – jenes Teil, in das der Bohrkopf dann eingesetzt wird – auf einen Motor. Ihre Maschine drehte sich 1.200- mal in der Minute. Sie war schwer, sehr schwer. Sieben Kilogramm wog sie. Aber sie machte den beiden Handwerkern ihren Alltag viel, viel leichter. Heep und Wahl konnten die Arbeit, für die sie sonst Tage gebraucht hätten, plötzlich in wenigen Stunden erledigen.
Emil Fein, der Besitzer der Firma, für die Heep und Wahl arbeiteten, erkannte schnell das Potenzial der Erfindung. Er hatte selber bereits den ersten elektrischen Feuermelder und das erste tragbare Telefon erfunden. Der Firmengründer machte aus dem Einfall ein Produkt, das den Baustellenalltag auf der ganzen Welt revolutionieren sollte. Kurz darauf kam in Stuttgart die weltweit erste elektrische Bohrmaschine auf den Markt. Sie sah komisch aus und hatte noch nicht die Pistolenform, an die wir uns gewöhnt haben. Stattdessen sah sie aus wie ein Wasserhydrant mit Griffen an der Seite, den man sich vor die Brust hielt. Handwerker konnten sich mit Hilfe einer Brustplatte auf die Bohrmaschine lehnen und den Bohrer so mit ihrem Körpergewicht in den Stahl drücken. Die Firma Fein wurde unter anderem durch diese Erfindung zweier junger Handwerker zu einem der größten Hersteller elektrischer Werkzeuge in Deutschland. Sie ist es bis heute geblieben.