Es gibt Fragen, die der Quellenforschung ewige Bedeutung garantieren. Wie jene nach der Erfindung der Brezel. Oder die nach dem Ursprung der Donau. Denn eigentlich ist ja alles besprochen. Nur noch nicht von jedem. Die Zweifler stricken unablässig an Mythen und Legenden. Und finden dankbare Abnehmer in einem Publikum mit der unstillbaren Sehnsucht nach Romantik.
Der Buchhändler in Donaueschingens Hauptstraße blickt zufrieden über den Rand seiner Brille. Touristinnen und Touristen auf der Jagd nach Devotionalien fluten in profitabler Frequenz seinen Laden. Er deutet mit knitzer Miene auf den Lesestoff im Regal: einen schicken Bildband über die hiesige Donauquelle, für 29 Euro. Mythos und Marketing. Das passt wie Topf und Deckel.
Zwar fließen in der kleinen Schwarzwaldstadt nicht nur Milch und Honig, aber den einen oder anderen Euro spült der werbewirksame Streit zwischen Donaueschingen und Furtwangen um den Ursprung der europäischen Lebensader in die Kasse. Im fürstlichen Schlosspark drängen sich jedenfalls die Touristinnen und Touristen, die ergriffen auf den sprudelnden Quelltopf blicken. Von Skulpturen monumental gesäumt, nimmt die Donau, nach der Wolga der zweitlängste europäische Fluss, ihren spektakulären Anfang.
Oder auch nicht. Wissenschaftler, Hobbygeologen und Heimatforscher streiten seit jeher um den eigentlichen Ursprungsort des Flusses, der in zehn europäischen Ländern für Geschichte und Geschichten sorgt, ehe er nach 2.850 Kilometern – unbeeindruckt vom Schwarzwälder Getöse um beweissichere Quellenangaben – ins Schwarze Meer mündet.