Wissen

Welchen genialen Einfall hatte Einstein? Was ist Epigenetik? Und wie schaffen es Quanten, gleichzeitig an zwei Orten zu sein? In unserem Lexikon finden sich Antworten auf viele Fragen aus der Forschung und Erklärungen zu wichtigen Begriffen.

Jan Schwenkenbecher
Lesedauer: 10 Minuten

A – Genie aus Baden-Württemberg

ALBERT EINSTEIN
Geboren 1879 im baden-württembergischen Ulm. Entdecker der Allgemeinen Relativitätstheorie. Hatte den genialen Einfall: Raum und Zeit, in denen sich unser Universum befindet, sind kein starres Gebilde, sondern eher ein sich ständig verformendes Gummiband. Alles wogt, pulsiert, bewegt sich, alles schiebt und drückt sich gegenseitig hin und her, alles dellt, beugt und krümmt die Raumzeit, äh, das Gummiband. Und: je größer der Gegenstand auf dem Gummiband, desto größer die Delle, desto stärker die Anziehungskraft. Eine Murmel: kleinere Delle, kleinere Anziehungskraft, nicht merkbar. Der Planet Erde: größere Delle, größere Anziehungskraft, merkt man.

B – Lotuspflanze mit Effekt

BIONIK
Manchmal weiß der Mensch, dass er nichts weiß. Oder dass er nicht weiterweiß. Zum Glück weiß der Volksmund: Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es geschrieben steht. Oder man muss wissen, wer es weiß, denn den kann man dann ja fragen. Nur manchmal, da weiß kein Mensch mehr weiter. Aber vielleicht ein Tier? Bionik ist der Fachbegriff dafür, wenn Tiere und Pflanzen was wissen, das der Mensch nicht weiß, und der Mensch sich dieses Wissen einverleibt. Wenn Forscherinnen und Forscher also aus Biologie Technik entwickeln. Wenn sie zum Beispiel schauen, warum eine Klette so gut klebt, und dann den Klettverschluss erfinden. Oder wenn die Lotuspflanze sie mit ihrem Lotuseffekt zu neuer Fassadenfarbe inspiriert. Oder wenn sie Pampelmusen, Pomelos oder Kokosnüsse untersuchen, um Motorradhelme stoßdämpfender zu bauen. Oder wenn sie großen Vögeln beim Fliegen zuschauen und dann ein Flugzeug entwickeln. Wenn der Mensch eins weiß, dann, sich zu helfen. Was wohl wäre, wenn Tiere und Pflanzen ein Patentamt hätten? Wer weiß.

CORTEX
Bezeichnet den Gewebeteil von Organen, der außen liegt. Allermeistens ist aber, wenn jemand „Cortex“ sagt, der äußere Gewebeteil eines ganz bestimmten Organs gemeint: der des Gehirns. Wer das gleich klarstellen mag, kann auch Großhirnrinde sagen. Das ist der Cortex nämlich: die Rinde des Großhirns. Weiteres Cortex-Wissen: Cortex ist das lateinische Wort für Rinde. Der Cortex macht die Hälfte des Gehirnvolumens aus. Würde man ihn ausklappen, wäre er eine große flache Fläche, im Schädel aber liegt er wie ein zusammengeknäultes Handtuch. Er besteht zum größten Teil aus den Körpern der Nervenzellen (und nicht aus ihren Fasern). Die sehen grau aus. Daher kommt: „graue Zellen“, „graue Substanz“. Soll sich anfühlen wie Seidentofu.

D – Auf Taufliegen fliegen Forschende 

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DROSOPHILA
Hund, Katze, Delfin? Nein, nein, das Lieblingstier von Forscherinnen und Forschern ist die Fliege. Pardon, die Taufliege. Und ganz genau: Drosophila melanogaster. Nur: warum? Drosophila kann keine Stöckchen holen, Drosophila hat keine samtenen Pfoten, Drosophila macht keine Kunststückchen. Aber: Drosophila kann leicht untersucht werden. Denn sie hat nur acht Chromosomen und trotzdem zu 60 Prozent sehr ähnliche Gene wie der Mensch. Sie hat sogar 90 Prozent der Gene im Genom, die beim Menschen Krebs auslösen. Und: Drosophila kann sich schnell fortpflanzen. 100 Eier am Tag? Kein Problem. 25 Generationen in einem Jahr? Kein Problem.

E – Doppelt gut

E

EPIGENETIK
Was ist ein neuer Forschungszweig der Genetik? Welches Wort setzt sich aus „Epigenese“, der schrittweisen Entwicklung eines Lebewesens, und „Genetik“ zusammen? Was beschreibt, wenn ein Umwelteinfluss dazu führt, dass sich Methylgruppen an den DNS-Strang setzen und ein Gen an- oder ausschalten? Wenn also die eine Bienenlarve Honig-Pollen-Brei isst und sich zu einer Arbeiterin entwickelt und die andere, genetisch nahezu identische Bienenlarve ausschließlich Gelée Royale speist und zur Königin wird? Oder wenn ein bestimmtes Gen bei einem der beiden identischen Zwillinge eine Erbkrankheit auslöst und beim anderen Zwilling nicht? Und was erklärt, wie sich einschneidende Lebenserfahrungen wie Traumata von Opa und Oma noch auf die Enkel auswirken, selbst wenn sie die Großeltern gar nicht kannten? Richtig, Epigenetik.

 

F – Erfinder aus Baden-Württemberg

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FAHRRADPIONIER
Karl Freiherr von Drais, mit ganzem Namen: Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn, während der Badischen Revolution nur noch „Bürger Karl Drais“, geboren 1785 in Karlsruhe, war ein großer Erfinder aus Baden-Württemberg. Er erfand: eine Notenschreibmaschine, die beim Klavierspiel die gespielten Noten mitschrieb. Eine Schnellschreibmaschine für 16 Buchstaben. Zwei verschiedene vierrädrige, wohl ein wenig anstrengend anzutreibende Fahrmaschinen. Eine Geheimschrift. Einen sparsamen Ofen. Eine Tabakpfeife mit Kühlung. Und dann erfand er noch, das war im Jahre 1817, das Fahrrad.

 

G – Hundehormone

GRUNDLAGENFORSCHUNG
Es war das Jahr 1889, da entfernten die beiden Mediziner Josef von Mering und Oskar Minkowski die Bauchspeicheldrüse eines Hundes. Warum sie das taten? Sie interessierten sich für das Organ. Keine Hintergedanken, sie wollten einfach verstehen. Wie arbeitet die Drüse, welche Abläufe gibt es, was tut sie und warum? Grundlagenforschung. Erkennen wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und von Mering und Minkowski erkannten: Der Hund pinkelte überall hin. Komisch, fanden die beiden, er war doch stubenrein. Also testeten sie den Urin. Und siehe da: Der Hund hatte einen Diabetes mellitus entwickelt. Andere Forscherinnen und Forscher sollten später den Zusammenhang zwischen Diabetes und Insulin verstehen, das die Bauchspeicheldrüse herstellt. Sie konnten das Hormon isolieren und schließlich eine Therapie für eine bis dahin tödliche Krankheit entwickeln. Einer von ihnen bekam den Nobelpreis.

 

H – Menschliches Immunschwäche-Virus

HIV
Steht für: Humanes Immundefizienz-Virus. HIV-Infektionen konnten früher nicht behandelt werden, was bedeutete: Wenn sich eine Person infizierte, zerstörte das Virus das Immunsystem. Und der Körper konnte sich nicht mehr gegen Bakterien, Viren, Pilze wehren. Lungenentzündungen oder Krebs breiteten sich aus. Ärztinnen und Ärzte nannten es das Acquired Immune Deficiency Syndrome, kurz AIDS, das erworbene Abwehrschwäche-Syndrom. Doch Forscherinnen und Forscher forschten, fanden Lösungen. Heute gibt es Medikamente gegen das HI-Virus. Ein, zwei Tabletten am Tag reichen, dann breitet sich das Virus nicht im Körper aus. Und der Körper steckt keinen anderen Körper mehr an. Eine Heilung ist das nicht. Aber Infizierte können gut und lange leben.

INTELLIGENTE MATERIALIEN
Intelligente Materialien, na was ist das denn jetzt schon wieder? Smart Materials? Wie smart werden die wohl sein? Die können ja wohl nicht mal auf irgendwelche Umweltreize reagieren, die von außen kommen. Können sie doch? Das istgenau das, was sie smart macht? Na gut, immerhin. Aber was heißt schon schlau, was? Ich mein ja nur: Meine Sonnenbrille wird auch dunkel, wenn es draußen heller wird, und wieder heller, wenn es dunkel wird. Photochrom ist das? Aha. Und was wäre noch so smart? Ein Stoßdämpfer, der mit ’nem Magnetfeld härter und weicher werden kann? Meinst du, wenn ich mal schnell das Steuer rumreißen muss, weil wer bremst oder so? Ja, ja, magnetorheologischer Dämpfer ist das, klar, wusste ich. Na, dann bräuchte ich nur noch ’ne Karre, die noch weiß, wie sie aussah, bevor der Kowalski mal wieder eingeparkt hat, was?! Wie jetzt, Formgedächtnistechnik heißt das? Gibt’s auch schon? Na gut, na gut. 

J – Sternen-Star aus Baden-Württemberg

JOHANNES KEPLER
Geboren 1571 in Weil der Stadt. Studierte Theologie, allerdings bei einem Mathematiker und Astronomen. Wurde selbst ein guter Mathematiker und Astronom. Kopernikus hatte bereits entdeckt, dass sich die Planeten um sich selbst und um die Sonne drehen. Kepler entdeckte, warum sie das tun. Drei Regeln stellte er fest. Keplersche Gesetze heißen die heute. Gesetz 1: Die Umlaufbahn von Planeten um die Sonne ist kein Kreis, sondern eine Ellipse. Gesetz 2: Planeten bewegen sich unterschiedlich schnell um die Sonne, je nachdem, wo auf der Umlaufbahn sie gerade sind. Gesetz 3: Je größer der Abstand zur Sonne, desto langsamer umlaufen die Planeten die Sonne. Wandte sich der studierte Theologe, der jetzt die Astronomie verstand, von Gott ab? Ganz im Gegenteil: Keine Entzauberung sei das, sondern ein Verständnis der Schöpfung. Durch Forschung made in Baden-Württemberg.

K – Bakteriengewusel

KREBSIMMUNTHERAPIE
Die erste aufgezeichnete Krebsimmuntherapie liegt schon über 150 Jahre zurück und sie fand in Bonn statt. Dort, in einem Krankenhaus, behandelte der Arzt Wilhelm Busch gerade eine junge Patientin, sie hatte einen Halstumor. Den Tumor konnte Busch weder herausschneiden noch erfolgreich therapieren. Er versuchte etwas Neues. In der Vergangenheit war ihm aufgefallen, dass die Tumore von Krebspatientinnen und -patienten immer dann kleiner wurden, wenn sie sich einen schweren Infekt eingefangen hatten. Also versuchte Busch, die junge Patientin mit Bakterien zu infizieren, indem er sie in das Bett eines Wundrose-Patienten verlegte. Das klappte umgehend. Der Tumor begann zu schrumpfen. Neun Tage später verstarb die junge Frau dennoch – an den Folgen der Infektion. Lange Zeit geriet die Idee, das Immunsystem des Körpers zu benutzen, um gegen Krebs vorzugehen, etwas in Vergessenheit. Doch heute ist sie aktueller denn je und gilt der Medizin als großer Hoffnungsmacher.

L – Ein Chip für alle Fälle

LAB-ON-A-CHIP-SYSTEM
Wie die Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Nur mit Laboranalysetechnik statt der Steuererklärung. Und mit einer musikkassettengroßen Silizium- oder Glas-Plattform statt des Bierdeckels. Flüssigkeit drauf, Ergebnis raus. Spart Proben, Material, Zeit und Platz. Ein ganzes Labor auf einem Chip. Gibt es auch für Mini-Organe statt für Flüssigkeit. Dann wachsen kleine, künstliche Organe auf dem Chip. Heißt dann nicht mehr Lab-on-a-Chip, sondern Organ-on-a-Chip. Lunge, Leber, Herz und Niere, Darm oder Gehirn, geht alles. Wozu? Zum Testen von Medikamenten und Therapien. Spart ebenfalls Proben, Material, Zeit und Platz – und auch Tierversuche.

MIKROBIOM
Beschreibt die Gesamtheit aller Mikroorganismen – also Bakterien oder andere Einzeller oder Pilze oder Viren oder noch ganz viel anderes –, die einen bestimmten Bereich besiedeln. Den Bereich kann man sehr weit fassen: Erd-Mikrobiom. Man kann ihn enger fassen: Mensch-Mikrobiom. Und man kann ihn noch enger fassen: Haut-Mikrobiom, Magen-Darm-Mikrobiom, Urogenital-Mikrobiom. Mal beim Mensch-Mikrobiom geblieben: Da kommen einige Lebewesen zusammen, die auf, in und mit uns leben. Allein bei den Bakterien sind es wohl schon über 10.000 verschiedene. Insgesamt käme man, würde man mal durchzählen, auf etwa 39 Billionen Mikroorganismen. Ein Tick mehr, als der Mensch Zellen hat (30 Billionen). Viele der kleinen Lebewesen sind gut. Sie helfen bei der Verdauung oder schützen die Haut. Ein paar sind böse. Sie machen Magen-Darm-Probleme oder verursachen Entzündungen.

N – Heller Kopf

NANOSKOPIE
Ein Zentimeter (0,01 Meter) entspricht der Breite des kleinen Fingers, ein Millimeter (0,001 Meter) der Dicke eines Fingernagels, ein Mikrometer (0,000001 Meter) dem Durchmesser eines feinen Feinstaubkorns und ein Nanometer (0,000000001 Meter) der Länge von fünf aneinandergereihten CO2-Molekülen. Lange Zeit war klar: Kein Mikroskop kann Details unterscheiden, die kleiner als 200 Nanometer sind. So stand es in jedem Schulbuch. Wegen der Beugung des Lichts, halber Wellenlänge, Physik und so. Dann kam Stefan Hell. Der Physiker, der in Heidelberg studierte, erfand die höchstauflösende Fluoreszenzmikroskopie. Heute kann ein entsprechendes Mikroskop auch wenige Nanometer große Dinge abbilden. Sollte das Gerät deswegen nicht besser Nanoskop heißen? Na ja, zumindest die Methode heißt auch: Nanoskopie.

 

O – Schädelsignale

OPTOGENETIK
Das wäre echt krasser Science-Fiction-Kram: Stell dir vor, man könnte Nervenzellen an- und ausschalten, etwa im Gehirn. Wie bei einem Lichtschalter. Klick, Nervenzelle an. Klick, Nervenzelle aus. Dann könnte man total gut untersuchen, wofür bestimmte Nervenzellen gut sind. Nur wie könnte das gehen? Man müsste bestimmte Proteine in die Wände der Nervenzellen einbauen. Kanalförmige Proteine, die aufgehen, wenn sie Licht abbekommen. Dann könnten die Kalzium-Teilchen reinströmen. Und dann würde die Zelle ihr Signal feuern. Und wenn das Licht ausgeht, gingen die Kanäle zu. Und wie käme das Licht ins Gehirn? Von außen reinleuchten? Nee. Das ginge bei Fadenwürmern oder Zellkulturen. Aber nicht bei richtigen Schädeln. Vielleicht mit einem Kabel? Genau, mit einem Glasfaserkabel. Das ist nur ein paar Mikrometer dick und könnte genau dahin führen, wo man das Licht bräuchte. Und dann könnte man die Nervenzelle einfach an- und ausschalten. Wie gesagt, das wäre echt krasser Science-Fiction-Kram. Was, gibt’s schon? Optogenetik? Keine Fiction mehr! Na gut: echt krasser Science-Kram.

 

P – Wirkt der Stoff?

PROOF-OF-CONCEPT-STUDIE
Der Begriff kann verschiedene Dinge meinen, je nachdem, wer die Studie durchführt. Ist es eine Medizinerin, dann meint sie damit, dass sie in der Studie überprüfen möchte, ob ein neues Medikament auch wirkt. Ist es ein Betriebswirtschaftler, dann meint er damit, dass er in der Studie überprüfen möchte, ob eine gut klingende Idee auch in der Praxis funktioniert. Und ist es eine Naturwissenschaftlerin, dann meint sie damit, dass sie in der Studie überprüfen möchte, ob eine Technologie oder eine Hard- oder Software auch so funktioniert, wie sie es berechnet hat.

 

Q – Quantencomputing

QUANTEN
Lat. quantum, „wie groß, wie viel“, beschreibt etwas Messbares, etwas Quantifizierbares. Paradox: Die Quanten selbst konnte lange Zeit niemand messen. Was Quanten sind? Reden Physikerinnen und Physiker über sie, dann meinen sie damit die kleinsten bisher bekannten Objekte. Ebenfalls paradox: Quanten treten mal als Teilchen auf, mal als Welle. Und erst recht paradox: Quanten können sich an zwei Orten zugleich aufhalten. Wie das alles geht? Muss man nicht verstehen. Verstehen Physikerinnen und Physiker selbst noch gar nicht richtig. Auch Albert Einstein kam hier an die Grenzen seines Denkens. Paradox aber: Trotzdem nutzen Forscherinnen und Forscher die Erkenntnisse der Quantentheorien für unseren Alltag: ohne Quantenmechanik keine Computer und Handys.

 

RIBONUKLEINSÄURE
Kurz: RNS. Englisch: ribonucleic acid. Englisch und kurz: RNA. Macht die ganze Arbeit und fristet dennoch ein Schattendasein hinter der im Rampenlicht stehenden DNA, die nur im Zellkern herumliegt und sich hier und da mal ablesen und kopieren lässt. RNA hingegen, das kopierte DNA-Gegenstück, strömt aus dem Zellkern und schnappt sich Aminosäuren. Schleppt sie durch die Zelle. Baut und baut und baut daraus Proteine, schnell, denn sie wird nach nur ein paar Minuten von Enzymen in ihre Einzelstücke zerrissen. Die Teile fließen zurück zur immer noch rumliegenden DNA. Sie werden aneinandergeflickt, neue RNA entsteht. Und es geht wieder los. Warum? So übertragen sich die Informationen, wie der Körper biologische Vorgänge zu steuern hat, in alle Zellen. 

SCHLAGANFALL
Blut, das Gehirn braucht Blut. Das Blut bringt Sauerstoff, das Blut bringt Nährstoffe. Ohne Blut stirbt unversorgtes Hirngewebe nach kurzer Zeit ab. Genau das passiert bei einem Schlaganfall: Der Blutfluss stoppt. Zwei Schlaganfallarten gibt es. Hirninfarkt und Hirnblutung. Bei beiden kommt kein Blut mehr an, wo es ankommen soll. Oder zumindest viel zu wenig. Entweder, weil eine Arterie, die das Blut transportiert, verstopft. Durch einen Blutpfropf aus geronnenem Blut oder durch Kalk. Das ist dann ein Hirninfarkt. Oder das passiert, weil eine Arterie, die das Blut transportiert, platzt. Das ist eine Hirnblutung.

T – Drei Vs für Kaninchen

TIERVERSUCH
Wer neue Therapien haben möchte, ohne selbst Versuchskaninchen zu sein, der braucht Versuchskaninchen. In Deutschland ist das – eine Folge des Contergan-Skandals – sogar vorgeschrieben: Bevor ein neues Medikament an Menschen getestet wird, muss es im Tier sicher getestet worden sein. Und immer gelten die drei Rs, die auf Deutsch drei Vs sind: Replacement, Reduction, Refinement. Vermeidung, Verringerung, Verfeinerung. Forscherinnen und Forscher sollen Tierversuche vermeiden, so gut es geht, die Anzahl der Tiere verringern, so gut es geht, und die Bedingungen für die Tiere verfeinern, so gut es geht. Das tun sie gerne. Deshalb suchen Forscherinnen und Forscher nach Alternativen wie dem Lab-on-a-Chip-System.

U – Atome in Zeitlupe

ULTRAKALT
Wie kalt ist ultrakalt? Wenn es so kalt ist, dass es schwerfällt, die Finger zur Faust zur ballen? Oder wenn das Auto nicht mehr anspringt? Oder, und so würden wohl Chemiker, Physikerinnen und alle, die Quantenexperimente machen, antworten: wenn es so kalt ist, dass sich selbst kleinste Teilchen wie Atome kaum noch bewegen. In Temperaturen ist das: ein Millionstel Grad über dem absoluten Nullpunkt. Oder sogar noch ein bisschen kälter. Sind die Atome so kalt, also ultrakalt, können die Forschenden die Atome und ihre Reaktionen untereinander besser beobachten. Wie in Zeitlupe. Manche Aspekte – zum Beispiel der Welle-Teilchen-Dualismus – werden so überhaupt erst sichtbar.

V – Carl Friedrich Benz

V

VERKEHRSREVOLUTION
Es knattert und röhrt. Gase entweichen, wirbeln umher. Verpesten die Luft und ziehen in die Lungen all derer, die zu nahe dran stehen. Es stinkt. Doch bald schon wird der Gestank verflogen sein. Weder Diesel- noch Benzinabgase wird es auf den Straßen der Zukunft geben noch ein Lenkrad noch Fahrerinnen und Fahrer. Eine neue Mobilität wird kommen. Mit neuen Fortbewegungsmitteln, neuen Fortbewegungsantrieben. Und neuen Fortbewegungsarten in alten Fortbewegungsmitteln: Auto ja, selbst fahren nein. Autonomes Fahren heißt das. Eine Verkehrsrevolution kam schon mal aus Baden-Württemberg: als der Mannheimer Carl Benz und der Schorndorfer Gottlieb Daimler das Auto erfanden. Und die nächste? Ist in Arbeit!

 

W – Ein Klick – und Licht

WIRKUNGSGRAD
Energie geht nicht verloren. Sie kann aber ihre Form ändern. Das kennt, wer schon mal eine Lampe angeschaltet hat. Ein Klick, schon verwandelt sich die elektrische Energie in Wärme- und Licht-Energie. Der Wirkungsgrad beschreibt diese Verwandlung. Und zwar, welcher Anteil der Energie bei einem Gerät in die Energieform umgewandelt wird, die man haben möchte. Um bei der Glühbirne zu bleiben, die ja hell und nicht heiß machen soll: wie viel der elektrischen Energie zu Lichtenergie wird. Das ist meist weniger, als man denkt: Die herkömmliche Glühbirne schafft gerade mal fünf Prozent. Halogen-Lampen kommen auf zehn Prozent. LEDs hingegen erreichen 40 bis 50 Prozent.

 

X-CHROMOSOM
Eines der zwei Geschlechtschromosomen, die bei fast allen Säugetieren das Geschlecht festlegen. Auch beim Menschen. Kommt das X-Chromosom im Erbgut zweimal und das Y-Chromosom kein Mal vor: Frau. Kommt das X-Chromosom im Erbgut einmal und das Y-Chromosom einmal vor: Mann. Kommt im Erbgut von Gruppen, die aus gleich vielen Frauen wie Männern bestehen, im Verhältnis drei zu eins vor. Kommt im Erbgut der Studierenden Baden-Württembergs im Verhältnis drei zu eins vor. Kommt im Erbgut von Menschen, die Führungspositionen übernehmen, überproportional häufig vor, da gibt es derzeit mehr Männer als Frauen. 

Aus der Stiftung – Forschung

ZUKUNFT VON A BIS Z

Von Bionik über Energieforschung bis Epigenetik, von HIV- und Krebstherapien bis zu neuen Operationsmethoden, von Mikrosystemtechnik über Mobilität bis zu Mikrobiom-Forschung, von Neurowissenschaft über Optogenetik bis Quantenphysik: Von A bis Z investiert die Baden-Württemberg Stiftung in die Entwicklung zukunftsfähiger Ideen, Technologien und Produkte. Im Fokus stehen dabei gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch bedeutsame Themen. Dies sichert auch kommenden Generationen Wohlstand und Arbeitsplätze – und bietet bei Transfers aus der Wissenschaft in die Wirtschaft den hier angesiedelten Firmen optimale Voraussetzungen für den Erfolg im globalen Wettbewerb. Mehr Infos unter:

 

www.bwstiftung.de/forschung.de

 

YOUTUBE
YouTube (englisch: you = „du“, englisch: tube = „Röhre, Glotze“) ist ein im Internet anzufindendes Online-Videoportal. Jede und jeder (Ausnahme: Trump, Donald) kann Videos hochladen, jede und jeder kann sie anschauen. Form und Inhalt sind (weitestgehend) frei, bewährt haben sich allerdings: Let’s Plays, Tutorials oder Challenges, dazu alles mit Hunden, Katzen, Sport, Musik oder wenn einer hinfällt. Zudem immer häufiger auf YouTube anzutreffen: Wissenschaft. Denn die kann ja auch ganz interessant sein. Aber nur dann, wenn sie jemand leicht, schnell, spannend und unterhaltsam erzählt. Besonders gut auf Englisch können das: Vsauce, Kurzgesagt – In a Nutshell und AsapSCIENCE. Besonders gut auf Deutsch können das: MrWissen2go, Dinge Erklärt – Kurzgesagt und maiLab. 

ZELLTEILUNG
30.000.000.000.000 Körperzellen hat der Mensch, das sind 30 Billionen. Ungefähr. Manche bleiben einem ein Leben lang erhalten, manche nicht. Manche teilen sich alle paar Stunden, manche teilen sich alle paar Tage, manche gar nicht. Wenn sie sich teilen, geht das so: Die DANN in den Zellkernen verdoppelt sich, die DANN kondensiert zu Chromosomen, die Kernhülle verschwindet, die Chromosomen reihen sich mittig in der Zelle auf, die Chromosomen werden in der Mitte getrennt, die Chromosomenhälften werden zu den gegenüberliegenden Seiten der Zelle gezogen, die Chromosomenhälften verlieren ihre Struktur, die Trennwand zwischen beiden Seiten entsteht. Kurze Pause. Und wieder von vorne. 40, vielleicht 50 Mal. Es folgt: Zelltod. 

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