Der schicke Sneaker schwebt einfach so im Raum. Das dreidimensionale Modell materialisiert sich plastisch über dem aufgeklappten Laptop, als sei es aus dessen Bildschirm ausgestiegen. Der Kunde kann das virtuelle Objekt seiner Begierde mit Gesten drehen und von allen Seiten betrachten – ohne 3DBrille. Der Maverick AI ist der erste Computer, der ohne Tastatur und Touchscreen auskommt. Ein ausgeklügeltes System aus Kameras und Sensoren ermöglicht Gestensteuerung und 3DProjektion im freien Raum. Das ist kein Gimmick aus einem ScienceFictionFilm, kein wolkiges Versprechen aus dem Silicon Valley. Der Maverick AI kommt aus Heidelberg und soll Ende des Jahres 2024 zum ersten Mal in der Praxis getestet werden. Ameria heißt das HightechUnternehmen, das den KI Laptop vorgestellt hat. Gerade einmal 64 Mitarbeiter tüfteln bei Ameria an berührungsfreien Steuerungen – eine zukunftsweisende Technologie, die den Computermarkt revolutionieren könnte.
Hoffnung in der Krise
Das Startup aus Heidelberg macht Hoffnung, dass Deutschland und der Südwesten künftig auch bei der weltweiten Digitalisierung maßgeblich zwischen Alphabet, TikTok und Microsoft mitmischen könnten. Eine gute Nachricht zur rechten Zeit. Denn das früher so raumgreifende Selbstbewusstsein des baden-württembergischen Mittelstands scheint in letzter Zeit etwas angeknackst angesichts stagnierenden Wachstums und schwer kalkulierbarer ökonomischer Umbrüche im Schatten grundstürzender globaler Krisen. Nicht nur der Ministerpräsident warnt vor den erbarmungslosen Gesetzen des Marktes: „Wer nicht mitkocht, steht bald auf der Speisekarte“, sagt Winfried Kretschmann.
Es gibt genug Gründe zur Sorge. Da geraten Preiskalkulationen von Unternehmen durch die Inflation unter Druck, die wachsende Bürokratie lässt vor allem Kleinunternehmen weniger Zeit für ihre eigentliche Arbeit. Die europäische Wende hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft macht Investitionen – etwa in Energiespeicher und Steuerungstechnik – notwendig, die aber von vielen Unsicherheiten begleitet werden. Mancher Unternehmer kapituliert vor diesen Herausforderungen. Untersuchungen des LeibnizZentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim zeigen, dass im Jahr 2022 die Zahl der Unternehmensschließungen die der Gründungen überstieg. Die Zahl der Neugründungen, die seit 2015 recht konstant gewesen war, sank 2022 deutschlandweit um 12 Prozent, in BadenWürttemberg sogar um 14 Prozent.