Dezember 2020: Rund um die Justizvollzugsanstalt (JVA) Freiburg hören Anwohnerinnen und Anwohner Schreie aus dem Gefängnis dringen. Ein brennender Gegenstand fliegt aus dem Fenster. Der „Worst Case“ ist eingetreten: Ein Häftling war positiv auf das Coronavirus getestet worden. Unter den Mitinsassen verbreitet sich Unmut. Die Angst vor Ansteckung ist riesig. Ein Gefängnis ist einer der gefährlichsten Orte für einen Ausbruch: Die Gefangenen leben eng zusammen, sie teilen sich Zellen, Gänge, den Hof, sie arbeiten zusammen in Werkstätten – und sie können nicht weg.
„Gefängnisse sind ein besonders sensibles Thema in der Pandemie“, sagt Angela Kalous, Abteilungsleiterin Forschung der Baden-Württemberg Stiftung. Auch weil sich die Inhaftierten nicht selbst schützen können. Die promovierte Juristin sah schon zu Beginn der Pandemie großen Handlungsbedarf, nicht nur in JVAs, sondern auch an anderen gefährdeten Orten wie in Alten- und Pflegeheimen. „Der Staat hat eine große Verantwortung“, betont Kalous. „Die Gefangenen sind in seiner Obhut, der Staat muss also auf sie aufpassen.“ Es braucht schnelle und zuverlässige Testverfahren – nur: Wie lässt sich das umsetzen? Die ganze JVA testen? In der Zeit, die eine klassische Testauswertung braucht, kann sich das Virus massiv verbreiten. Im schlimmsten Fall durch einen symptomlosen Bediensteten.