Von der rechten Ecke des Stadtplans weisen vier Klimakorridore wie grüne Finger auf den quadratischen Grundriss der Mannheimer Innenstadt. Die Grünschneisen transportieren frische Luft vom Käfertaler Wald im Nordosten bis in die City. Jens Weisener und Georg Pins sitzen im wohl temperierten Mannheimer Rathaus und zeigen die Strömungsverläufe auf der Karte. Weisener arbeitet im Fachbereich Stadtplanung, Pins leitet die Abteilung Klimaschutz der Stadt. Die vier Frischluftkorridore, erklären sie, sind so etwas wie die Klimaanlage der Mannheimerinnen und Mannheimer. Sie bringen der Stadt mit ihren 325.000 Einwohnern in Hitzesommern kühle Luft zum Atmen. Diese natürliche Frischluftzufuhr war jahrzehntelang gestört. Drei militärische Areale lagen mit ihren Asphaltflächen und Kasernen im Weg und erwärmten die vorbeiströmende Luft um drei bis vier Grad. Auf dem Stadtplan, den Pins und Weisener vor sich liegen haben, sind sie noch rot markiert.
Mannheim gehört zu den Städten in Baden-Württemberg, die am meisten von Hitze und Dürre geplagt sind. Im Jahr 2022 war sie sogar die deutsche Stadt mit den meisten Hitzetagen: An 47 Tagen war es über 30 Grad Celsius heiß. Unter den zehn größten Städten im Südwesten ist sie zudem die Kommune mit dem höchsten Anteil versiegelter Flächen – mit der Konsequenz, dass an heißen Tagen die Hitze in der dicht bebauten Stadt steht. Um sich an den Klimawandel anzupassen, hat die Stadtverwaltung, früher als andere Kommunen, Maßnahmen eingeleitet. Schon im Jahr 2005 wurde eine eigene Abteilung für Klimaschutz gegründet und 2009 damit begonnen, ein Klimaschutzkonzept zu entwickeln. Als eine der ersten Städte in Deutschland beschloss Mannheim 2018 einen Hitzeplan, um Bevölkerungsgruppen zu schützen, die besonders von hohen Temperaturen betroffen sind. Im selben Jahr erstellte die Stadt – unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger – eine Strategie zur Klimaanpassung, die auch vorsieht, Flächen zu entsiegeln und Grünflächen anzulegen. Schritt für Schritt soll die Quadratestadt zur Schwammstadt werden.