Es gibt diesen Hof schon sehr lange. Es ist ein schönes Fachwerkhaus: dunkle Holzbalken, grüne Fensterläden, ein Stall für Pferde, eine Holzbank davor. Und es sieht so idyllisch aus, dass man den Lärm fast vergisst: das konstante Rauschen von Fahrzeugen, die mit 160 Sachen vorbeirasen. Das 210 Jahre alte Haus in Gladbeck ist eingequetscht zwischen die Autobahn A 2 und die Bundesstraße B 224, eine der meistbefahrenen Straßen Nordrhein-Westfalens.
Als die Ahnen der heutigen Besitzer, der Familie Schulte-Pelkum, sich dort vor mindestens 1.100 Jahren niederließen, konnten sie davon natürlich nichts ahnen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 900. Die Familie lebte dort, als die Pest kam, als napoleonische Truppen durchzogen und als das kleine Dorf zur Stadt wurde durch die fünf Kohlebergwerke, die hier im 19. Jahrhundert aufmachten. Als die Zechen in den 1970er-Jahren wieder schlossen, waren sie immer noch da. Und dann kam das Autobahnkreuz. Der Hof der Schulte-Pelkums liegt genau dort, wo bald ein Zubringer die Autobahnen A 2 und A 52 verbinden wird. Die Bundesstraße wird in eine Autobahn verwandelt. 2023 soll der Bau beginnen. Die Schulte-Pelkums haben sich lange widersetzt. Aber die Autobahngesellschaft machte ihnen klar: Wenn ihr nicht freiwillig verkauft, werdet ihr vom Staat enteignet.