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Impressum

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Kriegsbergstraße 42
70174 Stuttgart
Deutschland

Fon +49.711.248 476-0
Fax +49.711.248 476-50
E-Mail: info(a)bwstiftung.de

www.bwstiftung.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführung: Christoph Dahl (Geschäftsführer), Rudi Beer, Dr. Andreas Weber, Birgit Pfitzenmaier (Prokuristen)
Gesellschafter: Land Baden-Württemberg
Handelsregistereintrag: Amtsgericht Stuttgart HRB 10775

     

Die Veränderung der Altersstruktur führt auch dazu, dass die Zahl suchtkranker bzw. suchtgefährdeter älterer Menschen steigt.

Die Baden-Württemberg Stiftung hat sich bereits 2008 diesem Thema angenommen und ein landesweites Programm  zum Thema Sucht im Alter aufgelegt. Elf Modellprojekte haben es sich dann zwischen 2010 und 2014  zur Aufgabe gemacht, in den Lebensbereichen älterer Menschen gezielt Konzepte zur Prävention und Frühintervention zu entwickeln und erproben. 

Dieses Thema wurde im Rahmen eines "Aktionsprogramm Sucht" der Baden-Württemberg Stiftung erneut aufgrgriffen.

In einer zweiten Auflage von Sucht im Alter werden Modellprojekte angestoßen, die sich mit den Themen Prävention, Früherkennung und Frühintervention bei älteren Menschen (55 Jahre und älter) und deren Suchtproblematiken oder Auffälligkeiten in Bezug auf Alkohol-, Nikotin- und Medikamentenmissbrauch – insbesondere Benzodiazepinabhängigkeit – auseinandersetzen.
 
Hauptziel ist es, Menschen im höheren und hohen Lebensalter über die Thematik aufzuklären, Suchtproblematiken oder Auffälligkeiten bei der Zielgruppe vorzubeugen bzw. besser zu erkennen und ihnen ggf. einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu fachgerechter Beratung und Behandlung zu ermöglichen.

Das Programm soll zudem einen Beitrag dazu leisten, dass die weitgehende Ausklammerung des Themas in der Öffentlichkeit überwunden wird.

Die Veränderung der Altersstruktur infolge des demografischen Wandels verdeutlicht der Mikrozensus, die größte amtliche Haushaltsbefragung in Deutschland. Laut Mikrozensus und Angaben des Statistischen Landesamts lebten im Jahr 2012 gut 2,1 Millionen Menschen mit einem Alter von 65 und mehr Jahren in Baden-Württemberg. Somit gehört fast jeder fünfte Einwohner in Baden-Württemberg zur Altersgruppe der 65jährigen und Älteren. Das sind doppelt so viele, wie noch vor 50 Jahren. Die Prognosen gehen davon aus, dass in 20 Jahren bereits jeder vierte Mensch in Baden-Württemberg über 65 Jahre alt sein wird.

Bekannt ist, dass Substanzmissbrauch und -abhängigkeit sind auch im höheren Lebensalter keine Seltenheit sind. Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen belegen dies:

  • 26,9% der Männer und 7,7% der Frauen über 60 Jahre trinken so viel Alkohol, dass ihr Risiko für zahlreiche Krankheiten deutlich erhöht ist

  • Etwa 2 bis 3% der Männer und 0,5 bis 1% der Frauen über 60 Jahre sind von Alkoholmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit betroffen

  • Zwischen 8 und 13% der über 60-Jährigen weisen einen problematischen Gebrauch psychoaktiver Medikamente bzw. von Schmerzmitteln auf. Das entspricht einer absoluten Zahl von 1,7 bis 2,8 Mio. Frauen und Männern in Deutschland

  • Knapp 1,3 Mio. Männer und über 800.000 Frauen im Alter von 60 und mehr Jahren rauchen. Das sind mehr als 2,1 Mio. Menschen bzw. ca. 10% der Altersgruppe.


Nimmt man an, dass die Prävalenz von Suchterkrankungen konstant bleibt, wird sich allein durch die beschriebene Entwicklung der Altersstruktur die Zahl der suchtkranken älteren Menschen stark erhöhen. Auch der medizinische Fortschritt trägt dazu bei, dass die Lebenserwartung älterer Patienten mit Suchtkrankheiten aufgrund verbesserter Behandlungsmöglichkeiten ansteigen wird, ebenso die Zahl Suchtkranker insgesamt.

Richtete sich bei der Betrachtung des Themas Sucht im Alter der Fokus bislang vorrangig auf die Abhängigkeit von Medikamenten, vor allem von Schlaf- und Schmerzmitteln, ist vor dem Hintergrund neuerer epidemiologischer Untersuchungen sowie der zu erwartenden demografischen Entwicklung mit einem überproportionalem Anstieg der Zahl der Suchterkrankungen im höheren Lebensalter auch im Hinblick auf Alkohol, Tabak und illegalen Drogen zu rechnen. Substanzmissbrauch und -abhängigkeit bei älteren Menschen ist somit ein sich verstärkendes und gesellschaftlich relevantes Thema, das jedoch nur unzureichend wahrgenommen wird. Selbst Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfesysteme, die mit Betroffenen in Kontakt kommen, sind stellenweise unsicher oder ungenügend vorbereitet bzw. informiert.

Wesentliche Faktoren, die ältere Menschen anfälliger für Suchtmittel machen können, sind:

  • Eintritt des Rentenalters, damit verbunden der Verlust von Tagesstruktur, die Verkleinerung des sozialen Netzwerkes und finanzielle Einbußen

  • Einschneidende Lebensereignisse wie der Tod des Partners oder von Freunden

  • Auflösung der traditionellen Familienstrukturen: Die Kinder verlassen das Haus, Enkelkinder kommen selten zu Besuch.  

  • Körperliche Veränderungen, wodurch z.B. schon geringere Mengen von Alkohol schädlich sind

  • Erhöhte Anfälligkeit für Krankheit und damit verbunden vermehrte Einnahme unterschiedlicher Medikamente

Für die 2. Projektphase wurden 11 Modellprojekte in das Programm aufgenommen. Eine ausführliche Projektliste wird derzeit erstellt. 

Eine erste Übersicht über die Projekte erhalten Sie hier.

Das Programm Sucht im Alter wird seit Beginn vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim unter der Leitung von Professor Dr. Karl Mann wissenschaftlich begleitet. 

Programmevaluation: Ergebnisse

Die Evaluationsergebnisse zu den Projekten in der Zeit von 2010 bis 2014 zeigen, dass durch die unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen ein deutlicher Wissenszugewinn bei Beschäftigten in den Hilfesystemen erzielt werden konnte. Ebenso konnte das gesellschaftliche Tabu in der Öffentlichkeit in Teilen entkräftet und Beratungs- und Behandlungsangebote für Betroffene und deren Angehörige ausgebaut und vorhandene Maßnahmen für die Zielgruppe spezifiziert werden.

Die Programmevaluation zeigt aber auch, dass eine Weiterführung und Intensivierung der begonnenen Arbeit notwendig ist. Insbesondere die Verknüpfung von Sucht- und Altenhilfe wird dabei als zentrales Ziel angesehen. Zusätzlich muss eine stärkere Vernetzung bisher getrennter Bereiche erfolgen, was sowohl die ambulante Versorgung suchtkranker älterer Menschen als auch die Prävention beim Allgemeinmediziner mit einschließt. 

Neben den Ergebnissen erhalten Sie ausführliche Informationen zu den einzelnen Projekten.

Am 29. Juli 2014 wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vorträge der Veranstaltung und die Evaluationsergebnisse finden Sie hier zum Download: