Anpassung an den Klimawandel

Neue Forschungsprojekte starten in Baden-Württemberg

Mit insgesamt 5 Mio. Euro finanziert die Baden-Württemberg Stiftung acht neue Projekte im Land, die vielfältige Anpassungsstrategien an den Klimawandel entwickeln.

Das neue Forschungsprogramm Innovationen zur Anpassung an den Klimawandel der Baden-Württemberg Stiftung unterstützt Projekte, die Strategien für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels entwickeln. Die Projekte nehmen dabei vor allem den Schutz betroffener Menschen und mögliche Anpassungsstrategien in den Blick.

 

"Treibhausgase in der Atmosphäre führen bereits jetzt zu spürbaren klimatischen Veränderungen, die sich mittelfristig nicht mehr aufhalten lassen."
Christoph Dahl, Geschäftsführer BW Stiftung

„Mit dem Programm Innovationen zur Anpassung an den Klimawandel wollen wir Betroffene dabei unterstützen, auf Extremwetterlagen wie beispielweise lange Hitzeperioden zu reagieren. Das Programm bringt unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zusammen und soll lebenspraktische Anwendungen hervorbringen, von denen die Menschen im Land handfest profitieren“, sagt Christoph Dahl.

Innovativ, digital und praxisorientiert

Innerhalb des Programms sollen Forschungsansätze erarbeitet, Technologien zur Klimaanpassung entwickelt, als Prototypen getestet und auf ihre Nutzbarkeit hin überprüft werden. Im Mittelpunkt stehen dabei eine interdisziplinäre Herangehensweise und die enge Zusammenarbeit mit Nutzerinnen und Nutzern im urbanen sowie im ländlichen Raum. Ziel des Programms ist es, insbesondere Einzelpersonen als Zielgruppe technischer und digitaler Lösungsansätze zu berücksichtigen und früh in die Entwicklung einzubinden. Mit vielfältigen Technologien und digitalen Werkzeugen, beispielweise Apps, sollen in erster Linie praktische Lösungen für die Klimaanpassung entstehen, die sich breit und vielseitig einsetzen lassen. Dafür stellt die Baden-Württemberg Stiftung insgesamt 5 Millionen Euro zur Verfügung.

Schattenspender für die Stadt

Mit ihrem Projekt „Mikroklimaadaption in urbanen öffentlichen Räumen“ erprobt die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart das Potenzial und die Umsetzungsmöglichkeit von wandel- und spannbaren Bauformen als innovative Antwort auf die klimatischen Veränderungen. Der Forschungsschwerpunkt liegt dabei in der Entwicklung von architektonisch-technologischen Strategien zur Kühlung städtischer Hitzeinseln mit leichten, wandelbaren Strukturen. Besonders warme Orte in der Stadt können etwa mit veränderbaren textilen Strukturen überspannt werden, die als Schattenspender dienen. Insbesondere für dichtbebaute Städte mit hohem Versiegelungsgrad und gleichzeitig geringer natürlicher Durchlüftung verspricht dieser Ansatz an sonnigen Tagen eine deutliche stadtklimatische Verbesserung.

Streuobstwirtschaft fit für den Klimawandel machen

Das Projekt „Streuobstwiesen im Klimawandel“ des Verbands zur Förderung angepasster, sozial- und umweltverträglicher Technologien (AT-Verband) in Stuttgart in Kooperation mit den Universitäten Hohenheim und Tübingen möchte die Streuobstwirtschaft fit für den Klimawandel machen. Schon heute leiden die ökologisch wertvollen Streuobstwiesen unter wirtschaftlichen, administrativen und gesellschaftlichen Problemen. Das Projekt analysiert unter anderem die klimabedingten Auswirkungen auf Streuobststandorte und entwickelt mögliche Anpassungsmaßnahmen. Dabei kommen nicht nur Methoden aus der Künstlichen Intelligenz oder Drohnen für die Bestandsaufnahme zum Einsatz, sondern auch Dialogforen und Workshops mit beteiligten Akteuren. Sie sollen zielorientierte, klimatisch und wirtschaftlich angepasste Handlungsoptionen, Strategien und Bewirtschaftungskonzepte ausarbeiten.

Solarstrom für die Landwirtschaft in Freiburg

Das Projekt „Klimaanpassung durch organische Agriphotovoltaik“ des Fraunhofer-Instituts für solare Energietechnik (ISE) in Freiburg entwickelt hochtransparente organische Solarzellen, die das für Pflanzen wichtige sichtbare Licht hindurchlassen und den infraroten Anteil zur Stromerzeugung nutzen. Auf diese Weise lässt sich aus den Foliendächern, die die Pflanzen vor Starkregen, Hagel, Sonnenbrand und Austrocknung schützen, der benötigte Solarstrom für die Energie- und Mobilitätswende gewinnen. Durch den Mehrwert des Solarstroms könnten hochwertigere Folien- und Glasgewächshäuser gegenfinanziert und den Landwirten so die Klimaanpassung finanziell erleichtert werden. Das Projekt bringt die Forschenden des Fraunhofer ISE mit potenziellen Anwendern in der Landwirtschaft zusammen.

Ohne Hitzebelastung durch Heidelberg

Das Projekt „Hitzeanpassung für vulnerable Bevölkerungsgruppen“ der Universität Heidelberg möchte Erkenntnisse über Hitzebelastungen und deren Auswirkungen auf besonders verletzliche Personenkreise in Heidelberg gewinnen. Das Projekt identifiziert und modelliert hierfür anhand von Echtzeit-Sensordaten in Heidelberg Gebiete erhöhter Hitzebelastung. Neben Informationen zur Hitzebelastung selbst, geht es dabei auch um Informationen, wie sich die Bewohnerinnen und Bewohner zu besonders warmen Zeiten hitzevermeidend im Stadtgebiet fortbewegen können. Gewonnene Informationen werden zusätzlich aufbereitet und über eine App sowie über klassische Informationsmaterialien und Karten zur Verfügung gestellt. Dieser hitzevermeidende Routingdienst steht über die Projektlaufzeit sowohl als Dienst für Heidelberg als auch als Open-Source-Projekt für andere interessierte Kommunen zur Verfügung.

Kühle Brise aus Karlsruhe

Im Projekt „BREEZE“ der Hochschule Karlsruhe wird ein Prototyp zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels erstellt, der im Sommer städtische Hitzeinseln durch Verdunstung kühlt und dabei überschüssiges Regenwasser nutzt. Die Idee: Niederschlagswasser, das hauptsächlich in der kalten Jahreszeit anfällt, wird in dezentralen unterirdischen Zisternen gespeichert und dann in den Sommermonaten über Verdunstungselemente wieder abgegeben. Zusätzlich kann man auch mögliche Folgen des Klimawandels erleben. So lässt sich in Echtzeit nachvollziehen, wie sich der gleiche Ort trotz Anpassung über BREEZE anfühlt, wenn die globale Erwärmung bei etwa 2,0°C liegen würde. Die spielerische, interaktive Nutzung vermittelt so nicht nur ein besseres Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels auf den eigenen Lebensbereich, sondern motiviert die Nutzerinnen und Nutzer auch, ihr individuelles Verhalten zu ändern.

Smarte Klimaanpassungsinstrumente in der häuslichen Pflege (SmaKi)

Das Projekt „SmaKi“ der Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung in Villingen-Schwenningen richtet sich an ältere Menschen, für die der Klimawandel mit vermehrten Hitzeperioden und steigenden Temperaturen oft eine gesundheitliche Bedrohung darstellt. SmaKi unterstützt deshalb pflegebedürftige Personen und deren Betreuerinnen und Betreuer sowie Angehörige in Hitzephasen mit Warnungen und Empfehlungen im Alltag. Für die Kontext- und Situationserfassung werden sowohl allgemeine Wetterinformationen als auch lokale Sensorsysteme als Datenquellen genutzt. SmaKi entwickelt darüber hinaus auch einen eigenen Sensor, der potenziell gefährliche Zugluft erfasst und beim Lüften warnt. Zusätzlich misst er noch weitere Umweltinformationen wie Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck. Der Sensor ist lernfähig und passt sich an die individuellen Bedürfnisse seiner Nutzerinnen und Nutzer an. Umfangreiche Evaluations- und Demonstrationsaktivitäten mit Pflegedienstleistern und Beratungsstellen runden das Projekt ab.

Hitzewarnsystem aus Offenburg und Ulm

Das Projekt „HeatGUIde“ der Hochschule Offenburg bietet technische Lösungen für Privathaushalte, um körperliche Belastungen aufgrund häufigerer und längerer Hitzeperioden als Folgen des Klimawandels zu reduzieren. Dazu wird ein Prototyp eines Hitzewarn- und Managementsystems für einzelne Häuser und Räume entwickelt. Mit Computermodellen, Algorithmen und Standard-IT-Komponenten soll das System die Bewohnerinnen und Bewohner eines Hauses frühzeitig vor besonders belastenden Situationen warnen und konkrete Handlungsanweisungen geben. Das System wird in 20 realen Haushalten implementiert, entwickelt und getestet. Die Kooperation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, insbesondere mit dem Projekthaus Ulm, sowie mit der Regionalen Energieagentur Ulm und den Stadtwerken Ulm, soll dazu beitragen, die praktischen Anforderungen an das System genau zu verstehen und sein Anwendungspotenzial zu erhöhen.

Bürgerwissenschaft aus Reutlingen

Im Forschungsprojekt „ParKli“ der Hochschule Reutlingen werden die Folgen des Klimawandels für lokale Natur- und Lebensräume untersucht. Bürgerinnen und Bürger werden dabei aktiv im Rahmen von sogenannten Citizen Science Aktivitäten in die Datenerhebung und Maßnahmenentwicklung einbezogen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie lassen sich vorhandene Anwendungen und Datenquellen aus der Umweltinformatik integrieren, um gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern lokale Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung zu entwickeln? ParKli greift auf vorhandene Anwendungen und Datensätze aus der Umweltinformatik zurück und regt eine Weiterentwicklung an. Dabei sollen Schnittstellen zwischen den Daten aus verschiedenen Citizen-Science-Projekten geschaffen werden, um diese zusammenzuführen. Ziel ist es, gemeinsam mit interessierten Personen einen Baukasten mit Best-Practice-Empfehlungen für Frühwarnsysteme zur Klimaanpassung zu entwickeln.

Stiftungsprofil:

Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger. www.bwstiftung.de

Pressemitteilung als Download

Programm Klimaanpassung

Dr. Philipp Jeandrée

Referent Kommunikation
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