Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

der vergangene Sommer hat uns vielerorts klar vor Augen geführt: Unsere Lebensweise beeinflusst die Gesundheit des Planeten Erde – und das wirkt auf uns selbst zurück. Die Forschung bezeichnet diesen Zusammenhang als Planetary Health.

 

Wir sind eingebunden in ein „Netz des Lebens“: Alexander von Humboldt prägte dieses Bild schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Er erkannte, dass wir nicht außerhalb der Natur stehen, sondern wie Tiere und Pflanzen ein Teil von ihr sind. Wenn der Mensch die „Naturordnung stört“, warnte Humboldt, könne sich das Klima der Erde verändern. Die Folgen spüren wir heute deutlich. Doch nicht nur der Zustand unserer natürlichen Umwelt hat Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Auch wo und wie wir leben, beeinflusst unsere seelische und körperliche Gesundheit.

 

Diese Ausgabe der Perspektiven macht das Netzwerk dieser Zusammenhänge sichtbar. Wie beeinflussen der Klimawandel, die Luft- und Umweltverschmutzung und der Verlust an Biodiversität konkret unsere menschliche Gesundheit? Wie wichtig ist Gemeinschaft für unser Wohlbefinden? Was hat Gesundheit mit Gerechtigkeit zu tun? Wie kann sich unser Gesundheitssystem, das stark darauf ausgerichtet ist, den Menschen erst zu behandeln, wenn er krank geworden ist, in Richtung Prävention verändern – und wie gut ist es auf die neuen gesundheitlichen Risiken vorbereitet?

 

Das Forschungsfeld Planetary Health ist ein aktuelles Schwerpunktthema der Baden-Württemberg Stiftung. Mit unseren Programmen und Projekten möchten wir zu einer Gesellschaft des gesunden Gleichgewichts beitragen. Wir unterstützen Grundlagenforschung und helfen über unsere Klimaschutzstiftung dem Land dabei, Natur, Umwelt und Klima zu schützen – für das Wohl von Mensch und Planet. In diesem Heft finden Sie dafür viele Beispiele.

 

Das Thema Planetary Health passt in besonderer Weise zu Baden-Württemberg. Unser Land zählt zu den bedeutenden Gesundheitsstandorten Deutschlands – getragen von einer starken Medizintechnik- und Pharmaindustrie, exzellenter Wissenschaft und innovativen Forschungseinrichtungen. Dazu gehören etwa das Deutsche Krebsforschungszentrum, der neue Klinikverbund Heidelberg-Mannheim und der Bosch Health Campus in Stuttgart, dessen Geschäftsführer in diesem Heft seine Perspektive auf das Krankenhaus der Zukunft skizziert.

 

Wenn wir über Gesundheit und Planetary Health sprechen wollen, müssen wir jedoch mit einer essenziellen Frage beginnen: Wann gilt ein Mensch überhaupt als gesund – und wann der Planet? Acht Expertinnen und Experten geben zum Auftakt dieser Ausgabe spannende und auch ganz persönliche Antworten.

 

Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre!

 

Ihre Theresia Bauer

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