Stilisierte Illustration einer sonnigen Landschaft mit Hügeln, einem kleinen Haus und einem Auto. Im Mittelpunkt steht ein großes, weiß-grünes Objekt auf einem Hügel, das von starken Sonnenstrahlen angestrahlt wird.

Feature
Gesundheit und Klima

Hitze und Trockenheit, Luftverschmutzung und Infektionen: Die direkten und indirekten Folgen des Klimawandels belasten unseren Alltag und machen uns krank. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Baden-Württemberg arbeiten an Lösungen – und an einem Kulturwandel.

Benno Stieber

Normal ist das nicht: 41,8 Grad in einem deutschen Sommer, gemessen im Juni 2026 in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt – ein absoluter Rekordwert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Baden-Württemberg lag mit 41,4 Grad in Bruchsal nur knapp darunter. 35 Hitzetage gab es im Landesmittel nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bis Ende August im Südwesten. Elf waren es im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte, 28 im bisherigen Jahrhundertsommer 2003. In Städten entlang des Rheins, im Stuttgarter Raum und am Bodensee zählten die Meteorologen im vergangenen Sommer sogar bis zu 55 Hitzetage – Tage mit Temperaturen von 30 Grad und mehr. Auch die Nächte blieben außergewöhnlich warm. Alle ernstzunehmenden Klimaforscherinnen und -forscher sind sich einig: Das war kein Ausreißer, selbst wenn es im kommenden Jahr vielleicht wieder kühler werden sollte.

Ein Sonnenschirm schützt Menschen, Haus und Hof vor der Hitze – nicht aber vor Mücken. Ärztinnen und Ärzte geben in Klimasprechstunden Tipps zur Mückenabwehr und zum richtigen Verhalten an Hitzetagen.

Die Hitze ist im Kommen. Sie beeinträchtigt unseren Alltag. Und sie fordert Menschenleben. 16.300 Menschen sind im Sommer 2026 in Deutschland an der Hitze und ihren Folgen gestorben, schätzt das Robert-Koch-Institut. In Baden-Württemberg waren es 3.870 Todesfälle. Alarmierende Zahlen, die zeigen, dass wir die Erderwärmung dringend begrenzen müssen – und dass wir ihre Folgen immer stärker spüren werden. „Wir müssen uns alle umstellen“, betont Robin Maitra, Hausarzt im schwäbischen Hemmingen – und meint auch die Medizinerinnen und Mediziner. „Ob wir zehn Grad minus haben oder mehr als 30 Grad Hitze: Im Moment spielt das bei der Behandlung etwa von Herzpatienten kaum eine Rolle.“ Eigentlich, erklärt Maitra, müsste bei jeder Patientin und jedem Patienten geprüft werden, ob an heißen Tagen die Dosierung von Blutdrucksenkern und Entwässerungstabletten reduziert werden sollte. Denn der menschliche Körper reagiert bei Hitze anders auf Medikamente. Auch Diabetes-Medikamente wirkten bei verschiedenen Temperaturen ganz unterschiedlich. „Ärzte haben das noch zu wenig auf dem Zettel“, sagt Maitra.

Die Asiatische Tigermücke ist in Europa heimisch geworden.

Klimasprechstunden und Tropenviren
Maitra hat als Klimaschutzbeauftragter der Landesärztekammer Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren 6.000 Ärztinnen und Ärzte zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Klimaveränderungen fortgebildet. Aber auch die Patienten und gesunde Menschen müssten ihr Verhalten ändern. „In südlichen Ländern, wo oft noch eine lange Mittagspause gehalten wird, käme kaum ein alter Mensch auf die Idee, nachmittags zum Einkaufen zu gehen – dann, wenn die Hitze am größten ist“, sagt Maitra und ergänzt: „Hier im Südwesten sehe ich das ständig.“ Auch mit luftiger Kleidung und kontinuierlichem Trinken müssten die Menschen bei Hitze ihren Körper entlasten. Klimatipps wie diese gibt Maitra den Patientinnen und Patienten in seiner Sprechstunde.

Die Hitze belastet auch das Gesundheitssystem. An heißen Tagen werden nach Angaben der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) mehr Menschen in Krankenhäuser eingeliefert. Klimaanlagen sind dort, wie in vielen Pflegeeinrichtungen, aber Mangelware. Diese Themen stehen auch im Zentrum der Hitze-Taskforce, die Sozialminister Oliver Hildenbrand im Sommer 2026 in Baden-Württemberg eingerichtet hat. Die Abteilung analysiert die Defizite etwa in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen und versucht, sie rasch zu beheben. In Absprache mit Kommunen und den Gesundheitsämtern sollen Maßnahmen gebündelt und koordiniert werden. Für den kommenden Sommer ist ein Hitzeaktionsplan geplant, um die Bevölkerung im Alarmfall schneller warnen zu können.

Die Gegend um Basel im Jahr 1810: Im sumpfigen Europa grassierte die Malaria. Nach Rheinbegradigung und der Trockenlegung von Sumpfgebieten gilt die Krankheit hierzulande – zumindest bislang – als ausgestorben.

Für Ärzte sieht Hausarzt Robin Maitra noch eine andere Herausforderung: Sie müssten sich darauf einrichten, dass Infektionskrankheiten, die man sich früher nur im Urlaub in südlichen Gefilden einfangen konnte, auch im Südwesten wieder alltäglich werden – zum Beispiel das Denguefieber. Asiatische Tigermücken, Hauptüberträger dieser Virusinfektion, wurden 2007 das erste Mal in Süddeutschland nachgewiesen. Der Klimawandel begünstigt durch mildere Winter und heißere Sommer die Vermehrung der tagaktiven Quälgeister. Inzwischen scheint der Kampf verloren. Die aus Südostasien stammenden Mücken sind längst in vielen Gegenden Süddeutschlands und Europas zu Hause und können potenziell auch Krankheiten übertragen, wie ein Fund in Basel zeigt. Im März 2026 hat das kantonale Labor das Dengue-Virus erstmals in einer Tigermücke in Mitteleuropa nachgewiesen. Und im September 2026 sind im Umfeld des Frankfurter Flughafens zwei Menschen an Malaria erkrankt, die zuvor nicht in einem Risikogebiet unterwegs waren. Einer von ihnen starb an der Infektion. Beide Personen wurden offenbar von eingeschleppten Anopheles-Mücken gestochen. Bereits im Juli und August waren Mitarbeitende des Frankfurter Flughafens an Malaria erkrankt, zwei der Infizierten starben.

Ein interdisziplinäres Team der Universität Heidelberg nutzt Geodaten und Hitzesensoren, um gefährdeten Menschen über die App HEAL im Sommer einen möglichst kühlen Weg durch die erhitzte Innenstadt von Heidelberg zu weisen. Die dunklen Flächen zeigen unterschiedliche Schattenstände an: 23.07.2026, 9 Uhr (oben), 23.07.2026, 12 Uhr (unten)

Verbreiten sich tropische Krankheiten auch im Südwesten? Und welche Lösungsansätze gibt es, um auch in Zeiten des Klimawandels gesund leben und zugleich die Erde schützen zu können? Lesen Sie das große Feature im Magazin. Jetzt kostenfrei bestellen.

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Das Forschungsprogramm fördert exzellente wissenschaftliche Projekte und ihren Kampf gegen Viruserkrankungen. Ziel ist es, innovative Methoden und Breitband-Therapeutika zu entwickeln – also Medikamente, die nicht nur gegen ein Virus, sondern gegen eine ganze Reihe verschiedener Viren wirken.

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