Herr Professor Alscher, wenn Sie an das Krankenhaus der Zukunft denken: Was sehen Sie?
Zunächst blicke ich zurück: Schon 1915 hat sich Robert Bosch gefragt, wie ein Umfeld aussieht, das Menschen gesund halten kann. Er gründete ein homöopathisches Krankenhaus mit der Auflage, dass sich Homöopathie wissenschaftlich bewähren muss. Dieser Anspruch, Gesundheit mit Wissenschaft zu verbinden, prägt uns als forschendes Krankenhaus bis heute. 2022 haben wir mit der Gründung des Bosch Health Campus an diese Tradition angeknüpft, und mit „Gesundheit“ statt „Krankenhaus“ im Namen unseren Zukunftsanspruch zum Ausdruck gebracht. Am Campus bündeln wir Patientenbehandlung, Spitzenforschung, Aus- und Fortbildung in Gesundheitsberufen sowie die Förderung vielversprechender Ideen für eine bessere Gesundheitsversorgung. Das Krankenhaus der Zukunft ist für mich mehr als ein Ort, an dem Krankheiten behandelt werden. Es ist un Ort, an dem Gesundheit ganzheitlich verstanden, erhalten, erforscht und gefördert wird.
Was bedeutet das für die Architektur?
Die klassische Medizin konzentriert sich häufig auf das erkrankte Organ, gleichzeitig wissen wir, wie wichtig psychische und seelische Faktoren für Heilung sind. Hier wird das Umfeld entscheidend. Ein Krankenhaus muss ein heilungsförderndes Klima schaffen: Dazu gehören für uns der Bezug zur Natur, viel Tageslicht sowie Kühlelemente gegen immer heißere Sommer. Unser kommendes Klinikgebäude blickt über das Neckartal bis zur Schwäbischen Alb. Französische Balkone schaffen zusätzlichen Bezug nach draußen. Wichtig ist uns auch Healing Art: Wir möchten eine Umgebung schaffen, die emotional anspricht und Orientierung gibt – etwa durch die künstlerische Gestaltung von Wänden und Decken in Untersuchungsräumen.