Gesundheit bedeutet, in Balance zu bleiben. Das ist auch der Auftrag für Medizin und Forschung. Da der männliche Körper über Jahrzehnte hinweg als Standard galt, wurden Krankheiten bei Frauen oft zu spät oder gar nicht erkannt. Das ändert sich aktuell – und eine neue Balance entsteht.
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Gesundheit und Gerechtigkeit
In Deutschland sind die Chancen auf ein gutes Leben ungleich verteilt. Einkommen, Bildung und Geschlecht beeinflussen, wie gesund und wie lange Menschen leben. Doch es gibt Lösungen.
Gesundheit kann man sich nicht kaufen. Oder? Wer in letzter Zeit mal versucht hat, als gesetzlich versicherte Person zeitnah einen Termin bei einer Fachärztin zu ergattern, wird jetzt wahrscheinlich nur müde mit den Augen rollen. In Wahrheit ist die Rechnung noch vielschichtiger: Welche Chance ein Mensch in Deutschland auf ein gesundes Leben hat, hängt nicht nur von seinem eigenen Verhalten, sondern auch von einem komplexen System ab – und das wird von Aspekten bestimmt, die eng miteinander verwoben sind und auf den ersten Blick eher wenig mit Gesundheit zu tun haben.
Besonders deutlich wird das beim Faktor Einkommen. Nach Auswertungen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2025 stirbt in der Bundesrepublik jeder vierte von Armut betroffene Mann vor seinem 65. Lebensjahr. Damit leben diese Männer durchschnittlich ganze 7 Jahre und 2 Monate weniger als jemand, der zur höchsten Einkommensklasse zählt. Die Differenz zwischen den ärmeren und den reicheren Frauen beträgt 4,3 Jahre. In der EU gelten Menschen als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung eines Landes verdienen. Mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, fast jede sechste Person.
In die Pedale treten für gesunde Lebensmittel: Das „Smoothiebike“ verbindet Spaß und Wissen.
Für diese Lücke bei der Lebenserwartung gibt es viele Gründe: Wer wenig Geld hat, kann sich Spezialbehandlungen wie bestimmte Ultraschalluntersuchungen zur Krebsfrüherkennung weniger mühelos leisten als Menschen mit höheren Einkommen. Gleiches gilt für Zusatzleistungen im Krankheitsfall, die Betroffene selbst bezahlen müssen. Doch die Ursachen für Erkrankungen setzen weit früher an: Armutsgefährdete Menschen leben oft in preisgünstigen Wohnregionen, die etwa an Hauptverkehrsadern mit hoher Lärm- und Feinstaubbelastung liegen. Sie arbeiten häufig in körperlich anstrengenden Berufen oder in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Chronischer Stress, finanzieller Druck und soziale Ausgrenzung, die im Zusammenhang mit Armut steht, können zu psychischen Belastungen führen – der perfekte Nährboden für Erkrankungen. Faire Löhne und soziale Aufstiegschancen sind dafür gesamtgesellschaftliche Lösungsansätze.
Zugleich bleibt einkommensschwachen Menschen oft weniger Zeit und Energie, gut für sich und ihre Kinder zu sorgen. Sie informieren sich laut Studien weniger über Gesundheit und Krankheit und unterschätzen auch die Auswirkungen von Ernährung und Bewegung auf das Wohlbefinden. Ähnliche Beobachtungen macht auch Sarah Filetti, Mitarbeiterin der Familienbildungsstätte Filderstadt. Über das Projekt „Familienbildung mobil“, das von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert wird, bringt sie im Landkreis Esslingen Bildungs- und Austauschangebote für armutsgefährdete Personen direkt zu den Menschen. Mit einem Bus wird vor Tafelläden, Notunterkünften oder Spielplätzen Halt gemacht. „Viele Kinder, aber auch Eltern sind augenscheinlich von Übergewicht und schlechter Zahnhygiene betroffen“, erzählt sie. Dahinter stecke oft fehlendes Wissen der Eltern. „Offensichtlich handeln sie ohne schlechtes Gewissen und denken vermutlich, ihren Kindern etwas Gutes zu tun. Sie haben aber keinen Blick dafür, welche gesundheitlichen Folgen der hohe Zuckergehalt in Fertigprodukten wie ‚Durstlöscher‘ hat“, sagt Filetti. Tatsächlich sind Kinder aus armutsgefährdeten Familien in Deutschland überdurchschnittlich durch Übergewicht und Diabetes belastet.
Das Franklin-Areal in Mannheim, einst ein Standort der US Army, wird zu einem nachhaltigen Stadtquartier ausgebaut: mit Blick auf eine sozial ausgewogene Bevölkerungsstruktur im Stadtteil, mit Konzepten für mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Klimaanpassung.
Dabei spielt auch das Geld eine Rolle: Frisches Obst und Gemüse sind oft teurer als Fertigprodukte, die viel Zucker, Salz und viele Fette enthalten.
Das Projekt der Familienbildungsstätte Filderstadt bietet Lösungen: Mit eventbasierten Bildungsangeboten wie dem „Smoothiebike“ sollen die Themen gesunde Ernährung und Bewegung mit Freude verknüpft werden. Teilnehmende treten in die Fahrradpedale und treiben so einen Mixer an, der frisches Obst und Gemüse in gesunde Smoothies verwandelt. Überhaupt sei es wichtig, mit vielfältigen Angeboten präsent zu sein: „Bildung ist der Schlüssel hin zu besseren Lebensverhältnissen“, sagt Sarah Filetti. Ihre Arbeit beruht auf Vertrauen – „und das ist ein sehr wirksamer Weg, wenn ich direkt vor Ort mit den Menschen spreche“.
Auch die Chancen am Wohnungsmarkt entscheiden über die Gesundheit…
Wasser ist ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, Städte klimaresilient zu gestalten. Fontänen, Wassernebelanlagen und Wasserspiele wie hier am Alten Meßplatz in Mannheim kühlen die Stadtluft durch Verdunstung und verbessern die Aufenthaltsqualität an heißen Tagen.
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Kinder stärken – Familien fördern
Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre, die Armut erleben. Es entwickelt Modellprojekte, die die Teilhabe junger Menschen am kulturellen und sozialen Leben fördern. Dabei wird die Familie als Ganzes in den Blick genommen.
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