Aufgeben, das kam für Tanja Baier nie infrage. „Ein Mädel als Steinmetzin, das war Ende der 80er-Jahre für viele kaum vorstellbar. Frauen galten als zu schwach“, sagt sie. „Doch wer wirklich etwas will, wird seinen Platz finden.“ Mehr als 70 Bewerbungen schrieb sie, wurde nur zu zwei Vorstellungsgesprächen eingeladen. Schließlich bekam sie eine Lehrstelle bei einem Steinmetz in Ulm, der den Mut hatte, die damals 16-Jährige auszubilden. Heute ist Baier 50. Mittlerweile arbeiten mehr Frauen als Steinmetzin.
„Allerdings erlebe ich es noch immer, dass Frauen im Handwerk ausgebremst werden. Dabei kämpfen wir überall um Nachwuchs.“ Im Jahr 2006 übernahm Tanja Baier den Betrieb ihres Vaters Oswald Baier, den dieser 1978 in Balingen gegründet hatte. Dass sie die Lehre nicht bei ihm absolvierte, war ihr sehr wichtig. „Ich kann nur jedem jungen Menschen empfehlen, Neues zu entdecken.“ Auf die Familie kann sie sich immer verlassen. Ihr Mann arbeitet mit, die zwei Schwestern helfen im Büro. Und auch ihr heute 83-jähriger Vater unterstützt sie. „Er war immer mein großes Vorbild. Der Beruf ist sein Leben, er gibt sein Herzblut“, sagt Tanja Baier. „Ich bin stolz, dass ich sein Werk heute fortführen kann.“