Im Jahr 1972 platzte eine „Bombe im Taschenbuchformat“ (Die Zeit): Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology warnten im Auftrag des Club of Rome, dass im Laufe der folgenden 100 Jahre die Grenzen des Wachstums auf der Erde erreicht sein würden, wenn die Weltbevölkerung weiter zunehme und die Industrialisierung, die Umweltverschmutzung und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen unverändert anhielten. Ihre Studie wurde ein weltweiter Bestseller.
Knapp ein halbes Jahrhundert danach, im Jahr 2019, erschien wieder ein Buch, das jede und jeden, die bzw. der es liest, fassungslos zurücklässt: Losing Earth des US-Autors Nathaniel Rich. Es beschreibt, wie die Klimakrise bereits vor 30 Jahren verhindert hätte werden können. Rich, der mehr als 100 Expertinnen und Zeitzeugen interviewt hat, zeigt auf, wie zwischen den Jahren 1979 und 1989 sämtliche Großmächte das Jahrhundertthema auf dem Schirm hatten, aber es in letzter Sekunde nicht schafften, konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen: Fast nichts, schreibt er, stand uns im Weg – nichts außer uns selbst.
Die World Conference on the Changing Atmosphere, bei der sich die Umweltminister der wichtigsten Staaten dazu bekennen wollten, bis zum Jahr 2000 den CO2- Ausstoß nicht weiter zu erhöhen oder ihn sogar zu senken, scheiterte im Jahr 1989 vor allem am Widerstand der USA, schreibt Rich. Am Ende wollte niemand die Kosten der Konsequenzen tragen. Eine Dekade der Möglichkeiten und der Mutlosigkeit ging zu Ende, auch weil der Zeitgeist, so argumentiert die Publizistin Naomi Klein, einer couragierten staatlichen Lösung entgegenstand. Mit Politikerinnen und Politikern wie Margaret Thatcher und Ronald Reagan begann sich seit den 1980er-Jahren weltweit eine Politik der Privatisierung und Deregulierung zu etablieren: Die freien Märkte sollten machbare Problemlösungen finden.