Werkstattgespräch Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Wege aus dem Fachkräftemangel in Kitas

Die Reihe der Werkstattgespräche wird über das Jubiläumsjahr hinaus als erfolgreiches Format fortgesetzt.

Die Baden-Württemberg Stiftung engagiert sich für die Stärkung der demokratischen Handlungsfähigkeit und öffnet mit den Werkstattgesprächen einen Raum für Diskurs und neue, ungewöhnliche Gesprächskonstellationen. Interessierte und Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen kommen themenbezogen zusammen. 

Am 10. Februar 2026 fand das Werkstattgespräch Zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Wege aus dem Fachkräftemangel in Kitas statt. Fachleute aus Wissenschaft, Praxis und Verbänden kamen zusammen, um der Frage nachzugehen, wie pädagogische Qualität und das Wohl von Kindern und Fachkräften langfristig gewährleistet werden können.

 

Prof. Dr. Stefan Faas macht mit seinem Impuls deutlich, dass der Fachkräftemangel in Kitas in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter zunehmen wird. Um für diese Herausforderung tragfähige und lösungsorientierte Ansätze zu entwickeln, sollten auch kritische Perspektiven in die Diskussion einbezogen werden. Ebenso bedarf es einer klaren Priorisierung sowie einer stärkeren Flexibilisierung und Differenzierung der Aufgaben von Kita-Fachkräften.

Ein möglicher Lösungsansatz: Bedarfs- und Qualitätsmonitoring sowie flexible Steuerungssysteme, die nicht nur über die Zeit, sondern auch regional und für den Einzelfall angepasst werden können.

Eine weitere Option bestehe darin, das Thema Qualifizierung verstärkt in den Blick zu nehmen und auch Fachkräfte mit unterschiedlichen Qualifikationsniveaus zu integrieren.

Träger und ihre Einrichtungen erhalten durch den Erprobungsparagrafen beispielsweise die Möglichkeit, Modellversuche zur Aufgabendifferenzierung und zum differenzierten Personaleinsatz durchzuführen und neue Tätigkeitsprofile zu erschließen und im Einzelfall für mehr Entlastung und Flexibilität zu sorgen. Dem Erprobungsparagrafen fehle jedoch noch eine langfristige, nachhaltige Perspektive: Es ist nötig, die erprobten Standards abzusichern und auszuwerten, um sie messbar und übertragbar zu machen.

Eine weitere Chance besteht darin, Tätigkeitsprofile mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten zu erstellen und diese auch durch tarifliche Unterschiede abzubilden. So könnte sich insbesondere für hochqualifizierte Fachkräfte die Attraktivität des Berufs erhöhen.

In drei Gruppen diskutierten die Gäste die folgenden Thesen und Fragen: 

1. Mit dem Erprobungsparagrafen werden Kinder und Fachkräfte zu Versuchskaninchen einer Sparpolitik, die fachliche Standards opfert, um Haushaltslöcher zu stopfen.

2. Welche Strategien und Spielräume stehen zur Verfügung, um dem Fachkräftemangel in Kitas zu begegnen und gleichzeitig die pädagogische Qualität zu wahren?

3. Aufgabendifferenzierung sollte pädagogische Qualität sichern - wird aber in der Praxis oft zur Entlastungsstrategie ohne pädagogisches Konzept.

Die Themen aus den drei Gruppen werden anschließend gemeinsam im Fishbowl-Format diskutiert: Eine Person aus jeder Gruppe bringt die Ergebnisse in die moderierte Diskussion ein. Neben den festen Sitzplätzen lädt ein frei gehaltener Stuhl das Publikum dazu ein, sich jederzeit in die Diskussion einzubringen, damit möglichst viele Beteiligte mitreden können. 

Wichtige Erkenntnisse und Anregungen aus der Fishbowl:

- Angespannte Haushaltslagen in Kommunen sollen sich nicht auf die Handlungsfähigkeit von Kitas auswirken. Dabei wurde die Frage aufgeworfen: Welche Instrumente haben Kommunen, um trotzdem die Betreuungspflicht und Vorgaben zu gewährleisten?
- Ob der Erprobungsparagraf als erfolgreich oder nicht zielführend zu bewerten ist, lässt sich erst nach Abschluss der Evaluation und Auswertung der erhobenen Daten fundiert beurteilen.
- Viele Träger agieren bei Projekten im Rahmen des Erprobungsparagrafen besonnen und veranstwortungsbewusst. Sie sind sich bewusst, dass zahlreiche Akteure eingebunden werden müssen und legen großen Wert auf qualitativ hochwertige Betreuung.
- Träger und ihre Kitas sollten verstärkt Erfolgsgeschichten teilen, um Best Practice sichtbar zu machen und andere Einrichtungen zu ermutigen - Vieles hängt von der Leitung, den Beteiligungsprozessen und der Identifikation mit der eigenen Einrichtung ab. Die Qualifizierung von Leitungen ist ein wichtiger Hebel.
- Quereinstiege oder Einstieg für Menschen ohne Qualifikation leichter machen. Auch Begrifflichkeiten sollten klar definiert werden, um niemanden "herabzustufen".
- Auch Quereinsteigende bringen viel Expertise mit, werden aber durch gesetzliche Vorgaben oder Strukturen daran gehindert, "richtig" mitzuarbeiten.
- Fachkräfte aus unterschiedlichen Ländern: Bleiben sie? Sprachbarrieren bei pädagogischer Fachsprache in Kitas.
- Nicht nur neue Fachkräfte gewinnen, sondern auch halten, z.B. Fort- und Weiterbildungsangebote für Bestandsmitarbeitende anbieten
- Blick ins Ausland: Was machen andere Länder anders?
- Prüfbare Standards und Checklisten, aber Freiheit bei der Umsetzung wichtig.

Danke an Axel Habermehl für die Moderation des Abends!

Bei einem derart komplexen Thema konnten nicht alle Punkte in der Fishbowl-Diskussion vollständig diskutiert werden. Bei Snacks und Getränken vertieften die Gäste deshalb die Themen, vernetzten sich und kamen miteinander ins Gespräch. 

 

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