Politechathon
Politik trifft Technologie

Am 14. und 15. Dezember 2024 fand in der Landesvertretung BW in Berlin unser Politechathon statt.

Worum geht's?

Beim Politechathon trafen sich Expertinnen und Experten aus Technologie, Politik und Zivilgesellschaft und nahmen die positiven und negativen Aspekte von Künstlicher Intelligenz mit Blick auf demokratische Wahlen unter die Lupe.

Dabei entwickelten sie gemeinsam Lösungen etwa gegen Deepfakes und Desinformationen, machten die Chancen von künstlicher Intelligenz für die Demokratie sichtbar und bündelten wissenschaftliche Erkenntnisse.

Der Politechathon war ein neuartiges Eventformat – eine Mischung aus Barcamp und Hackathon mit politischem Praxisbezug. Political Tech beschreibt dabei ein wachsendes Feld, das Lösungen bereitstellt, die speziell auf die Bedürfnisse politischer Akteure zugeschnitten sind – sei es im Bereich von Kampagnen, der Kommunikation oder dem Daten-Management. Dadurch soll es politischen Akteuren erleichtert werden, ihre Stimme zu Gehör zu bringen, Herausforderungen wie z.B. Desinformation und Online-Hate-Speech zu meistern und der Öffentlichkeit die notwendigen Informationen bereitzustellen.

Am 14. und 15. Dezember 2024 erarbeitetteen interdisziplinäre Teams in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin hierzu konkrete Ergebnisse – von technischen Tools, Wissenskonzepten bis hin zu neuen politischen Formaten.

Ziel war es, im Vorfeld der Bundestagswahl und der kommenden Landtagswahl in Baden-Württemberg die Chancen und Herausforderungen des Einsatzes generativer KI praxisnah zu testen. Der Fokus lag dabei auf Bürgerbezogenen Ansätzen, um das Vertrauen in die Demokratie zu stärken, aber auch um Ängste vor neuen Technologien abzubauen. Hierdurch soll der Politechathon zu einer inklusiveren, resilienteren und aufgeklärteren Gesellschaft beitragen.

Organisiert wurde der Politechathon von der Baden-Württemberg Stiftung in Zusammenarbeit mit der Wirkungsallianz AI4Democracy. Die Initiatoren des Projekts sind Eric Dauenhauer, David Fischer und Benjamin Läpple.

Den entstandenen Leitfaden können Sie am Ende der Seite herunterladen.

Die Projekte

Zukunftsvisionen

Das Projekt „Zukunftsvisionen“ bringt frischen Wind in die politische Diskussion – mit Bildern statt Worten. Mithilfe einer KI werden die Visionen der Parteien aus deren aktuellen Wahlprogrammen in lebendige Zukunftsbilder übersetzt. Wie könnte unsere Stadt aussehen, wenn eine bestimmte Partei ihre Ideen umsetzt? Welche Auswirkungen hätten diese Entscheidungen auf unseren Alltag? Diese Fragen werden durch eindrucksvolle Visualisierungen greifbar gemacht.

Die komplexen Inhalte der Wahlprogramme werden so auf eine völlig neue Weise erlebbar. Statt sich durch lange Texte zu kämpfen, können Wähler:innen auf einen Blick erkennen, wofür die Parteien stehen. Die Bilder stellen einen neuen Ansatz der KI-gestützten politischen Kommunikation dar und laden zum Dialog ein: Gemeinsam können Menschen darüber diskutieren, welche Zukunft sie sich wünschen – und welche Partei die besten Ansätze bietet, um diese Wirklichkeit werden zu lassen. Gleichzeitig gerät die Arbeitsweise von künstlicher Intelligenz in den zivilgesellschaftlichen Diskurs: Wie gut setzt KI entsprechende Daten um? Wo sind die Grenzen der KI? Wie funktioniert eigentlich die Bilderstellung?

Das Projekt verbindet demnach politische mit technischer Bildung und versucht neue Ansätze für beides zu finden, in einer Zeit, in der Technologie so viel Einfluss auf unsere Kommunikation hat, wie wohl nie zuvor.

 

 

PoliTinder

Im April 2024 wurden die beiden Softwareentwickler Nils Wieler (29 Jahre) und Eric Prokop (28 Jahre) der EPNW GmbH von einer Flut an Wahlvorschlagslisten überwältigt. Im Rahmen der Kommunalwahlen galt es, sehr viele verschiedene Organe neu zu besetzen, doch zu den lokalen Kandidat:innen war die Informationslage teilweise sehr schlecht, gerade wenn diese nicht für größere, sondern nur für lokale Parteien und Listen antraten. Durch ihre Erfahrung in der App-, Backend- und Web-Entwicklung war schnell klar, dass sich dieses Problem lösen lässt und so entstand die Idee zu Politinder: Einer Plattform, die es allen Kandidat:innen in Form einer Mobile App ermöglicht, sich und ihre politischen Werte und Ziele vorzustellen. Dazu wird automatisch aus den offiziellen Wahlvorschlagslisten eine Datenbank mit den grundlegenden Profildaten der Kandidat:innen erstellt. Nachdem sich die Kandidat:innen mithilfe ihres eID-Ausweises oder der EUDI Wallet verifiziert haben, können sie dieses automatisch erstellte Profil weiter ausbauen. Wähler:innen werden die Profile ganz ohne Registrierung datingappähnlich präsentiert: sie können mit typischen Wischgesten entscheiden, ob sie Kandidat:innen auf ihre Merkliste setzen wollen. Durch diese Gamification sollen gerade junge Wähler:innen angesprochen werden. Dieses initial grobe Konzept wurde im Laufe der beiden Tage des Politechathons durch ein interdisziplinäres Team ausgearbeitet und um Features ergänzt: Sebastian Krov, 36 Jahre, Senior-Projektmanager und IT-Consultant bei der Digitalagentur ressourcenmangel integral brachte sich mit seinem strategischen Marketing-Wissen und Erfahrungen aus vielen Digital Projekten ein und regte an, dass für eine noch nähere Bindung zwischen Wähler:innen und Kandidat:innen eine Form der Kommunikation in Politinder enthalten sein sollte. Daraus entstand das Fragesystem-Feature, bei welchem Wähler:innen den Kandidat:innen Fragen stellen können, die diese nach dem Beantworten auch in ihr Kandidat:innen-Profil aufnehmen können. Vanessa, Stipendiatin und Studentin der technischen BWL und Wirtschaftsinformatik, steuerte ihre Management- und Finanzexpertise, sowie ihre vielfältige politische Erfahrung als Hochschulpolitikerin und Wahlhelferin, bei. Neben dem Koordinieren der Zeitabläufe während des Politechathons, führte sie eine Marktanalyse und Produktvalidierung direkt mit Wähler:innen durch, um sicherzustellen, dass Politinder Anklang findet. Gerd Müller, 71 Jahre, Informatiker der ersten Stunde, gab als Vorstand der SPD Tübingen die Sicht der Lokal-Politik ein und ermöglichte tiefe Einblicke über die typischen Abläufe im Kommunalwahlkampf. Er diente als Politiker-Model(l) und ist so auf dem ersten Politinder-Profil zu sehen, das im Zeichen seines politischen Schwerpunkts „Gute Chancen für alle Kinder“ steht und dadurch den Kerngedanken von Politinder verdeutlicht: Kandidat:innen eine Plattform für ihre Herzensthemen zu geben. Als Resultat des Politechathons bleiben neben App-Mockups ein abgerundetes Konzept, welches aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wurde und vor allem ein neu gefundenes Team, für das die Veranstaltung eine großartige und lehrreiche Erfahrung war: „Ich habe von Gerd ein neues Wort gelernt - Panaschieren - und glaube, dass es genau das ist, was wir in der Kommunalpolitik brauchen! “ resümiert Eric. 2029 finden in Baden-Württemberg die nächsten Kommunalwahlen statt. Das Politinder Team ist allerdings fest entschlossen, deutlich früher eine funktionierende Plattform zu bieten. Mit Blick auf die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen am 14. September 2025 wird momentan ein Prototyp programmiert. Ziel ist es, mit diesem auf Fördermittelsuche zu gehen, um das nicht-kommerzielle Projekt langfristig zu finanzieren.

Wie tickt Tok?

Unser Team

Unser interdisziplinäres Team  besteht aus Forschenden des FZI Forschungszentrum Informatik und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Carolin Stein, David Borukhson, Lennard Nicolaisen und Ina Ni bringen Wissen und Kompetenzen aus den Disziplinen der Informatik, Wirtschaftsinformatik, Politik- und Gesellschaftswissenschaften zusammen, um Themen der digitalen Demokratie und Partizipation zu erforschen.

Das Problem: TikTok und politische Meinungsbildung

TikTok hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Kommunikations- und Informationsmedium für junge Menschen entwickelt – auch, wenn es um politische Inhalte geht. Doch genau das birgt Gefahren: Akteur:innen können die Plattform gezielt nutzen, um Polarisierung und Desinformation zu fördern. Im Vergleich zu anderen Online-Netzwerken ist TikTok bisher wenig erforscht, obwohl sich die Plattform durch ihre Algorithmen, Formate und Nutzerdynamiken fundamental von anderen sozialen Netzwerken unterscheidet. Unsere zentrale Frage lautete daher: Wie verbreiten sich politische Medieninhalte auf TikTok und warum?

Unsere Lösung: Ein Methodenkoffer für die Forschung und Praxis

Das Ziel unseres Projekts war es, einen Methodenkoffer zur Anwendung für Forschende und Praktiker:innen zu schaffen. Dieser sollte insbesondere in politischen Kontexten, wie etwa bei der anstehenden Bundestagswahl, schnell einsetzbar sein, um Trends und Entwicklungen auf TikTok besser zu verstehen. Während des Politechathons entwickelten wir ein ganzheitliches Modell, das relevante Dimensionen der Medienverbreitung auf TikTok in den Kategorien “Content”, “Curation” und “Community” erfasst. Dieses Modell wurde mithilfe eines Experten evaluiert und durch klare Empfehlungen, welche Methoden zur Analyse der einzelnen Plattformmerkmale geeignet sind, ergänzt.

Was als grobe Idee begann, hat sich im Laufe des Hackathons zu einem soliden Werkzeug entwickelt, um die Mechanismen der Plattform besser zu verstehen. Wir haben nicht nur viel über TikTok gelernt, sondern viele neue Kontakte geknüpft und spannende Einblicke in die Arbeit anderer Teams und Projekte erhalten.

Wie geht es weiter?

Die intransparente Verbreitung von politischen Medieninhalten auf TikTok bleibt eine Herausforderung für die Demokratie und erfordert ein besseres Verständnis der Plattform und ihre Nutzer:innen. Wir werden daher in einem nächsten Schritt  den entwickelten Methodenkoffer weiter ausbauen und an einer Aufbereitung arbeiten, um ihn für zukünftige Forschungsprojekte und die Praxis nutzbar zu machen.

Medienmäntor

Der "Medienmäntor" führt Jungen Menschen in die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz spielerisch ein. Durch aktuelle Memes und Videos lernen sie, wie KI-Systeme "halluzinieren" - also falsche oder irreführende Antworten generieren können. Durch diese praktische Erfahrung verstehen die Nutzenden die technischen Grenzen generativer KI. Sie entwickeln digitale Achtsamkeit und lernen, KI-generierte Inhalte kritisch zu prüfen. Das Training vermittelt dabei zwei zentrale digitale Kompetenzen: das technische Verständnis von KI-Systemen und die Fähigkeit zur kritischen Informationsbewertung.

KI-Toolbox

Das Team von Entwicklerinnen der “KI-Toolbox” hat dafür spezielle digitale Werkzeuge geschaffen. Diese Tools machen es Frauen leichter, KI für ihre politischen Ziele einzusetzen. Das ist daher wichtig, denn bisher nutzen noch zu wenige Frauen KI-Werkzeuge. Die neue Toolbox ändert das: Sie ist einfach zu bedienen und passt genau zu den Bedürfnissen von Politikerinnen. So können Frauen ihre Anliegen stärker einbringen und sich besser Gehör verschaffen: Im Werkzeugkasten stecken unter anderem CustomGPTs wie Rhetoriktrainerinnen, ein Bot zum Umgang mit Hassbotschaften oder eine digitale Helferin für die Ausschussarbeit.

Das Projekt zielt darauf ab, die gravierenden Geschlechterungleichheiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz und in der politischen Landschaft zu adressieren. In Deutschland sind 71% der Nutzenden von KI-Tools wie Chat GPT männlich, was auf einen wachsenden Gender Gap in der KI-Adaption hinweist. Gleichzeitig beträgt der Frauenanteil im Bundestag lediglich 35%, und es wird erwartet, dass dieser Anteil mit dem nächsten, kleineren Bundestag weiter sinken könnte, insbesondere durch den Einzug von Parteien mit niedrigem Frauenanteil. Frauen in politischen Ämtern stehen vor zusätzlichen Herausforderungen: Sie arbeiten oft 70 bis 80 Stunden pro Woche, tragen hohe Verantwortung für komplexe Themen wie KI-Regulierungen und haben wenig Zeit für technische Bildung. Zudem müssen sie in einem männerdominierten System bestehen, das nicht für sie ausgelegt ist und in dem sie oft mit Hate Speech konfrontiert werden, während sie gleichzeitig unter enormem Druck stehen, keine Fehler zu machen, insbesondere in den sozialen Medien.

 

Wie sieht die erarbeitete Lösung aus? Wie war die Erfahrung?

Die erarbeitete Lösung für technische Inklusion und Medienkompetenz ist die KI-Toolbox, die speziell für Politikerinnen und ihre Teams entwickelt wurde. Diese Toolbox bietet ein umfassendes KI-Einstiegsprojekt, das politische Funktionärinnen nicht nur in der Nutzung von KI schult, sondern ihnen auch Prototypen und detaillierte Anleitungen zur Verfügung stellt, um KI selbstständig und ohne teure Beratung einzusetzen. Innerhalb von nur 1,5 Tagen wurden acht Custom GPTs, ein Claude-Projekt und ein Notebook LLM entwickelt, die den politischen Alltag erleichtern und effizienter gestalten. Diese Tools sind so konzipiert, dass sie einfach zu verwenden und zu personalisieren sind, mit Anleitungen, die es den Nutzerinnen ermöglichen, sie individuell anzupassen. Ob es darum geht, sich in einem neuen Ausschuss schnell auf den aktuellen Stand zu bringen, Social Media effizient zu managen oder Reden zu verfassen – die Toolbox bietet praktische Lösungen für die vielfältigen Herausforderungen des politischen Alltags. Dank dieser Tools können Politikerinnen und ihre Teams wertvolle Zeit sparen und sich stärker auf ihre eigentlichen politischen Aufgaben konzentrieren.

 

Wie könnte es mit dem Projekt weitergehen?

Das Projekt sieht einer vielversprechenden Zukunft entgegen, indem es auf Inklusion und technologische Chancengleichheit setzt. Alle Prototypen der KI-Toolbox werden sorgfältig auf Bias und menschenfeindliche Inhalte überprüft, und diese Prüfungen werden den Nutzerinnen zugänglich gemacht. Ziel ist es, AI Literacy dort zu fördern, wo sie dringend benötigt wird, insbesondere in der politischen Vertretung, wo Gleichberechtigung im technologischen Fortschritt entscheidend ist. Die nächsten Schritte umfassen die Finalisierung und Feinabstimmung der aktuellen Toolbox sowie die Spezifizierung von Paketen für den Bundestag, Landtag und die kommunale Ebene. Zudem wird die Kommunikation in politischen Netzwerken und Startups verstärkt, um neue Anwendungsfälle zu identifizieren und durch Interviews und Feedback-Loops kontinuierlich zu verbessern. Das Projekt zielt darauf ab, den Gender Adaption KI Gap zu schließen, indem es Politikerinnen und ihren Teams die notwendigen Werkzeuge und Zugänge bietet, um KI effektiv einzusetzen – sowohl im Wahlkampf als auch im täglichen politischen Geschäft.

Für mehr AI Literacy für den politischen Alltag!

 

 

EvidenceSeeker

Das Team vom KIT-Forschungsprojekt KIdeKu ("Chancen von KI zur Stärkung unserer deliberativen Kultur") hat auf dem Politechathon die EvidenceSeeker-Boilerplate vorgestellt und weiterentwickelt. Die Boilerplate ist ein Code-Template mit dem Organisationen eigene Wissensbestände nutzen können, um KI basierte Fact-Checking Tools aufzusetzen.

Idee: Mit der EvidenceSeeker-Boilerplate und den damit aufgesetzten Fact-Checkern können:

  • Organisationen ihre Wissensbestände über eigene Fact-Checker einfach zur Verfügung stellen (Nutzbarmachung),
  • Fact-Checker die Interpretationsoffenheit von Eingaben berücksichtigen (Berücksichtigung von Mehrdeutigkeiten) und
  • Bürger:innen selbst entscheiden, welchen Fact-Checkern sie vertrauen (Nutzer:innenautonomie).

Unser Ansatz: Die EvidenceSeeker-Boilerplate ermöglicht es, maßgeschneiderte Fact-Checking Apps (EvidenceSeeker) zu bauen. Organisationsinterne Wissensbestände werden dabei über RAG integriert. Mithilfe von Large Language Models (LLMs) werden Aussagen analysiert, Ambiguitäten erkannt und die Aussagen anhand von Belegen aus den vorher festgelegten Quellen bewertet.

Nahtlose KI-Integration: EvidenceSeeker-Boilerplate ist 100% Open Source und kann mit offenen Modellen verwendet werden (bspw. über HuggingFace). Damit aufgesetzte EvidenceSeeker lassen sich einfach in bestehende KI Applikationen (z.B. in Chatbots wie HuggingChat) integrieren. So können Nutzer:innen ihre bevorzugten Wissensquellen aktivieren und selbstbestimmt Fakten prüfen. Das stärkt Wissensautonomie und Vertrauen!

Nächste Schritte: Unsere Boilerplate ist noch in der Entwicklung. Auf dem Politechathon konnten wir sie augiebig testen und die Pipeline für deutsche Eingaben optimieren. Eine Early Beta Version wird demnächst veröffentlicht.

Habt Ihr Interesse Fact-Checker über die Boilerplate aufzusetzen? Dann meldet Euch bei uns und werdet Praxispartner:innen!

Discourse AI

Das Projekt “Discourse AI” lässt Bürger:innen direkt mit einer KI diskutieren - und ihre Meinung vom Chatbot konfrontieren. Er bringt dabei kluge und konstruktive Gegenargumente ein, schlägt neue Lösungen vor und sucht nach Wegen, die allen nutzt. So hilft die KI dabei, dass Menschen mit verschiedenen Ansichten besser ins Gespräch kommen. Sie soll den Entwicklern zufolge neue Wege aufzeigen, wie unterschiedliche Perspektiven Eingang finden, und Raum für Verständigung schafft.

DesinfoNavigator

Verbreiter:innen von Desinformation nutzen verschiedene Strategien, um falsche Aussagen authentisch wirken zu lassen. Um dagegen vorzugehen und die Glaubwürdigkeit von Desinformation bei Betroffenen zu reduzieren, ist es wichtig, dass Betroffene nicht nur Desinformationen als solche erkennen, sondern auch die verwendete falsche rhetorische Strategie verstehen.

Deshalb setzten wir uns das Ziel ein Tool zu entwickeln, mit dem Nutzer:innen prüfen können, ob und welche irreführenden rhetorischen Strategien in einer Aussage angewendet wurden. Es soll die möglicherweise angewendeten Strategien erkennen und listen, diese erklären und eine Anleitung bieten, welche Aspekte überprüft werden müssen, um die Aussage zu überprüfen. Somit werden die Nutzer:innen befähigt Desinformation selbstständig zu erkennen und zu widerlegen.

Unser Team war sehr divers aufgestellt. Unsere Ideengeberin Dr. Clara Christner (Kommunikationswissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkt Desinformation am Karlsruher Institut für Technologie) hat uns im Vorfeld des Politechathons bei der Vorbereitung mit ihrer fachlichen Expertise unterstützt. Vor Ort haben Jan Höllmer und Lena Beck (beide Data Scientist / Engineer bei scieneers GmbH) das Projekt geleitet und technisch umgesetzt. Die beiden Volunteers Carina Jantsch (Moderatorin und Trainerin im Bereich Rhetorik) und Dominic Altstädter (Masterstudent für Politische Kommunikation in Düsseldorf) haben uns vor Ort bei der Konzipierung der Benutzeroberfläche und Erstellung des Datensatzes unterstützt.

In den zwei Tagen des Politechathons konnten wir unsere Idee verifizieren und einen ersten Prototypen entwickeln. Nutzer:Innen haben dabei die Möglichkeit, Aussagen, die sie gerne prüfen möchten, auf einer Webseite analysieren zu lassen. Durch ein Sprachmodell werden dann die entsprechenden Stellen, bei denen potenziell Strategien der Desinformation eingesetzt wurden, identifiziert und die Nutzer:In in Bezug auf die jeweilige Textstelle dynamisch angeleitet, in welcher Form diese zu prüfen sind. Am Ende des Wochenendes lief das Tool lokal und lieferte passende Ergebnisse für Nachrichten-Artikel, aber auch kurze Social Media Posts. Somit war das Wochenende ein großer Erfolg für das Team, da wir zeigen konnten, dass unsere Idee technisch umsetzbar ist.

Für die nahe Zukunft planen wir, das Tool zu veröffentlichen und uns auf die Suche nach Projektpartner:innen zu machen, die eine Erweiterung des ersten Prototypen unterstützen. Wir sind davon überzeugt, dass so ein Tool vielfältige Einsatzmöglichkeiten, vor allem im Bildungskontext zur Unterstützung und Förderung der Medienkompetenz, haben kann.

CampAIgn Tracker

Der CampAIgn Tracker für mehr Transparenz beim KI-Einsatz

Samstagmorgen 9.00 Uhr im grauen Berlin: voller Erwartungen und Vorfreude treffen wir einzeln in der weihnachtlich beleuchteten Landesvertretung Baden-Württemberg ein. Wir, das sind Dr. Simon Kruschinski (Politischer Kommunikationsforscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz), Miriam Runde (M. Sc. Data Science for Public Policy), Dr. Fabio Votta (Postdoc Forscher Data-Driven-Campaigning an der Universität Amsterdam), Jakob Scherer (M. Sc. Management) und Theresa Schültken (MA Internationale Beziehungen, Beraterin Strategische Vorausschau). Als wir uns dann gegen 10.30 Uhr zum ersten Mal kennenlernen, merken wir gleich, dass wir mit der Kombination aus Politikwissenschaft, Data Science und KI-Kenntnissen eine sehr gute Grundlage für das Wochenende haben. Im Laufe eines Wochenendes paralleler Datenaufbereitung, Tests von möglichen KI-Modellen, Persona-Recherche und vielen erkenntnisreichen Gesprächen wurde aus einer Idee ein Projekt: Der CampAIgn Tracker

Vor dem Hintergrund des Super-Wahljahres 2024 wurden in den Medien und der Öffentlichkeit immer wieder die Gefahren von KI-Einsatz in der politischen Debatte thematisiert. Die Sorge vor Fake News, Desinformation, Emotionalisierung und Beeinflussung ist zu spüren und trägt zur Verunsicherung bei - konkrete Anhaltspunkte und eine Datengrundlage, inwieweit KI tatsächlich in politischen Kampagnen auf Social Media Plattformen eingesetzt wird, fehlen allerdings. Hier setzt der CampAIgn Tracker an und stellt eine Plattform bereit, auf der nachvollzogen werden kann, welche Bild- und Videobotschaften von politischen Akteuren in Deutschland  auf Social Media tatsächlich mit Hilfe von KI erzeugt werden.

“Mit CampAIgn Tracker tragen wir wesentlich zur notwendigen Transparenz rund um den Einsatz von KI zur Generierung visueller Inhalte bei, der den Menschen dabei hilft, zu diskutieren, ob dieser Einsatz zur Verbreitung auf Social Media stattfindet, legitim ist oder eine mögliche Gefahr davon ausgeht.”  - Dr. Simon Kruschinski

Auf dem Politechathon entstand hierfür ein erster Prototyp. Die Datengrundlage umfasste die bezahlten Facebook- und Instagram-Posts von allen Bundes- und Landesparteien im Jahr 2024. Die erste Herausforderung bestand darin, ein KI-Modell zur Identifizierung von KI-generierten visuellen Inhalten zu finden und mit der Datengrundlage zu testen. Hier setzt der CampAIgn Tracker auf ein zweistufiges Verfahren, bei dem zunächst automatisiert KI-generierte Inhalte herausgefiltert werden und in einem zweiten Schritt von menschlichen Expert:innen überprüft und validiert werden. Somit wird eine sehr hohe Genauigkeit bei der Identifikation von KI-generierten Inhalten sichergestellt, die für die Akzeptanz und Vertrauenswürdigkeit des CampAIgn Trackers enorm wichtig ist.

Auf der Website www.campaigntracker.de können in Zukunft alle KI-generierten politischen Bild- und Videoinhalte von mehr als 5000 politischen Akteuren in Deutschland gesammelt und mit Zusatzinformationen (Interaktionen, Geldausgaben, Reichweite) angeschaut werden. Hier können Interessierte beispielsweise herausfinden, wie viele Posts bestimmte Parteien, Medien oder soziale Gruppierungen mit KI veröffentlicht  haben, wie viele Likes oder Kommentare sie erhalten haben und wie viel Geld für deren Verbreitung ausgegeben wurde. Außerdem können Sie sich die einzelnen KI-Botschaften samt Metadaten anzeigen lassen, um ein besseres Verständnis für den Einsatz von KI für politische Zwecke zu bekommen.

Am Sonntagnachmittag kam dann die Überraschung: Nach einem Projektpitch haben wir  den ersten Platz in der Kategorie Medienkompetenz und damit ein Preisgeld gewonnen, um den CampAIgn Tracker weiterzuentwickeln. Innerhalb von 48 Stunden wurde aus einer Idee eine anwendungsreife Plattform, um einen Beitrag zur Transparenz des KI-Einsatzes bei den kommenden Bundes- und Landtagswahlen zu leisten. Aber viel wichtiger:  Aus unterschiedlichen Köpfen, die sich nicht kannten, wurde ein eingeschweißtes Team, das zusammen für mehr Transparenz im digitalen Wahlkampf sorgen wird. Gemeinsam verließen wir also am Sonntag die Landesvertretung Baden-Württemberg in alle Himmelsrichtungen, um in den nächsten Wochen an der Umsetzung des CampAIgn Trackers zu arbeiten.

“Fazit: Netzwerk erweitern, in kürzester Zeit ein KI-Tool entwickeln und am Ende sogar ausgezeichnet werden - der Politechathon hat gezeigt, dass mit dem richtigen Teamgeist und etwas “Nerd-Power” (wie die Tagesthemen so liebevoll titelten) in 48 Stunden Unfassbares entstehen kann.” - Miriam Runde

Electomate

Electomate – Forschungsprojekt und Wahl-O-Mat alternative mit KI

Electomate ist KI-gestützte Platform, die Bürger:innen bei der fundierten politischen Meinungsfindung  unterstützt. Wir beugen Vibes-based-Voting vor, indem wir ihnen die Möglichkeit geben, tiefgehende Informationen schnell und einfach zu erhalten, ohne sich dabei polarisierenden Kurzvideos auf TikTok auszusetzen.

Wichtiges & Features:

  • Wahl-O-Mat-style Fragebogen mit Custom-Antworten: Gibt mehr Nuance zu den simplistischen Ja-oder-Nein-Fragen
  • Chat mit Parteiprogrammen: Erleichtert Recherche, vermeidet Halluzinationen von plain ChatGPT
  • Voicecalls mit Electomate: Je mehr Accessibility desto besser.
  • Internetsuche (Perplexity für Politik): Schnelle und verlässliche Internet Recherche mit Fokus auf Politik, direkt neben dem Fragebogen.
  • Transparenz: Wir sind und bleiben Non Profit und Open Source, und erforschen unsere Tools auf Sicherheit und Korrektheit
  • Inklusion: Ob jung/alt, Neuwähler/Stammwähler, mit/ohne Sprachhürde

Unser Team

  • Gabor Hollbeck (ETH Zürich, Physik): Projektleiter, Engineering.
  • Mercedes Scheible (HSG, Internationale Beziehungen): Koordinatorin für internationale Angelegenheiten und Partnerschaften.
  • Jonathan Maillefaud (ETH, Informatik): Lead Engineer, Backend-Entwicklung.
  • Antonio Guillebau (UZH, Wirtschaft)
  • Leo-Minh Kustermann (ETH, Informatik): Founding Engineer, Frontend
  • Jisbel Quiroz (HSG, Rechtswissenschaften): Strategische Koordinatorin
  • Stefano Viel (EPFL, DataScience): Ingenieur, Forschung.
  • Yuri Simantob (ETH, Informatik): Sicherheitsforscher.
  • Niklas Kappler (Meondi GmbH, Informatik): Ingenieur, Backend.
  • Julian Müller (UX & Design): UX-Designer,
  • Marco Faulhaber (Meondi GmbH): Marketingexperte, Öffentlichkeitsarbeit
  • Paul Sawitzki (Politiker & Student): Experte für politische Inhalte und Öffentlichkeitsarbeit.
  • Stefan Artmann
  • Aimen Taimur (PhD  Candidate Tilburg University, Menschenrechte und KI): Berater und Forscher, spezialisiert auf ethische Aspekte von KI und Menschenrechten.

Das diverse und interdisziplinäre Team vereint Expertise aus DataScience, Informatik, Politikwissenschaft und Design, um das Beste aus Technologie und Demokratie zu verbinden.

Unsere Erfahrung beim Hackathon

Der Polithekathon war für uns eine inspirierende Erfahrung. Wir haben “selten so viel Passion und Impact Drive” gesehen. Die Organisatoren haben ein fantastisches Umfeld geschaffen an Teams und Mentor:innen, sowie wurden großzügig Zugang KI-tools und Beratung angeboten. Für unser Team war der Komfort eher ungewohnt: Wir sind es gewohnt, durch die Nacht zu hacken, aber hier war’s kein "Energydrink-getriebenes Chaos". Stattdessen herrschte ein „sophisticated We-create-something-great“-All-Nighter-Vibe.

Ausblick

Electomate wird Ende Januar 2025 für die deutschen Bundestagswahlen veröffentlicht. Danach widmen wir uns der weiteren Forschung und kommenden Wahlen weltweit.

VoterAI

Unser Team

Unser Team besteht aus einer interdisziplinären Gruppe von sieben Personen mit vielfältigen beruflichen Hintergründen:

AI Empowered Politics Team:

  • Mathias Lipp (34), Gründer von AI Empowered Politics, bringt seine mehrjährige Erfahrung aus der Spitzenpolitik ein, zuletzt als stellvertretender Klubdirektor der NEOS. Seine Expertise in politischer Strategie und Entscheidungsprozessen bildet die Grundlage für die Entwicklung von VoterAI als Plattform für Transparenz und demokratische Teilhabe.
  • Tobias Krammer (23) ist ein erfahrener Social Media- und Kampagnenmanager, der seine Expertise in digitalem Marketing, zielgruppenspezifischen Content-Strategien und der Optimierung von Nutzerinteraktionen einbringt.
  • Michail Schuch (35) arbeitet als Strategic Partnership Expert bei den Vereinten Nationen in Wien, wo er innovative Partnerschaften für nachhaltige Lösungen in den Bereichen Klimaschutz, Technologie und wirtschaftliche Entwicklung entwickelt. Gleichzeitig engagiert er sich bei AI Empowered Politics für Ansätze an der Schnittstelle von Technologie und Politik.

Volunteers:

  • Alexander Lagger (27) stammt aus Kärnten und lebt heute in Wien. Mit CamBuildr unterstützt er NGOs, Verbände und Parteien dabei, durch Technologie stärkere Verbindungen zu Menschen aufzubauen, die für ihre Anliegen wichtig sind.
  • Jan Lask (32) ist Sustainability Analyst aus Stuttgart und möchte durch Impulse aus dem Politikbereich seine beruflichen Erfahrungen an der Schnittstelle zwischen Produktnachhaltigkeit und Technologie aus einem neuen Blickwinkel betrachten.
  • Jonas (29) arbeitet als Softwareentwickler im Bereich Militär sowie Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). In seiner Freizeit entwickelt er Softwarelösungen für politische Anwendungen.
  • Daniel Zheng (33) wuchs im Großraum Stuttgart auf und lebt seit 2017 in Berlin. Als Datenanalyst, unter anderem bei N26 und Zalando, unterstützt er Teams dabei, große Datenmengen aufzubereiten und durch Analysen fundierte Entscheidungen zu treffen.

Das Problem, das wir lösen möchten

Die politische Landschaft wird zunehmend komplexer, und es fällt vielen Menschen schwer, den Überblick zu behalten. Wähler:innen stehen vor der Herausforderung, politische Positionen zu verstehen und zu wissen, welche Parteien ihre Anliegen vertreten und welche politischen Maßnahmen ergriffen wurden. Besonders junge Menschen fühlen sich oft nicht ausreichend angesprochen oder informiert.

Hier setzt VoterAI an: Unsere Plattform nutzt Künstliche Intelligenz, um politische Prozesse transparenter, effizienter und zugänglicher zu gestalten.

Unsere Lösung

VoterAI analysiert offizielle Quellen wie Parlamentsreden, Parteiprogramme und Presseaussendungen. Daraus entstehen verständliche Einblicke in politische Positionen, die auf einem interaktiven politischen Kompass visualisiert werden. Ein besonderer Fokus liegt darauf, junge Menschen durch die Integration von VoterAI in soziale Medien wie Instagram für Politik zu begeistern.

Unsere Erfahrung beim Politechathon

„Der Politechathon war eine unglaubliche Erfahrung. Die Zusammenarbeit in unserem Team hat gezeigt, wie verschiedene Disziplinen zusammenkommen können, um eine innovative Lösung zu schaffen“, erzählt Mathias Lipp. Für uns war es eine spannende Gelegenheit, die Idee von VoterAI weiterzuentwickeln und uns mit Expert:innen aus Technologie, Politik und Zivilgesellschaft auszutauschen.

Die Zukunft von VoterAI

Nach unserem Erfolg beim Politechathon arbeiten wir daran, VoterAI weiter auszubauen und neue Anwendungsbereiche zu erschließen. In der nächsten Entwicklungsphase wollen wir untersuchen, wie die Plattform auch abseits von Wahlen genutzt werden kann, um politische Inhalte und Prozesse verständlicher und zugänglicher zu machen.

Ein Ziel ist es, politische Entscheidungen und Gesetzesvorhaben in Echtzeit transparent darzustellen und Bürger:innen die Möglichkeit zu geben, diese aktiv nachzuvollziehen. Damit möchten wir VoterAI zu einem Werkzeug machen, das den Dialog zwischen Politik und Gesellschaft stärkt und politische Prozesse näher an die Menschen bringt – unabhängig vom Wahlzyklus.

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