Kommunikation
Perspektiven-Event April 2026

Klimawandel, Pandemien, gesellschaftliche Umbrüche: Wissenschaft liefert Orientierung in Zeiten wachsender Unsicherheit. Doch wer forscht, erklärt und unbequeme Wahrheiten ausspricht, gerät zunehmend unter Druck – durch Desinformation, politische Einflussnahme und digitale Propaganda.

KI, Klicks und Kontroversen: Wie verändert sich Wissenschaftskommunikation?

Eine lebendige Demokratie braucht freie Wissenschaft und eine Öffentlichkeit, die Fakten von Fake News unterscheiden kann. Doch was passiert, wenn Forschende bedroht, diskreditiert oder in ihrer Arbeit eingeschränkt werden? Die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die vor diesem Hintergrund in bestimmten Ländern nicht mehr frei arbeiten können.

Wie erleben Betroffene diese Entwicklungen? Wie lässt sich Wissenschaftsfreiheit wirksam schützen? Bieten KI & Co. in diesem Zusammenhang auch neue Chancen? Über Verantwortung, Resilienz und die Bedeutung von Wissenschaftskommunikation in einer demokratischen Gesellschaft haben wir mit unseren Gästen diskutiert.

UNSERE GÄSTE

Dr. Jonas Fegert, Leiter des House of Participation (HoP) und Senior Expert für den Themenbereich „Digital Democracy & Participation“ des FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe

 

Dr. Philipp Niemann, Geschäftsführer des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWik) in Karlsruhe

Dr. Viviane Timmermann, Mathematikerin und Nachwuchsgruppenleiterin am Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung der Universität Freiburg, finanziert durch Mittel aus dem Programm für internationale Wissenschaftsfreiheit der BW Stiftung

In der Diskussion zeigte sich, dass erfolgreiche Formate Menschen dort abholen, wo sie stehen – etwa durch interaktive, dialogorientierte Angebote, die komplexe Inhalte verständlich machen. Entscheidend ist dabei die klare Definition von Zielgruppen und relevanten Themen. Kommunikation auf Augenhöhe stärkt den gesellschaftlichen Austausch und unterstützt langfristig faktenbasierte Entscheidungen.

 

Gleichzeitig betonten die Podiumsgäste, dass Wissenschaftskommunikation zwar wichtig für die Demokratie ist, strukturelle Probleme wie mangelnde Finanzierung oder politische Einschränkungen jedoch nicht allein lösen kann. Die Arbeit von Forschenden wird zudem durch politische Entwicklungen und gesellschaftliche Spannungen erschwert, weshalb offene und zugängliche Wissenschaft – etwa durch Open-Source-Ansätze – an Bedeutung gewinnt. Digitale Plattformen fördern durch ihre Geschäftsmodelle emotionale und polarisierende Inhalte. Neue Technologien wie KI verschärfen diese Dynamik, können aber auch helfen, Desinformation zu erkennen, sofern sie transparent und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Zudem wurde hervorgehoben, dass Kooperationen mit Journalistinnen und Journalisten helfen können, komplexe Inhalte verständlicher zu vermitteln. Demokratiefördernde Kommunikation muss dabei eigene Grenzen reflektieren und gezielt Partnerschaften nutzen.

 

Trotz einer insgesamt schwierigen Lage wurde ein positiver Aspekt hervorgehoben: Sich einzubringen und aktiv an Kommunikation teilzunehmen, stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit – ein wichtiger Faktor für gesellschaftliches Engagement.

Am Ende der Diskussion formulieren alle Podiumsgäste eine Botschaft an die Zuschauenden: 

Dr. Viviane Timmermann: Interessiert bleiben! Forschende freuen sich, über ihre Forschung zu reden, weil ihre Arbeit nicht nur sie selbst, sondern die ganze Gesellschaft betrifft.

Dr. Philipp Niemann: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich zu engagieren, aktiv zu sein und Wissenschaftskommunikation mit hoher Qualität zu betreiben, um einen positiven Effekt zu erzielen. Wir sollten aktuelle Entwicklungen als Signal zum Aufbruch verstehen.

Dr. Jonas Fegert: Es ist wichtig, Forschenden Feedback zu geben. Das Zusammenspiel mit Zivilgesellschaft und Menschen, die sich für Forschung interessieren, bewirkt eine Schärfung der Forschungsfragen.

Vielen Dank an Dr. Anna Henschel für die Moderation!
 

Alle Bilder: Madlen Medvedovsky

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