Gesprochen. Gespielt. Gedacht.
Soirée franco-allemande
Im Rahmen unseres Netzwerktreffens im Programm "Nouveaux horizons" haben wir zur deutsch-französischen Soirée im Karlstorbahnhof Heidelberg eingeladen.
Die Baden-Württemberg Stiftung feiert 25. Geburtstag und hat zu einer besonderen deutsch-französischen Soirée nach Heidelberg eingeladen. „Gesprochen. Gespielt. Gedacht.“ fand in Verbindung mit dem Netzwerktreffen im Programm Nouveaux horizons statt und bot anregende Diskussionen und inspirierende Begegnungen nicht nur auf der Bühne des Karlstorbahnhofs sondern im ganzen Haus.
Im Eröffnungstalk mit Geschäftsführerin Theresia Bauer und Anne Marie Kruse, Leiterin unserer Abteilung Bildung, sprechen wir darüber, wie wir als Stiftung die deutsch-französische Freundschaft stärken können.
Auf dem Podium geben die deutsch-französische Politikwissenschaftlerin Claire Demesmay, Expertin für deutsch-französische Zusammenarbeit und Manon Bilger, Gründerin und Projektverantwortliche von EuropaScène, Denkanstöße zur Rolle von Kultur und zivilgesellschaftlichem Engagement für die Demokratie in Zeiten wachsender Unsicherheit. Es geht um gegenseitiges Lernen und die Kraft, die im Austausch untereinander entstehen kann.
Claire Demesmay hat Familien in Grenzregionen interviewt und festgestellt, dass der Blick auf eine Grenze stark von persönlichen Erlebnissen und der eigenen politischen Meinung abhängt: So sind offene Grenzen für die einen selbstverständlich und nichtmehr wegzudenken und ein wichtiger Teil eines offenen Europas, aber für andere ist die Grenze ein Schutz vor dem "fremden" Nachbarland, der aufrecht erhalten werden muss.
Das wichtigste Learning aus Claire Demesmays Forschung: Grenzregionen sind nicht automatisch pro-europäisch und homogen. Geographische Nähe zieht nicht zwangsläufig emotionale Nähe oder gegenseitiges Interesse mit sich. Sprachbarrieren, aber auch kulturelle Hürden und Vorurteile gegenüber den Nachbarn, bauen innere Grenzen und können damit zur Herausforderung werden.
Für Manon Bilger ist eine Ländergrenze kein Hindernis, sondern ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Sie selbst wuchs im Dreiländereck auf und erlebte die kurzen Wege zwischen den Kulturen immer als Bereicherung und Ort des Ausprobierens. Deshalb gründete sie einen Verein, um Begegnungen zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern zu ermöglichen. Die Begegnungen sind ein Safe Space, in dem es erlaubt ist, Fehler zu machen. Es kommt nicht auf perfekte Grammatik an, sondern darauf, Gemeinsamkeiten zu finden.
Später gründete sie EuropaScène, um Azubis aus unterschiedlichen Ländern zusammenzubringen, die denselben Beruf lernen, aber unterschiedliche Sprachen sprechen. Beim gemeinsamen Theaterspielen treffen sie sich auf einer anderen Ebene.
Beide Podiumsgäste sind sich einig: Der Umgang und die Gefühle gegenüber Grenzen und den Nachbarländern hängen stark von der eigenen Persönlichkeit ab. Eine Grenze ist nur theoretisch offen, aber in der Praxis hängt der gemeinsame Umgang stark davon ab, mit welchen Erwartungen und Erfahrungen man einander begegnet und welche Räume es gibt, um niederschwellige, positive Erlebnisse zu ermöglichen und einander offener zu begegnen.
Anschließend folgt das künstlerische Spiel: Die Aufführung AT THE TABLE des vielfach ausgezeichneten Theaterkollektivs LOKSTOFF! rückt den Familientisch ins Rampenlicht. Denn hier wird verhandelt, gestritten, erinnert und geliebt. Französische, deutsche und internationale Künstlerinnen und Künstler verknüpfen Video und Performance mit autobiographischen Erzählungen und politischer Reflexion.
Zwischen Podiumsdiskussion und Theater haben die Gäste Zeit, bei deutsch-französischen Snacks und Getränken ins Gespräch zu kommen.