Wir stiften Bildung
Indem wir Antisemitismus wirksam bekämpfen

Bereich
Bildung & Gesellschaft
Thema
Demokratie
Typ
Programm
Zielgruppe
Bürger:innen, Berufstätige, Vereine, Auszubildende, Jugendliche, Kinder, Studierende, Wissenschaftler:innen

Bildung gegen Antisemitismus:
Darum geht es

Antisemitismus tritt in vielfältigen Erscheinungsformen auf – von israelbezogenen Feindbildern über verschwörungsideologische Narrative bis hin zur erinnerungspolitischen Abwehr. Das neue Programm der Baden-Württemberg Stiftung möchte diesem gesamtgesellschaftlichen Problem systematisch entgegentreten.

Ziel

Das Ziel des Programms ist es, Antisemitismus in all seinen Formen zu bekämpfen. In einer Zeit, in der antisemitische Vorfälle und Hass gegen Gruppen zunehmen, möchte die Stiftung fördern, dass verschiedene Akteure der Bildungsarbeit und Bereiche im Land bei diesem Thema noch besser zusammenarbeiten. Auf diese Weise sollen bestehende und neue Maßnahmen gegen Antisemitismus wirksamer werden. Das Programm setzt auf Zusammenarbeit, Veranstaltungen, Forschung und die Förderung von Projekten. So sollen Unterstützungsbedarfe erkannt, Hindernisse in Institutionen aufgedeckt und wirksame Lösungen entwickelt werden.

In der ersten Ausschreibungsphase werden im Rahmen des Programms daher in zwei Förderlinien insgesamt 11 Projekte gefördert. Zum Einen geht es um größere Kooperationsprojekte, bei denen mehrere Institutionen gemeinsam in unterschiedlichen Bereich Antisemitismuskritik über Bildung stärker verankern. Zum Anderen um kleinere Pilotvorhaben, bei denen neue Wege auf die ein oder andere Weise bestritten werden, um lokal Bildung gegen Antisemitismus zu stärken.  

Sowohl in der Auswahl der Projekte als auch der Begleitung und Entwicklung des Programms wird die Baden-Württemberg Stiftung durch einen Fachbeirat unterstützt. Folgende Personen gehören dem Fachbeirat an: 

  • Dr. Michael Blume, Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, in Vertretung teilweise Dr. Jan Wysocki 

  • Prof. Barbara Traub, Vorständin Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg, in Vertretung teilweise Lars Neuberger 

  • Marina Chernivsky, Leitung Kompetenzzentrum Antisemitismuskritische Bildung & Forschung und geschäftsführende Vorständin OFEK e.V. 

  • Samuel Stern, Referent Bildungsstätte Anne Frank 

  • Iven Saadi, Referent Bildungsbausteine e.V. 

  • Sascha Schmidt, DGB-Gewerkschaftssekretär und Abteilungsleiter DGB Hessen-Thüringen 

 

Projektübersicht Förderlinie A: Intersektorale Zusammenarbeit und Skalierung

Stiftung Weltethos, Stadt Offenburg und Jüdischer Kultur- und Religionsverein Kehl e. V. 

„Dazwischen?“ stärkt kommunale Räte der Religionen im Umgang mit Antisemitismus. Jüdisch-muslimische Tandems, Dialogformate und eine digitale Toolbox unterstützen dabei, antisemitische Vorfälle zu erkennen, einzuordnen und angemessen zu bearbeiten. Ziel ist es, praxisnahe Verfahren für interreligiöse Zusammenarbeit zu entwickeln und landesweit übertragbar zu machen. 

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts e. V. 

Das „Lost Books Lab“ macht NS-Raubgut über das konkrete Objekt erfahrbar: geraubte Bücher werden zum Ausgangspunkt für historisches Lernen, berufliche Bildung und antisemitismuskritische Reflexion. Das Format überträgt den Ansatz der „Library of Lost Books“ in Unternehmen und Bibliotheken und eröffnet neue Zugänge zu Erinnerung, Verantwortung und Gegenwartsbezug.

Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS), Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) – Universität Tübingen und OFEK e.V. Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung 

„AKTIF“ bringt Fachkräfte aus Schule, außerschulischer Bildung, Hochschule, Gedenkstättenarbeit und Zivilgesellschaft zusammen. In einem intersektoralen Professionalisierungsprogramm werden Zuständigkeiten, Verfahren und Standards für den Umgang mit Antisemitismus in Bildungsinstitutionen entwickelt. Ziel ist es, Handlungssicherheit zu stärken und antisemitismuskritische Strukturen nachhaltig zu verankern. 

Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, Pädagogisch-Kulturelles Centrum Ehemalige Synagoge Freudental 

Das Projekt entwickelt antisemitismuskritische Lehr- und Lernangebote für angehende Fachkräfte der öffentlichen Verwaltung. In Kooperation mit dem Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge Freudental werden Hochschule, Verwaltungsausbildung und historischer Lernort miteinander verbunden. Ziel ist es, Antisemitismus zu erkennen, demokratische Haltung zu stärken und Verwaltungshandeln diskriminierungskritisch weiterzuentwickeln. 

Projektübersicht – Förderlinie B: Pilotfonds

Gewerbliche Schule Schwäbisch Hall 

„GBS SCHALOM“ verbindet schulisches Lernen mit konkretem Engagement. Service-Learning-Einsätze in der KZ-Gedenkstätte, Begegnungsformate wie „Meet a Jew“ sowie Unterrichtseinheiten und Fortbildungen machen Antisemitismus, Erinnerungskultur und demokratisches Miteinander im Schulalltag erfahrbar. Ziel ist es, Akzeptanz, Verantwortung und antisemitismuskritische Handlungskompetenz zu stärken.

Jüdische Gemeinde Konstanz e.V. 

Das Projekt schafft niedrigschwellige Begegnungs- und Reflexionsräume gegen Antisemitismus. Durch persönliche Begegnung, Austausch und Reach-Out-Arbeit in Vereinen und Stadtteilen werden Multiplikator:innen gewonnen und jüdische Perspektiven sichtbarer gemacht. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, lokale Netzwerke zu stärken und gemeinschaftlich gegen Antisemitismus aktiv zu werden. 

MeineWelt e.V. 

MIMEBI richtet sich an Schwarze und diasporische Communities und eröffnet geschützte Lernräume zu Antisemitismus, Rassismus und kolonialen Kontinuitäten. In sechs Workshops werden Zusammenhänge sichtbar gemacht, Erfahrungen reflektiert und Perspektiven der Solidarität entwickelt. Ziel ist es, antisemitismuskritische Bildung mit Empowerment und communitynaher Bildungsarbeit zu verbinden. 

Universität Konstanz 

Das Projekt verankert antisemitismuskritische Perspektiven in der Hochschullehre – zunächst im Lehramtsstudium und perspektivisch in weiteren Studiengängen. Ergänzend entstehen Workshops für Hochschule, Schulen und Zivilgesellschaft sowie Multiplikator:innenformate. Ziel ist es, Bildungsinstitutionen langfristig für Antisemitismus zu sensibilisieren und professionelle Handlungskompetenz aufzubauen.

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd 

Das Projekt bringt antisemitismuskritische Bildung in die Lehramtsausbildung und verbindet sie mit Technikgeschichte. Workshops, Unterrichtsmodule und digitale Materialien machen jüdische Perspektiven sichtbar und zeigen, wie historische Verantwortung auch in fachbezogenen Lernkontexten vermittelt werden kann. Ziel ist es, angehende Lehrkräfte für eine reflektierte und diskriminierungskritische Unterrichtspraxis zu stärken. 

Lernort Geschichte der Stuttgarter Jugendhaus gGmbH 

Anhand des Stuttgarter DP-Lagers und des Falls Dancyger beleuchtet das Projekt antisemitische Kontinuitäten nach 1945. Eine multimediale Ausstellung mit AR-Elementen, Führungen und Peer-Workshops eröffnet Jugendlichen und jungen Erwachsenen neue Zugänge zur lokalen Geschichte. Ziel ist es, historische Bildungsarbeit mit Gegenwartsbezügen zu verbinden und Antisemitismus als fortwirkendes gesellschaftliches Problem sichtbar zu machen. 

LOKSTOFF! Theater im öffentlichen Raum e.V. und Kubus e.V. 

„Zwischen Himmeln – Sukkat Salam“ bringt antisemitismuskritische Bildung in den öffentlichen Raum. In einer mobilen Sukka entstehen eine partizipative Performance, Dialogformate, Workshops und eine begleitende Dokumentation. Ziel ist es, Begegnung, künstlerische Auseinandersetzung und gesellschaftlichen Dialog zu verbinden und jüdische Perspektiven im Stadtraum erfahrbar zu machen. 

Benedikt Reusch
Referent Bildung & Gesellschaft
Tel +49 (0) 711 248 476-34
reusch@bwstiftung.de