Frau Professorin Koch, haben Sie den Wald schon immer geliebt oder wie ist Ihr Interesse an der Erdbeobachtung dieses Ökosystems entstanden?
Ich komme aus einem waldfernen Elternhaus in der Stadt. Aber mein Vater war begeisterter Pferdemann und kaufte uns eine kleine Landwirtschaft. Da ritten wir als Kinder mit unseren Ponys durch den Wald, das hat sich eingeprägt. Eigentlich wollte ich Tierärztin werden, aber aufgrund der Wartezeit schlug mir die Studienberatung Forstwissenschaft vor. Dabei bin ich geblieben, weil sie mich bis heute fasziniert.
Man stellt Sie sich vor, wie Sie durch den Wald streifen und Bäume begutachten. Sie sind aber Expertin für Fernerkundung. Wie geht das zusammen?
Als ich Mitte der 80er-Jahre mein Studium an der LMU München abschloss, war der Begriff Waldsterben in aller Munde. Ein Professor, mit dem ich später auch für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu diesem großen Thema forschte, holte mich in sein Team. Und da musste ich plötzlich Physik und Optik nachlernen, statt im Wald zu stehen. Vereinfacht gesagt hole ich mir Informationen über einen Baum aus der Luft, ohne ihn zu berühren – nämlich über die Wellenlängen, die er reflektiert, oder die Energie, die er absorbiert.
Sieht man von oben besser, wie es dem Wald geht?
Vom Boden aus kann man die Oberseite der Kronen nicht sehen. Aber das meiste Licht ist oben, wo die Photosynthese stattfindet. Zeigen sich dort Schäden, erkenne ich oft viel früher, ob ein Baum krank ist.
Früher hat man das mit Flugzeugen beobachtet, dann kamen Satelliten. Wie ist es heute?
Wir messen jetzt auch Wellenlängen jenseits des sichtbaren Bereichs, etwa im nahen Infrarotbereich: Ein Teil des Sonnenlichts wird von der Krone für die Photosynthese genutzt, ein anderer in die Atmosphäre zurückgeworfen. Dieser reflektierte Anteil verrät mir viel zum Zustand der Farbpigmentation, der Zellstruktur und der Wasserversorgung, noch bevor man dem Baum etwas ansieht. Verbessert haben sich vor allem die Bildqualität und die Auflösung. Und es gibt mehr Satelliten und daher mehr Daten, die wir auswerten.