Eine Frau, ein hell ausgeleuchtetes Studio und ein Universum voller Fake News: In einem viralen Social-Media-Video beteuerte die US-amerikanische Schauspielerin Kristin Cavallari vor Kurzem, die Welt habe die Sache mit dem Hautkrebs falsch verstanden. Wissenschaftlich ließe sich nachweisen, dass nicht die UV-Strahlung den Ausbruch der Krankheit begünstige, sondern – Überraschung – die Sonnencreme. Ihr gegenüber sitzt ein Arzt und nickt zustimmend. Generationen vor uns hätten sich der Sonne schließlich ohne Schaden ausgesetzt. Und überhaupt: Was solle eigentlich das ganze Aufsehen rund um den Klimawandel? Was das Video nicht zeigt: Die wissenschaftlichen Studien, von denen die Schauspielerin spricht, gibt es überhaupt nicht. Und ihr Experte ist in Wahrheit ein Heilpraktiker ohne anerkanntes Diplom, der auf seiner Website Nahrungsergänzungsmittel verkauft und die schnelle Heilung von so gut wie jedem Krankheitssymptom verspricht. Einstiegspreis: 350 US-Dollar für ein Erstgespräch. In den sozialen Medien zogen Cavallaris Aussagen eine Vielzahl empörter Reaktionen nach sich. Wissenschaftler betonten: Das sind reine Fake News. Doch gegen ihre virale Verbreitung anzukommen, ist gar nicht so einfach – und genau das stellt die Wissenschaftskommunikation vor Herausforderungen: Wie kann man in einer von KI und Klicks dominierten Welt Debatten versachlichen, Fakten geraderücken und sich dort behaupten, wo Plattformen wie TikTok und Tools wie ChatGPT zuhauf Scheinwahrheiten verbreiten? Die Antworten darauf sind – natürlich – komplex. „In einer von Plattformlogiken geprägten Kommunikationsumgebung ist Wissenschaftskommunikation Teil dynamischer, teils polarisierter Öffentlichkeiten“, ordnet Lilian Knobel, Geschäftsführerin für Bildung und Wissenschaftskommunikation der Klaus Tschira Stiftung, ein. „Die Forschung hat gezeigt, dass reines „Faktengegenhalten“ gegenüber Desinformation oft nur begrenzt wirkt. Deshalb gewinnen auch im Digitalen dialogische und partizipative Formate an Bedeutung. Wissenschaftskommunikation bewegt sich dabei im Spannungsfeld von Information, Einordnung und Beziehungsgestaltung.“ Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt Sophie Rohrmeier, die für den Bayerischen Rundfunk das Format #Faktenfuchs umsetzt und sich auch mit Cavallaris Video beschäftigt hat: „Wir müssen die Mechanismen erkennen und sie enttarnen. Wenn Menschen verstehen, woran man Desinformationen erkennt, kann das langfristig eine Art Immunität schaffen.“ Ganz einfach ist das nicht. Denn die Manipulationstechniken, mit denen Fake News und Verschwörungstheorien arbeiten, sind auf den ersten Blick oft unsichtbar. Zum Beispiel das Ausnutzen von Gefühlen. Formate, die Falschinformationen verbreiten, erzeugen bewusst Angst, Mitgefühl oder Wut – mit drastischen Folgen. Denn je intensiver ein Gefühl ist, desto stärker beeinflusst es unser Handeln und die Dinge, die wir glauben. Auch ein zweites Phänomen kommt den Verbreitenden von Fake News zugute: der sogenannte „Illusory Truth Effect“. Je öfter ein vermeintlicher Fakt wiederholt wird, desto eher ist unser Gehirn bereit, ihn als Wahrheit zu akzeptieren. Kein Wunder also, dass Falschnachrichten mit eindimensionalen, sich ständig wiederholenden Antworten auf komplexe Probleme daherkommen. Um Menschen vor dieser Manipulation zu schützen, hat die Wissenschaftskommunikation verschiedene Tools parat: Beim sogenannten „Prebunking“ zum Beispiel klärt man im Vorhinein über die häufigsten Methoden auf und wird so darauf sensibilisiert, Fake News zu erkennen. Beim „Debunking“ wiederum klassifiziert man Inhalte nachträglich als unwahr, zum Beispiel durch einen Vermerk, Verweise auf unseriöse Quellen oder das Richtigstellen. Genau darauf hat sich auch #Faktenfuchs spezialisiert. Sophie Rohrmeier legt Wert darauf, Falschnachrichten sinnvoll aufzubereiten. „Wir haben gelernt, dass sogenannte ‚Nein-Überschriften‘ gut funktionieren“, erzählt sie. „Also: Nein, Sonnencreme verursacht keinen Hautkrebs.“ Zudem sollte man falsche Informationen nicht ungewollt weiterverbreiten und sie stattdessen gut verpacken. Eine Variante dafür ist das sogenannte „Truth Sandwich“. Dabei werden Fake News nicht direkt zitiert, sondern – ganz wie der Inhalt eines gut belegten Pausenbrots – in Wahrheitselemente verpackt. Denn es bleiben vor allem Informationen hängen, die am Anfang oder am Ende eines Textes stehen.
Doch schon heute gibt es Überlegungen, das System Social Media neu zu denken. Kreative Ansätze zeigen, wie Wissenschaftskommunikation Gehör finden und einen positiven Einfluss auf gesellschaftliche Debatten haben kann.