Audrey Tang, seinerzeit Taiwans Digitalministerin, begegnete Panikmachern und Verschwörungstheoretikern während der Pandemie mit einer Strategie, die sie humour over rumour nannte, Humor statt Gerüchte. Auf Falschinformationen sollte von Regierungsseite – von sogenannten „government comedians“ – innerhalb kürzester Zeit mit einem knappen und lustigen Gegenstatement reagiert werden, in Form von Cartoons, Memes oder Videos. Als Toilettenpapier aufgrund von Hamsterkäufen knapp zu werden drohte, reagierte die Regierung mit einem Cartoon, auf dem der wackelnde Po des Premierministers zu sehen war, Bildunterschrift: „Wir haben alle nur ein Paar Hinterbacken.“ Der Cartoon ging durch die Decke, die Panikwelle verebbte innerhalb kürzester Zeit.
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Humor hilft!
Hassbekundungen haben im Zuge der Digitalisierung unserer Kommunikation völlig neue Dimensionen angenommen. Aber auch schlagfertige Gegenattacken florieren im Netz. Wir haben einige aktuelle Beispiele zusammengestellt, wie Menschen Hass und Häme mit Humor und Menschlichkeit parieren.
Troetelleger“, übersetzt etwa Hätschelarmee, heißt eine niederländische Bürgerinitiative. Deren Technik ist ganz einfach: Sobald eine Politikerin oder ein Politiker mit hasserfüllten Botschaften überschüttet wird, versenden Bürgerinnen und Bürger massenhaft positive Nachrichten. Nachdem beispielsweise die Amsterdamer Bürgermeisterin Femke Halsema mit Hassbotschaften wegen ihrer queerfreundlichen Einstellung bombardiert worden war, reagierte die Troetelleger-Community mit Hunderten von positiven Postings. „Troetelleger“ hat inzwischen Tausende von aktiven Mitgliedern. Durch ihre massenhaften Gegenposts werden auch die Algorithmen beeinflusst – die Wirkung der negativen Datenflut wird auf diese Weise eingedämmt.
Im Rahmen von Hate-Poetry-Abenden lesen Journalisten mit Migrationshintergrund aus hasserfüllten Leserbriefen vor. Das ist heftig, macht aber erstaunlich großen Spaß. Was als Einschüchterung gedacht war, wird auf der Bühne zur antirassistischen Gegenshow. Und über den „bepimmelten Kackmuslim“ oder die „türkische Islam-Muschi“ darf im Kontext solcher Slams laut gelacht werden. Gestartet wurde die Veranstaltungsform in Berlin. Hate-Poetry- Events finden aber quasi in der ganzen Republik statt, auch ohne rassismuskritischen Bezug.
Magyar Kétfarkú Kutya Párt (MKKP), die Partei des zweischwänzigen Hundes, ist eine politische Vereinigung in Ungarn, die 2006 gegründet wurde. Die Satirepartei operiert mit Werkzeugen wie „Street Art, Hacking, Happenings, Gartenarbeit, öffentlichen Renovierungen, Zeitungen, Theater und Film, Computerspielen und Musik“. Vor allem aber mit Humor. Zu den Forderungen gehörten „zwei Sonnenuntergänge täglich und eine geringere Schwerkraft“. Eine der Vorsitzenden, Susi Dada, bezeichnete Lachen als ein zentrales Element. „Man sollte wissen, wie man gemeinsam lachen kann. Dann werden Lösungen möglich.“ Mehrere Mitglieder der Partei sind in öffentliche Ämter gewählt worden. Eines der Gründungsmitglieder, der Grafikdesigner Gergely Kovács, ist beispielsweise Bürgermeister des 12. Bezirks von Budapest.
Hakim Decoded ist ein bärtiger junger Mann im Trainingsanzug und die Hauptperson in einer Reihe von spaßigen, KI-generierten Clips. Der Mann hinter Hakim heißt in Wirklichkeit Leon, hat einen Migrationshintergrund und sieht seiner Kunstfigur verdächtig ähnlich. Mal besucht Hakim das Köln des Jahres 1248, mal ist er im alten Rom unterwegs, meist schwatzt er aber mit türkischen Gemüsehändlern, Frauen mit Hijab oder Bauarbeitern über komplexe philosophische oder grammatikalische Probleme. Seine Gesprächspartner reagieren stets mit messerscharfen Antworten in korrektem Hochdeutsch. Leon alias Hakim kämpft mit seinen lustigen Beiträgen gegen Klischees, Rassismus und Hass. Er hat inzwischen Millionen von Followern auf Instagram und YouTube, unter ihnen auch viele Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer.
The French Response heißt der im Januar 2026 ins Leben gerufene offizielle Kanal des französischen Außenministeriums auf der Plattform X. Mit humorvollen, schlagfertigen und zum Teil selbstironischen Punchlines kontert die französische Diplomatie dort Meldungen und Desinformationen aus den USA und Russland. Zu Donald Trumps Plänen, Grönland zu übernehmen, schrieb der Quai d’Orsay beispielsweise: „Colonialism does not work, trust us.“ Der Kanal verzeichnete bereits kurz nach seiner Gründung Hunderttausende Follower. „Du kannst den Informationskrieg nicht gewinnen, wenn du dich nicht auf das Schlachtfeld begibst“, sagt Pascal Confavreux, ein Sprecher des Außenministeriums. „Von jetzt an antworten wir mit Humor.“ In Frankreich wurde die Maßnahme von Medienexperten begrüßt und von der politischen Rechten scharf kritisiert.