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Impressum

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
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Deutschland

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Fax +49.711.248 476-50
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Vertretungsberechtigte Geschäftsführung: Christoph Dahl (Geschäftsführer), Rudi Beer, Dr. Andreas Weber, Birgit Pfitzenmaier (Prokuristen)
Gesellschafter: Land Baden-Württemberg
Handelsregistereintrag: Amtsgericht Stuttgart HRB 10775

     

Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland wächst körperlich und psychisch stabil auf. Dies ist ein Ergebnis der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 1), die das Robert-Koch-Institut zwischen 2009 und 2012 bundesweit durchgeführt hat. Allerdings weisen auch  junge Menschen immer wieder psychische Belastungen und emotionale Probleme auf. Laut der KiGGS-Studie kann ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren der Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten zugeordnet werden.

Die Ursachen sowie die Auswirkungen sind dabei sehr unterschiedlich. Die psychischen Belastungen äußern sich beispielsweise durch Essstörungen, somatische Erkrankungen bis hin zu selbstverletzenden oder suizidalen Handlungen. Die psychischen Probleme führen oftmals zu erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität und der weiteren Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

Im Rahmen des Aktionsprogramms Psychische Gesundheit von Jugendlichen werden verschiedene neue Ansätze zur Unterstützung psychisch belasteter Jugendlicher erprobt. Der Aufsichtsrat der Baden-Württemberg Stiftung hat in seiner Sitzung vom 6. Dezember 2013 Mittel in Höhe von 1,8 Mio. Euro für die Umsetzung des Aktionsprogramms beschlossen. Das Programm beinhaltet ein Projekt zur Prävention von selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität, ein Projekt zur Mobbingprävention sowie die Durchführung einer Studie zur Nachhaltigkeit von ehrenamtlichem Engagement in der Onlineberatung für Jugendliche.

Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten treten erstmals zumeist im Jugendalter auf und sind unter deutschen Jugendlichen weit verbreitete Phänomene. Aktuelle Studien aus Baden-Württemberg zeigen, dass circa ein Drittel der Fünfzehnjährigen sich zumindest einmal absichtlich selbst verletzt hat und vier Prozent sich häufiger selbst verletzen. Etwa ein Drittel aller Jugendlichen berichtet über Suizidgedanken und acht Prozent der jungen Heranwachsenden haben bereits einen Suizidversuch unternommen. Selbstverletzendes Verhalten wird jedoch nicht immer mit dem Ziel unternommen, das eigene Leben zu beenden. In den meisten Fällen dient es zur Regulation von negativen emotionalen Zuständen. Trotzdem besteht ein erhöhtes Risiko eines Suizidversuchs bei Jugendlichen, die sich häufig selbst verletzen. Aber auch Jugendliche, die erstmals mit selbstverletzendem Verhalten oder Suizidalität von Freunden oder Mitschülern in Berührung kommen, brauchen Hilfe und Unterstützung.

Die Schule ist ein wichtiger Ort

Die Schule ist dabei häufig der erste Ort, an dem Selbstverletzungen oder auch suizidale Verhaltensweisen bemerkt werden. Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen sind daher in einer wichtigen Position, wenn es darum geht, den ersten Kontakt zu betroffenen Schülerinnen und Schülern aufzunehmen und weitere Schritte in die Wege zu leiten. Um diesen komplexen Ansprüchen gerecht zu werden, ist entsprechendes Wissen notwendig.

Das Projekt „Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten (4S)“ hat sich zum Ziel gesetzt, Lehrerinnen und Lehrer sowie Beratungsfachkräfte, die im schulischen Rahmen tätig sind, mit Handlungskompetenzen auszustatten und sie als Ansprechpersonen für Jugendliche zu stärken. Das auf drei Jahre angelegte Projekt richtet sich an alle Schulen in Baden-Württemberg und beinhaltet verschiedene Angebote, die je nach Bedarf angepasst werden. Es wird von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung umgesetzt.

In Schulungen werden Fachkräfte aus dem schulischen Bereich im Umgang mit selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität fortgebildet. Im Rahmen des Moduls „Starke Schule“ wird gemeinsam mit dem Lehrerkollegium eine individuelle Vorgehensweise (Schulprotokoll) für Schüler mit selbstverletzendem oder suizidalem Verhalten erarbeitet. Über die Website www.projekt-4S.de werden grundlegende Informationen über Selbstverletzung und Suizidalität zur Verfügung gestellt. Über eine Hotline sowie über Email ist außerdem die Kontaktaufnahme zu einer approbierten Kinder- und Jugendtherapeutin möglich.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.projekt-4s.de

Gewalt und Ausgrenzung in der Schule stellen ein gravierendes gesellschaftliches Problem dar. Der dadurch erzeugte Leidensdruck ist enorm: Mobbing erhöht sowohl auf Opfer- als auch auf Täterseite das Risiko für emotionale Störungen und Verhaltensauffälligkeiten mit teilweise langfristigen Folgen bis ins Erwachsenenalter. Die schulische Entwicklung der Betroffenen wird dadurch erheblich beeinträchtigt und die freie schulische Entfaltung und Lernerfolge werden verhindert.

In Deutschland wurden bereits seit Mitte der Neunziger Jahre verschiedene schulbasierte Programme zur Mobbingprävention eingeführt. Dennoch ist Mobbing ein weiterhin auftretendes Problem in den Schulen. Daher ist es notwendig, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um Mobbing in den Schulen zu reduzieren.

Programm gegen schulisches Mobbing

Das bekannteste Programm gegen schulisches Mobbing ist das „Olweus Bullying Prevention Program“, welches bereits seit Jahren in verschiedenen europäischen Ländern und den USA erfolgreich angewendet wird. Im Rahmen der Mobbingprävention werden umfangreiche, kontinuierliche Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen durchgeführt, um bereits vorhandenes Mobbing zu reduzieren, künftiges Mobbing zu verhindern und die Beziehungen unter den Schülerinnen und Schülern zu verbessern. Eine Einführung des Programms in Baden-Württemberg wird ausdrücklich vom Sonderausschuss „Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen“ (2010) empfohlen. Jedoch ist bislang unklar, ob und in welchem Umfang eine Wirkung des Originalprogramms auch innerhalb des deutschen Schulsystems erzielt werden kann.

Hier setzt das Projekt „Das Olweus Mobbing-Präventionsprogramm – eine Evaluationsstudie an deutschen Schulen“ an, welches von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg im Rahmen des Aktionsprogramm Psychische Gesundheit von Jugendlichen der Baden-Württemberg Stiftung durchgeführt wird. Mit dem auf vier Jahre angelegten Mobbingpräventionsprojekt wird das von Professor Dan Olweus entwickelte Konzept auf das Schulsystem in Baden-Württemberg angepasst und in Schulen eingeführt und erprobt. In einer Wirksamkeitsstudie wird geprüft, inwieweit das „Olweus Bullying Prevention Program“ auch im baden-württembergischen Schulsystem signifikant positive Effekte erzielt, ob die erzielten Effekte stabil bleiben und ob in Schulen mit hoher Programmintegrität größere Effekte auftreten. Die Programmdurchführung an den Schulen wird durch das Projekt zunächst aktiv begleitet und anschließend von den beteiligten Schulen selbstständig weitergeführt. Somit wird die Mobbingprävention zu einem dauerhaften Bestandteil des Schulprofils.

Die Jugendberatung www.youth-life-line.de des Arbeitskreis Leben e.V. ging im März 2003 online. Das Onlineberatungsprojekt zur Suizidprävention wurde bis 2007 von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert und läuft weiterhin erfolgreich. Bei Youth-Life-Line beraten speziell ausgebildete Peerberaterinnen und Peerberater ehrenamtlich per Mail gleichaltrige Jugendliche, die sich in einer akuten Krise befinden und Suizidgedanken haben. Bislang wurden über 150 Jugendliche ausgebildet. 2013 wurde das zehnjährige Jubiläum des Angebots gefeiert.

Im Rahmen der im Aktionsprogramm Psychische Gesundheit von Jugendlichen durchgeführten Studie „Nachhaltigkeit von Ehrenamtlichem Engagement in Baden-Württemberg am Beispiel von Youth-Life-Line“ (kurz: NEE-BW) wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung und Wirkung das ehrenamtliche Engagement in der Suizidprävention auf die weitere Entwicklung der jugendlichen Beraterinnen und Berater hat. Hierbei werden insbesondere berufliche Bildungsprozesse berücksichtigt. Die Studie wird von der Evangelischen Hochschule Darmstadt im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung durchgeführt.

Am Dienstag, 8. November 2016 fand im Rahmen des Aktionsprogramms ein Symposium unter dem Titel Suizidprävention in der Schule statt.

Das Symposium im Heidelberger Palais Prinz Carl lockte rund 160 Interessierte nach Heidelberg. Es gab einen Einblick in das Aktionsprogramm der Baden-Württemberg Stiftung und präsentierte neue Erkenntnisse aus der Forschung zur Suizidprävention in Schulen und Einblicke in forschungsbasierte praktische Angebote.

Professorin Danuta Wasserman, die das internationale, von der Europäischen Union finanzierte Projekt „Saving and Empowering Young Lives in Europe“, kurz SEYLE, vorstellte, zeigte auf, dass die Prävention von Suizidgedanken und Suizidversuchen, aber auch von zugrundeliegenden internalisierenden Problemen (z.B. depressiven Symptomen) in der Schule möglich ist. Die Prävention externalisierender Probleme wie Mobbing sei ein wichtiges Thema, wenngleich weniger beforscht.

Hier zeigte Herr PD Dr. med. Michael Kaess in seinem Vortrag, dass die Reduktion von Mobbing ein Ansatzpunkt sein kann, um Suizidalität vorzubeugen. Er präsentiert erste vorläufige Zwischenauswertungen der Evaluation in Baden-Württemberg, die darauf hindeuten, dass durch das Olweus-Mobbing-Präventionsprogramm Mobbing effektiv reduziert werden kann und dies auch Suizidalität reduziert.

Prof. Dr. med. Paul Plener stellte mit „Schulen Stark machen gegen Suizidalität und Selbstverletzendes Verhalten“, kurz 4S, ein Trainingsprogramm für das Schulpersonal vor. Schulen in Baden-Württemberg können sich über eine 2-tägige Fortbildung Kompetenzen aneignen, wie der Erstkontakt mit betroffenen Jugendlichen gestaltet und sie zur Inanspruchnahme von Hilfen motiviert werden können.

Mit Youth-Life-Line stellte Nina-Mareen Schweigert ein Angebot vor, das Jugendlichen in akuten Lebenskrisen und bei Suizidgefährdung anonyme, niedrigschwellige Beratung online ermöglicht. Peer-Berater, d.h. Gleichaltrige, die ehrenamtlich unter professioneller Betreuung per Email beraten, sind zentraler Bestandteil dieses baden-württembergischen Konzepts.

Die Beiträge der Referentinnen und Referenten sind hier zum Download eingestellt.

Vortrag Professorin Danuta Wasseman: Mental health promotion and suicide prevention in young Europeans

Vortrag PD Dr. Michael Kaess: Mobbing und Suizidalität - ein möglicher Ansatzpunkt für Suizidprävention

Vortrag Professor Paul Plener: Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten

Vortrag Nina-Mareen Schweigert: Youth-Life-Line - Im Leben bleiben. Peer-Beratung und Begleitung online für suizidgefährdete Jugendliche

Workshop "Therapeutic Assesment - Gestaltung des Erstkomtaktes zu Jugendlichen mit suizidalen Äußerungen und selbstverletzendem Verhalten" (Prof. Paul Plener, Rebecca Groschwitz / Universitätsklinik Ulm)

Workshop "Umgang mit Emotionenzur Prävention von psychischen Problemen und Suizidalität" (Professorin Dr. Tina In-Albon / Universität Koblenz Landau)

Weitere Informationen zum Olweus Mobbing-Präventionsprogramm finden Sie hier.