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Wie Inklusion gelingen kann

13.07.2017 Begegnungen schaffen und Beteiligte qualifizieren: 17 inklusive Modellprojekte zeigen Erfolgsfaktoren auf

Wie Inklusion gelingen kann

Der Einsatz von Inklusionsbegleitern leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Erfüllung der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Projekte im Programm „Inklusionsbegleiter“ setzten daher wichtige Impulse zur verbesserten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Zur Präsentation der wissenschaftlichen Ergebnisse des Programms der Baden-Württemberg Stiftung kamen heute in Stuttgart Projektbeteiligte und Fachleute aus dem ganzen Land zusammen.

Stuttgart, 13. Juli 2017 – Menschen mit Behinderungen haben laut der 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention einen Rechtsanspruch auf selbstbestimmte Lebensgestaltung und umfassende Teilhabe. Die Baden-Württemberg Stiftung hat diese Anliegen aufgegriffen und in Kooperation mit der Lechler Stiftung im Jahr 2013 das Programm Inklusionsbegleiter initiiert. Über drei Jahre hinweg wurden landesweit 17 Modellprojekte umgesetzt, die mit unterschiedlichen Ansätzen Inklusion erprobt haben. Dabei konnten rund 500 engagierte Menschen mit und ohne Behinderungen als Inklusionsbegleiter gewonnen und qualifiziert werden. Ziel des Programms ist es, einen inklusiven Veränderungsprozess anzustoßen und nachhaltig zu verankern. Wissenschaftlich begleitet wurde das Programm von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg unter der Leitung von Professor Jo Jerg.

Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha dankte der Baden-Württemberg Stiftung und der Lechler Stiftung. „Die Inklusionsbegleiter sind wahrlich ein Aushängeschild, wenn es um gelebte Inklusion in Baden-Württemberg geht. Denn was gibt es praxisnäheres, als dass Menschen andere Menschen begleiten und ihnen helfen, ihr Leben möglichst selbstbestimmt leben zu können. Das Programm bereichert unsere Gesellschaft – und zwar weit über die vergangenen drei Jahre hinaus. Durch die Modellprojekte wurden viele Menschen für die Idee einer inklusiven Gesellschaft gewonnen. Sie werden dieser Idee treu bleiben und sie als Multiplikatoren ins Land hinaus tragen.“

Inklusion ist eine Frage der Haltung

Ob im Sportverein, in der Politik, beim Wohnen oder Arbeiten – Menschen mit einer Behinderung sind häufig mit Herausforderungen konfrontiert, welche die Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung in sämtlichen Lebensbereichen erschweren. Dabei geht es nicht allein um strukturelle Teilhabevoraussetzungen, wie beispielsweise barrierefreie Zugangswege – Inklusion ist eine Frage der Haltung. Einen wichtigen Beitrag zur Förderung dieser inklusiven Kultur leisten Begegnungen. „Genau hier setzt unser Programm Inklusionsbegleiter an“, erklärt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. „Nur wenn sich Menschen mit und ohne Behinderungen auf Augenhöhe treffen, kann gesellschaftliche Normalität und inklusiv gelebtes Miteinander entstehen. Auf welch vielfältige Weise solche Veränderungsprozesse angestoßen werden können, haben die Modellvorhaben unseres Programms deutlich gemacht.“

17 Projekte bauen Barrieren ab

Im Rahmen der durchgeführten 17 Projekte wurden rund 500 Personen aus allen Alters- und Bildungsstufen sowie sozialen und kulturellen Hintergründen zu Inklusionsbegleitern, -botschaftern oder -lotsen ausgebildet. Die Initiativen waren in der inhaltlichen Ausgestaltung so unterschiedlich wie innovativ: Beispielsweise trafen im Projekt „Chor ohne Barrieren“ der Lebenshilfe Kirchheim unter Teck e. V. Menschen mit und ohne Behinderung aufeinander. Das gemeinsame Singen baute Berührungsängste ab und das Interesse an der Lebenssituation des anderen wuchs. Ein anderes Projekt setzte der Schwäbische Turnerverbund unter dem Motto „INSPIRATION“ um. Mit dem Ziel, dass Menschen mit und ohne Handicap zusammen Sport treiben, fanden sich fünf inklusive Sportgruppen zusammen, die beim Landesturnfest gemeinsam den Teamwettkampf bestritten. Die positiven Erfahrungen führten sogar dazu, dass weitere Vereine inklusive Konzepte in ihr Sportangebot verankerten.

Professor Jo Jerg von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und sein Team haben das Programm von Beginn an wissenschaftlich begleitet und evaluiert. „Die Bereitschaft, Menschen mit Behinderung als Expertinnen und Experten in eigener Sache in den Mittelpunkt zu stellen und sie sprachfähig zu machen, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für gelingende Inklusion“, fasst Jerg zusammen. „Man könnte sagen: Sie wirklich ernst zu nehmen, baut Barrieren ab.“

Wie Inklusion gelingen kann: Die Erfolgskriterien

Damit die Metapher vom Inklusionsbegleiter als „Brückenbauer“ auch in der Praxis funktionieren kann, haben Jerg und sein Team Erfolgskriterien für den inklusiven Entwicklungsprozess festgehalten, die auf den Erfahrungen aus den Projekten aufbauen:

·         Begegnungsräume für Menschen mit und ohne Behinderung bauen Vorurteile ab, wecken gegenseitiges Verständnis und schaffen Beziehungen

·         Der Einsatz von Menschen mit Behinderung als Experten in eigener Sache stärkt das Empowerment und verändert die Wahrnehmung in der Gesellschaft

·         Die Entwicklung eines inklusiven Gemeinwesens gelingt dort, wo Netzwerke mit verschiedensten Akteuren (Unternehmen, Vereinen, Verbänden, Politik, Verwaltung) geknüpft werden

·         Inklusive Entwicklungsschritte gehen nur langsam voran. Beharrlichkeit, Akzeptanz und Durchhaltevermögen sind erforderlich.

Auf den Erkenntnissen des Programms aufbauend, wird die Baden-Württemberg Stiftung in Kürze eine neue Ausschreibung im Bereich Inklusion veröffentlichen. Alle Informationen zu den beteiligten Modellprojekten sowie die Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Projektbegleitung können Sie in der Schriftenreihe nachlesen. Die Publikation kann HIER heruntergeladen werden.

 

 

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