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Studie Mobiles Baden-Württemberg: Experten empfehlen schnelles Handeln

26.06.2018 Ministerin Hoffmeister-Kraut: "Mit der richtigen Strategie können Industrieunternehmen von ehrgeizigem Klimaschutz profitieren"

Studie Mobiles Baden-Württemberg: Experten empfehlen schnelles Handeln

Wie kann eine ökologisch, ökonomisch und gleichzeitig sozial nachhaltige Mobilität in Baden-Württemberg in Zukunft aussehen? Wie kann diese so gestaltet werden, dass nicht nur Klimaziele erreicht, sondern auch eine hohe Beschäftigung gesichert bleibt? Zu diesen gesamtgesellschaftlich relevanten Fragen gibt die Studie „Mobiles Baden-Württemberg – Wege der Transformation zu einer Nachhaltigen Mobilität“ wissenschaftlich fundierte Denkanstöße. Heute wurden auf der Fachtagung der Baden-Württemberg Stiftung Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz, neue Mobilitätsprodukte und Veränderungen der Mobilitätsmärkte sowie Handlungsmöglichkeiten der Politik von Expertinnen und Experten behandelt und neue, ergänzende Studien vorgestellt.

Stuttgart, 26. Juni 2018 – Die Ergebnisse der Studie „Mobiles Baden-Württemberg“, die im November 2017 veröffentlicht wurde, zeigen, dass der Weg hin zu einer in Baden-Württemberg und global verträglichen Mobilität innerhalb der ökologischen und gesundheitlichen Belastungsgrenzen auch bei umfassender Umstellung auf Elektromobilität nur mit einem Rückgang der Pkw-Fahrleistung und einer effizienteren Pkw-Nutzung gelingen kann. Nur so können deutliche Verbesserungen bei Treibhausgasemissionen und Luftschadstoffen, beim Verbrauch von Endenergie und nicht-energetischen Ressourcen sowie beim Lärm und der Flächeninanspruchnahme durch Verkehr erzielt werden. Deshalb nimmt die heutige Fachtagung im Mannheimer Technoseum die Frage in den Blick, wie eine Transformation des Mobilitätssystems und der Mobilitätswirtschaft gelingen kann, die ökologische Nachhaltigkeitsziele erreicht und gleichzeitig befürchtete negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt so gering wie möglich hält.

Mit der richtigen Strategie vom Klimaschutz profitieren
„Die Erfüllung des Pariser Abkommens ist grundsätzlich technisch und ökonomisch machbar. Mit der richtigen Strategie können Industrieunternehmen von ehrgeizigem Klimaschutz sogar profitieren. Nachhaltiger Klimaschutz eröffnet auch unserer Automobilwirtschaft langfristig Chancen auf dem wachsenden Weltmarkt für klimaschonende Mobilitätslösungen. Der Staat muss hierbei aber realistische, verlässliche und vor allem technologieoffene Ziele vorgeben und die technische Lösung den Unternehmen überlassen. Einseitige Verbote sind zu kurz gedacht und der falsche Weg“, so Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

„Wir müssen jetzt vorangehen und die Chance wahrnehmen, Baden-Württemberg auch weiterhin als innovativen Standort der Mobilitätswirtschaft zu sichern“, erklärte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. „Da ist Lethargie fehl am Platz, es müssen schlüssige Konzepte sowohl von Seiten der Politik als auch der Wirtschaft her“.

Nur das dritte Szenario erfüllt Nachhaltigkeitsziele bis 2030
Die Studie beschreibt drei Szenarien, die Entwicklungsmöglichkeiten bis zu den Jahren 2030 und 2050 aufzeigen. Szenarienübergreifendes Ziel ist die Abbremsung des Klimawandels und Verminderung des Anstiegs der Erderwärmung auf die in Paris international vereinbarten und völkerrechtlich bindenden Klimaschutzziele von 1,5 bis deutlich unter 2 Grad und die Orientierung an den von der UN verabschiedeten Nachhaltigkeitszielen für 2030 (Sustainable Development Goals). Die direkten Treibhausgasemissionen sollen den internationalen und nationalen Vereinbarungen entsprechend über alle Sektoren bis 2030 um 40 Prozent und bis 2050 (Pariser Abkommen) um 90 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Dies bedeutet für den Verkehrssektor eine nahezu vollständige Dekarbonisierung, die in allen drei Szenarien durch eine Kombination aus direkter Stromnutzung aus erneuerbaren Energien und strombasierten Kraftstoffen aus erneuerbaren Energien erreicht wird. Eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis zum Jahr 2030 gestaltet sich allerdings in allen drei Szenarien schwierig. Dieses Ziel wird lediglich in Szenario 3 knapp erreicht. Dieses Szenario kommt den Zielen hinsichtlich weiterer Indikatoren einer ökologisch und sozial gerechten Nachhaltigkeit am nächsten.

Verlagerungen aus Deutschland entgegenwirken
„Die Elektromobilität stellt einen wesentlichen Baustein zur Zielerreichung dar. Um den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten, müssen ausreichende zeitliche, materielle und intellektuelle Ressourcen zur Verfügung stehen“, erklärt Dr. Florian Herrmann, Leiter Forschungsbereich Mobilitäts- und Innovationssysteme beim Fraunhofer IAO. „Für die Sicherung von Arbeitsplätzen gilt es zudem, einer möglichen Verlagerung von Wertschöpfungsumfängen aus Deutschland heraus entgegenzuwirken.“

Dominik Haubner, Mitarbeiter strategische und politische Planung beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt/Main, betont: „Die Automobilindustrie muss die Elektromobilität voranbringen, neue Antriebstechnologien und neue Mobilitätskonzepte entwickeln. Dabei ist Technologieoffenheit gefragt. Dies ist der richtige Weg für Wohlstand und gute Arbeitsplätze im Jahr 2030. Die mit der Elektromobilität verbundene Transformation wird gesellschaftlich aber nur dann akzeptiert werden, wenn es gelingt, Strukturbrüche zu vermeiden. Die Politik muss diesen Strukturwandel deshalb industrie- und beschäftigungspolitisch flankieren und die Unternehmen müssen eine Qualifizierungsoffensive starten. Niemand darf in diesem Wandel unter die Räder kommen.“

Anpassung an Märkte ist Chance für Automobilwirtschaft
Alle drei Szenarien gehen in unterschiedlich hohem Maße mit dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Mobilitätswirtschaft einher, jedoch fällt dieser in den Szenarien 2 und 3 stärker aus. Die Autoren sehen in der Anpassung an die sich verändernden Märkte aber auch eine Chance für die baden-württembergische Automobilwirtschaft: Baden-Württemberg könne ein Leuchtturm für ökologische Industriepolitik im Mobilitätssektor werden und zeigen, dass ein nachhaltigkeitsorientierter Strukturwandel von Wirtschaft und Industrie langfristig auch ökonomisch sinnvoll und notwendig ist.

Die Studie zeigt insgesamt, dass allein ein Fokussieren auf technische Optionen nicht ausreicht, um die gesetzten Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. Vielmehr ist ein Wandel im Mobilitätsverhalten notwendig. Eine nachhaltige Entwicklung der Mobilität kann nur dann erreicht werden, wenn deren Ziele und Anforderungen von den Bürgerinnen und Bürgern getragen werden. Dazu ist eine stärkere Sensibilisierung für die Problematik und eine Änderung der Einstellungen dem Thema gegenüber nötig.


Informationen für die Redaktionen:

Hintergründe zur Studie:
Mit einem Anteil von 32 Prozent ist der Verkehrssektor der größte CO2-Emittent im Land. Die vom BUND Baden-Württemberg initiierte und im Februar 2015 vom Aufsichtsrat der Baden-Württemberg Stiftung beauftragte Studie „Mobiles Baden-Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität“ wurde vom Öko-Institut, dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) und dem IMU-Institut bearbeitet.

Die Szenarien:
Szenario 1: Neue Individualmobilität – privat und komfortabel unterwegs

Dieses Szenario ist geprägt durch ein hohes Bedürfnis nach Individualität und Flexibilität. Der Individualverkehr mit Pkw dominiert weiterhin. Das eigene, autonom fahrende Auto ist – unabhängig von Alter, Gesundheit und Führerschein – in ländlichen und städtischen Gebieten für die meisten Menschen verfügbar. Durch die Automatisierung kann das Fahrzeug während der Fahrt für anderweitige Tätigkeiten genutzt werden. Im Carsharing-Markt sind große Verbundanbieter bestimmend, die eng mit dem öffentlichen Nahverkehr kooperieren. Die Lebensqualität in Städten wird insbesondere durch weniger Emissionen positiv beeinflusst.

Szenario 2: Neue Dienstleistungen – kreative Geschäftsmodelle, geteilte Fahrzeuge

Im Szenario 2 dominiert die Sharing-Kultur, Autos haben als Symbol an Bedeutung verloren. Sie werden für unterschiedliche Zwecke bestellt, genutzt und zur weiteren Nutzung wieder frei gegeben. Neue Mobilitätsangebote erobern den Markt, die Kombination von öffentlichem Verkehr und individuellem Fahren, auch mit dem Rad, setzt sich durch. In Städten findet eine Umnutzung von öffentlichem Raum zu Gunsten von aktiver Mobilität und Aufenthaltsqualität statt. Die intelligente Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsmittel bindet den ländlichen Raum an.

Szenario 3: Neue Mobilitätskultur – kürzere Wege, flexible öffentliche Systeme

Wesentliches Merkmal dieses Szenarios ist die hohe Bedeutung von Nahversorgung und Nahmobilität im Jahr 2050. Mobilität wird durch ein attraktives öffentliches Verkehrssystem mit unterschiedlichsten Fahrzeuggrößen („Ridesharing“) sichergestellt. Ergänzend nehmen Bike- und Carsharing-Angebote zu. Die Verkehrsleistung geht durch die kürzeren Wege bis zum Jahr 2050 deutlich zurück. Der private Pkw-Besitz spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Es findet eine breite Flächenumwidmung zugunsten von Aufenthaltsqualität und aktiver Mobilität statt.

 

Weitere Informationen:
Weitere Informationen sowie die Studie und die Kurzfassung finden Sie hier: www.mobiles-bw.de

Stiftungsprofil:
Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger. www.bwstiftung.de

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