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Impulse für die Gesellschaft

Kornelia Wahl und Admir klettern die rund 250 Stufen bis zur Spitze des Freiburger Münsterturms hinauf. Von hier oben haben die beiden einen weiten Blick über die Stadt. Admir mag das. Es ist das Gegenteil von dem, was er zuhause erlebt. Der Zwölfjährige ist mit seiner Familie vor sechs Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen.

Ihre Wohnung: zwei Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft. Hier lebt er mit seinen Eltern, der Oma und seinen vier Geschwistern. Tagsüber lehnen an der Wand die Matratzen, auf denen sie nachts schlafen. „Ich frage mich oft, wie man diese Enge aushalten kann“, sagt Kornelia Wahl. Die 60-Jährige engagiert sich bei dem Projekt City Kidz des Freiburger Vereins Kommunikation und Medien. City Kidz ist ein Projekt im Programm Pädagogische Freizeitangebote für Kinder mit Fluchterfahrung der Stiftung Kinderland. Seit Oktober 2015 bietet der Verein Patenschaften an, bei denen Kinder, die mit ihren Eltern geflüchtet sind, individuell betreut werden.

Dabei treffen sich Pate und Patenkind regelmäßig und verbringen die Freizeit miteinander. Das Besondere an City Kidz: Die Kinder können ihre Eindrücke kreativ verarbeiten, indem sie zum Beispiel Fotos machen oder Bilder malen.

Über das Eigentliche hinaus

Admir geht in die sechste Klasse einer Förderschule und trifft Kornelia Wahl an einem Nachtmittag der Woche. Dann planen die beiden ihre Unternehmungen. Sie waren beispielsweise Schlitten fahren mit anschließendem Picknick im Schnee, haben im Mundenhof Tiere fotografiert oder das Naturkundemuseum besucht. Neben den Ausflügen mit Admir nutzt Kornelia Fortbildungsmöglichkeiten, die ihr im Rahmen von City Kidz angeboten werden. Besonders interessant fand sie den Vortrag einer Referentin über das Thema „Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft“ oder einen Beitrag über interkulturelle Kommunikation. Derzeit kümmert sich Kornelia Wahl darum, dass Admir eine andere Schule besucht. Eine, die seine Talente stärker fördert. Sie schaut sich um und spricht mit Lehrern. Eigentlich ist das nicht ihr Job, aber sie fühlt sich verantwortlich. „Die Familie ist mir ans Herz gewachsen.“

Leben in der Erstaufnahmestelle

Rund 300 Kilometer von Freiburg entfernt steht Olga Krasniqi auf dem großen Gelände der ehemaligen Reinhardt-Kaserne in Ellwangen. Irgendwann wollte die Stadt hier einen Bildungscampus entstehen lassen – seit Herbst 2015 ist die Kaserne eine Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge. In der LEA können 500 bis maximal 1.000 Menschen leben – im November letzten Jahres waren es an die 5.000. Olga Krasniqi erinnert sich an diese Zeit. „Es war eine sehr angespannte Situation“, sagt sie. „Die Menschen mussten manchmal zwei Stunden auf ihr Essen warten. Es gab viele Streitereien.“ Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. Derzeit leben rund 700 Asylsuchende in der ehemaligen Kaserne.

Ehrenamtliche brauchen Unterstützung

Olga Krasniqi ist Integrationsprojektbeauftragte der Stadt Ellwangen und seit Oktober 2015 für das Vorhaben „LEA – Wir helfen anzukommen!“ verantwortlich. Das Projekt wählte die Baden-Württemberg Stiftung für ihr Programm Willkommen in Baden-Württemberg! aus. Flüchtlinge wie Ehrenamtliche erhalten darüber die Möglichkeit, sich zu qualifizieren. So gibt es einen Kurs, in dem sich freiwillige Helfer über rechtliche und soziale Fragen informieren können; diejenigen, die Sprachkurse geben möchten, lernen in einem zweitägigen Seminar didaktische Grundlagen. Gefragt ist besonders der Workshop „Interkulturelles Kompetenztraining“.
Hier lernen die Ehrenamtlichen, interkulturelle Situationen besser einzuschätzen und Konflikte zu steuern.

Darüber hinaus finden regelmäßige Supervisionstreffen statt, um sich in der Gruppe über Probleme, Konflikte oder Unsicherheiten auszutauschen. „Die ehrenamtlichen Helfer sind täglich mit Sprachhürden, verschiedenen Kulturen und Mentalitäten konfrontiert“, sagt Olga Krasniqi. „Deshalb ist es wichtig, dass sie unterschiedliche Unterstützungsangebote bekommen.“ Im Anderen das Miteinander entdecken Neben Sprachkursen besteht für die Flüchtlinge in der LEA sowie in der Innenstadt die Möglichkeit, in der Kommune gemeinnützig tätig zu werden.

Beispielsweise indem sie bei der städtischen Bepflanzung helfen, Straßen säubern oder in den sozialen Einrichtungen unterstützend zur Hand gehen. „Nur in der Begegnung entsteht ein Verständnis füreinander“, sagt die Russlanddeustche Krasniqi. Diese Erfahrungen machten auch die Ehrenamtlichen, die sich derzeit im Videoprojekt engagierten. Der Film handelt vom Leben der Flüchtlinge in der LEA und ihrer Integration in der Stadt. Außerdem findet Olga Krasniqi, dass man die Sprache am besten in der Praxis lernt: „Man bekommt etwas gesagt und gleichzeitig gezeigt.“ Rund 100 Freiwillige aus der LEA hat die Projektverantwortliche von Oktober 2015 bis April 2016 bereits vermittelt.

Es gibt viele gemeinnützige Träger, die das Projekt gern weiterhin unterstützen würden – wenn da nicht der kurze Aufenthalt wäre. In einer Erstaufnahmestelle leben Asylsuchende in der Regel drei bis sechs Wochen, höchstens aber drei Monate. „Der Wechsel bringt Unruhe“, sagt Olga Krasniqi. „Der Arbeitgeber muss sich jedes Mal neu organisieren und das ist ein gewisser Aufwand.“ Und es gibt noch etwas, was der 40-Jährigen derzeit Kopfzerbrechen bereitet: die Organisation der Fahrt von der LEA zur Arbeitsstätte. Sie steht in regem Austausch mit Busunternehmen, sucht Fahrräder und regelmäßig Ehrenamtliche, die die Flüchtlinge auf ihrem Weg zur gemeinnützigen Arbeit begleiten. „Das ist alles nicht so einfach“, sagt Olga Krasniqi. Dennoch ist sie zuversichtlich. „Die Ellwanger sind sehr hilfsbereit und halten zusammen, so lässt sich immer wieder eine gute Lösung finden.“

 

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