08.04.2009

"Im Alltag, aber nicht alltäglich"

Krankheit, Behinderung und soziale Benachteiligung sind auch in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts mit Stigmata behaftet. Die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg hat deshalb im Sommer 2006 beschlossen, 500.000 Euro zur Umsetzung des Programms "Kinder nehmen Kinder an die Hand – Hilfen für benachteiligte und kranke Kinder" bereit zu stellen. In Baden-Württemberg entstanden 14 Modellprojekte, die von einem Team von Sozialwissenschaftlern begleitet und evaluiert wurden. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung wurden im Rahmen der Abschlussfeier am 8. April in Stuttgart vorgestellt ...

Dass gesunde Kinder und Jugendliche aus geordneten gesellschaftlichen Verhältnissen und ihre kranken, behinderten oder sozial schwächeren Altersgenossen einen normalen Umgang miteinander pflegen, ist auch in modernen Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Der Stiftungsrat der Stiftung Kinderland nahm dies zum Anlass, 500.000 Euro zur Durchführung des Programms "Kinder nehmen Kinder an die Hand – Hilfen für benachteiligte und kranke Kinder" bereitzustellen.

Insgesamt 14 Modellprojekte, auch "Buddy-Projekte" genannt, streben seitdem nach einem Umgang auf Augenhöhe zwischen "schwachen" und "starken" Kindern und Jugendlichen. Im Mittelpunkt des Programms standen sowohl die Hilfestellung für sozial benachteiligte, behinderte und (schwer-)kranke Kinder und Jugendliche, aber auch die Förderung von ehrenamtlichem Engagement von gesunden Kindern aus geordneten gesellschaftlichen Verhältnissen. Die Projekte weckten das Verantwortungsgefühl für die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft. Gleichzeitig wurde das Verständnis füreinander gestärkt und Barrieren abgebaut.

"Kinder helfen gerne, vor allem auch Gleichaltrigen. Sie lernen daraus etwas für sich selbst, sie lernen und erleben Mitgefühl. Sie geben aber auch Kraft weiter, und sie sammeln Erfahrungen, die für ein ganzes Leben prägend sein können. Die Kinderlandstiftung hat mit ihrem Förderprogramm ein Programm aufgelegt, das genau an diesem Punkt ansetzt. Die Stiftung Kinderland hat damit einmal mehr bewiesen, dass sie als Motor gute Projektideen in Gang setzen kann und das Kinderland Baden-Württemberg hierdurch weiter voranbringt", sagte die Kinderbeauftragte der Landesregierung, Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz.

"Die "Buddy-Projekte" gehören zu den wichtigsten und wirksamsten Vorhaben, die die Stiftung Kinderland in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht hat, um Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichsten Lebenslagen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen", sagte Birgit Pfitzenmaier, die Leiterin des Bereichs Soziale Verantwortung und Kultur bei der Landesstiftung Baden-Württemberg. "Im Rahmen der Modellprojekte konnten alle Kinder profitieren: Freundschaften wurden geschlossen, Talente und Stärken konnten entdeckt werden, die zum Teil schwerkranken Kinder konnten für ein paar Stunden ihre Krankheit vergessen und die gesunden Kinder konnten lernen, Schwächeren mit Empathie zu begegnen. Insofern bin ich überzeugt, dass die Stiftung Kinderland einen wichtigen Impuls zur Integrationsarbeit geliefert hat." Die wissenschaftliche Evaluation, die ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Professor Dr. Klaus Koziol vom Institut für Social Marketing in Stuttgart durchgeführt hat, wurde nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

"Die gesamte Projektreihe zeigt, dass das Aufbrechen von Denk- und Handlungsbeschränkungen genau die Grundlage liefert, um positive Erfahrungen generieren zu können", heißt es in der Evaluation der Wissenschaftler. Viele Projekte hätten zwar im Alltag stattgefunden, "waren aber nicht alltäglich, sondern außerordentlich, nicht nur, was Ort und Zeit, sondern auch was die Mitwirkenden betraf." Dazu gehörte beispielsweise das Leseprojekt "Komposita Scribere" der United Care GmbH in Schemmerhofen, mit dem die Lesefähigkeit, eine wichtige Kulturtechnik, gefördert werden soll. Dabei wurden Jugendliche zu "Lese-Lotsen" ausgebildet, die schwächeren Jugendlichen halfen.

Besonders bewegend und nachhaltig seien nach Ansicht der Wissenschaftler die Erfahrungen aus den Projekten gewesen, die sich mit sterbenden Kindern und Jugendlichen befassten. In Freiburg hatte der Verein "Element 3" ein Projekt angesto-ßen, bei dem krebskranke und gesunde Kinder und Jugendliche zusammen Prosa und Lyrics über ihre Ängste, Visionen und Hoffnungen entwickeln. In Kooperation mit den städtischen Bühnen Freiburg brachten die jungen Menschen das Stück auf drei Ebenen (Interviews, szenische Handlungen und Livemusik) zur Aufführung.

Allerdings richteten Koziol und Kollegen auch einige mahnende Worte an die Projektträger, die sich streckenweise mit der aktiven Kommunikationsarbeit sehr schwer taten. Bescheidenheit und kommunikative Zurückhaltung seien im Sinne der Notwendigkeit öffentlicher Aufmerksamkeit keine guten Ratgeber. "Der Satz ‚Tue Gutes und rede darüber’ ist hier keine Aufforderung zur Prahlerei, sondern ermutigt dazu, das gelungene Beispiel publik zu machen, das soziale Anliegen als Thema in die Öffentlichkeit zu bringen und schließlich auch die eigene Reputation zu festigen, um weiterhin Gutes tun zu können."

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