07.03.2003

Krankheitserreger immer widerstandsfähiger - Wissenschaftler kämpfen gegen Resistenzentwicklung

Stuttgart. Infektionskrankheiten gehören auch in den Industrieländern inzwischen wieder zu den stark zunehmenden Bedrohungen. Weltweit sind sie eine der häufigsten Todesursachen überhaupt. Ein wichtiger Grund: Krankheitserreger wie z.B. Bakterien, Viren und Pilze werden zunehmend resistenter gegen derzeit verfügbare Medikamente und entwickeln gefährliche Mehrfachresistenzen. Das von der Landesstiftung Baden-Württemberg auf den Weg gebrachte Forschungsnetzwerk "Resistenzentwicklung humanpathogener Erreger" untersucht die Mechanismen der Resistenzbildung und -ausbreitung, um Auswege aus dem Dilemma zu finden ...

Die rasante Zunahme resistenter und multiresistenter Erreger ruft gerade in den Industrieländern, die zahlreiche Infektionskrankheiten besiegt geglaubt haben, große Besorgnis hervor. Je nach Medikament und Erreger ist die Verbreitung der Resistenz unterschiedlich, aber zahlreiche Medikamente haben ihre Wirksamkeit inzwischen weitgehend verloren, Tendenz steigend.

Damit die Medikation überhaupt noch wirkt, werden ständig neue Wirkstoffe benötigt und die Mechanismen der Resistenzentwicklung und –ausbreitung müssen verstanden werden. "Um diesen Wettlauf gegen die Zeit gewinnen zu können, müssen die vorhandenen Kompetenzen zusammengeführt und in einem Netzwerk gebündelt werden“ begründet der Geschäftsführer der Landesstiftung, Prof. Claus Eiselstein, das Engagement.

"Die Entwicklung von Resistenzen ist eine unvermeidliche Folge jeder Therapie von Infektionskrankheiten und wird für jedes wirksame Medikament beobachtet werden“, erläutert der Sprecher des Kompetenznetzwerkes "Resistenzforschung“, Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich vom Hygiene-Institut des Universitätsklinikums Heidelberg. "Es geht darum zu verstehen, wie Resistenzen entstehen und weitergegeben werden, und wie wir dies verhindern können. Diese Fragen sowie Untersuchungen zur gegenwärtigen Resistenzsituation in Baden-Württemberg stehen daher im Zentrum des Projektes."

Seit dem Auftreten multiresistenter Erreger hat ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen: Dringend werden neue Medikamente benötigt, da sich die Erreger rasch anpassen und sonst in Kürze möglicherweise kein wirksames Medikament gegen manche lebensgefährlichen Infektionen mehr verfügbar ist. Das wohl bekannteste Antibiotikum Penicillin, mit dem man bis vor kurzem noch viele Infektionskrankheiten relativ einfach in den Griff bekommen konnte, hat seine Wirkung gegen eine ganze Reihe von Erregern heute weitgehend verloren. Um aus dem Teufelskreis auszubrechen, müssen die Resistenzentwicklungen von Infektionserregern untersucht und Strategien zu ihrer Überwindung entwickelt werden.

"Auf dem Gebiet der Resistenzforschung verfügt das Land Baden-Württemberg über eine Vielzahl international renommierter Experten", sagt Eiselstein. "Im Kompetenznetzwerk 'Resistenzentwicklung humanpathogener Erreger' arbeiten Experten der Universitäten Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm eng zusammen, so dass ihre jeweiligen Schwerpunkte optimal gebündelt werden." Grundlage für das Projekt zur Erforschung der Resistenzentwicklung von Krankheitserregern ist die Erfassung und Dokumentation der gegenwärtigen Situation der Resistenz in Baden-Württemberg. Die zentralen Anliegen des Kompetenznetzwerkes sind unter anderem die Erforschung der molekularen Grundlagen der Resistenzentwicklung und -ausbreitung, eine Verbesserung der Resistenzdiagnostik sowie die Entwicklung neuer Medikamente gegen die Krankheitserreger.

Die Landesstiftung Baden-Württemberg gGmbH wurde im Januar 2000 gegründet und fördert seitdem gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Forschung, Bildung, Soziales und Kultur. Derzeit werden mehr als 160 Einzelprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 200 Mio. Euro gefördert.

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