11.12.2006

Anti-Gewalt-Training: Hilfe für die Täter ist auch Opferschutz

Vier Jahre nach der Einführung des so genannten Platzverweis-Verfahrens in Baden-Württemberg ist Gewalt im häuslichen Bereich immer noch die am weitesten verbreite Form von Gewalt. Der gesellschaftliche Wandel ist dennoch unverkennbar: Gewalt wird inzwischen als Unrecht betrachtet, gerade auch, wenn sie im privaten Raum stattfindet. Zum Opferschutz und zur Vorbeugung gegen häusliche Gewalt sind auch Hilfen für die Täter notwendig. Das hat in den vergangenen drei Jahren das Programm "Anti-Gewalt-Training" der Landesstiftung Baden-Württemberg bewiesen. Bei einem Fachtag in Stuttgart diskutierten rund 120 Teilnehmer die Erfahrungen aus dem Programm. Die begleitende Evaluation attestiert den baden-württembergischen Einrichtungen hohe Professionalität und eine gute Wirksamkeitsrate ...

Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Männer, die in ihrer Kindheit Opfer von Gewalt waren, später selbst zu Gewalt neigen. Diese Spirale der Gewalt gilt es zu durchbrechen. Der erste Schritt dazu ist aus Sicht von Experten, dass die Täter häuslicher Gewalt die Verantwortung für ihr gewalttätiges Verhalten übernehmen. Hier setzen die Anti-Gewalt-Projekte der Landesstiftung Baden-Württemberg an.

In den 24 Projekten im ganzen Land haben in den vergangenen drei Jahren annähernd 450 Täter an Anti-Gewalt-Trainingskursen teilgenommen. Sie wurden entweder von den Gerichten dazu verpflichtet oder meldeten sich freiwillig, um sich mit ihrem eigenen Verhalten auseinander zu setzen.

Bei einem Fachtag in Stuttgart diskutierten die beteiligten Veranstalter über die Methoden der Täterarbeit, Vernetzungsmöglichkeiten und die Frage, wie Täter erreicht und motiviert werden können.
"Wir wünschen uns, dass die Erkenntnisse aus unserem Programm möglichst flächendeckend in die Regelangebote von Hilfeeinrichtungen und Kommunen einfließen." sagte Herbert Moser, Geschäftsführer der Landesstiftung, in Stuttgart. "Die Landesstiftung hat über drei Jahre Modellprojekte durchgeführt und wird die Ergebnisse der Evaluation allen Kräften vor Ort zur Verfügung stellen."

Wissenschaftlerinnen der Evangelischen Fachhochschulen Freiburg und Reutlingen-Ludwigsburg haben den Erfolg der Trainingskurse untersucht. Ihre Bilanz fällt sehr positiv aus, auch wenn der Erfolg letztlich schwer messbar ist. "Selbst bei den Teilnehmern, denen die Kursleiter zu Beginn eine niedrige Motivation zugeschrieben haben, waren beachtliche Veränderungen zu erkennen," so Professor Dr. Monika Barz von der Evangelischen Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg. "Bei 80 Prozent der Täter kann man sagen, dass sie die Verantwortung für ihre Taten übernehmen, und das ist ein ganz wichtiger erster Schritt. Selbst die Täter, die den Kurs überhaupt nicht besuchen wollten, verändern sich. Ihre Motivation zur Gewaltfreiheit steigt." Verglichen mit anderen Bundesländern und mit Projekten im Ausland laufen die Anti-Gewalt-Trainingskurse im Programm der Landesstiftung Baden-Württemberg auf einem hohen professionellen Standard, so das Ergebnis der Evaluation. Die Evaluation kann über die Landesstiftung bezogen werden.

750.000 Euro hat die Landesstiftung in den vergangenen drei Jahren in das Programm "Anti-Gewalt-Training" investiert. Nach Abschluss des Programms ist bei einem Teil der Träger die Weiterführung der Angebote bereits gesichert, bei vielen anderen laufen die Verhandlungen noch.

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