27.09.2011

Baden-Württemberg Stiftung investiert 3,5 Mio. Euro in Forschungsprojekte "Glykobiologie"

Wichtige Schwerpunkte des Forschungsbereichs der Baden-Württemberg Stiftung sind Themen der Gesundheit und Medizin. Jetzt startet die Stiftung ein neues Forschungsprogramm zur Glykobiologie. Die Identifikation und Erforschung von komplexen Zuckerstrukturen hilft, neue Wege für Diagnostik und Therapien zu erschließen. Wissenschaftler aus Tübingen, Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Konstanz und Hohenheim forschen in insgesamt zehn Projekten für die Dauer von drei Jahren. Das Programm wurde mit 3,5 Mio. Euro ausgestattet.

Stuttgart, 27. September 2011 – Lebenswissenschaftliche Forschung ist für den Wissens- und Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg von großer Bedeutung. Die Baden-Württemberg Stiftung engagiert sich in dem für die Lebenswissenschaften wichtigen Feld der Glykobiologie.

Zuckermoleküle spielen eine wichtige Rolle bei Krebs, kardiovaskulären Erkrankungen und Immunreaktionen. Sie sind außerdem ein wichtiger Bestandteil für innovative Biomaterialien, die in Implantaten und Prothesen Verwendung finden: Werden die Oberflächen der eingesetzten Materialien gezielt durch Zuckerstrukturen modifiziert, sind sie besser verträglich für den menschlichen Körper. Erst durch wichtige technische Neuerungen der letzten Zeit wie massenspektrometrische Techniken oder Array-Technologien ist die Erforschung komplexer Zuckerstrukturen in den Fokus biowissenschaftlicher Forschung gerückt. Ziel der Baden-Württemberg Stiftung ist es, dieses neue Forschungsfeld im Land zu verankern und damit die Chancen von Wissenschaft und Wirtschaft im internationalen Wettbewerb zu stärken.

Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, erklärte: „Die lebenswissenschaftliche Forschung unterstützen wir mit zahlreichen Programmen. Damit tragen wir dazu bei, innovative Forschung voranzutreiben und Baden-Württemberg noch besser für die Zukunft zu rüsten.“

Zehn Forschungsprojekte im Land beteiligt
Ein Projekt am Interfakultären Zentrum für Biochemie der Universität Tübingen erforscht z.B. Tumorviren, die verschiedene Arten von Glykanrezeptoren auf Zelloberflächen erkennen und dadurch eine kausale Rolle bei der Entstehung des „Merkel Cell Carcinoma“, einer bestimmten Art von Hautkrebs, spielen. Langfristiges Ziel ist es, die Bindung des Virus an die Glykanrezeptoren und damit den Hautkrebs zu verhindern.

An den Universitäten Stuttgart und Konstanz arbeiten Forscher gemeinsam daran, Verfahren zu entwickeln, die die Verträglichkeit und langlebige Integration von Titanimplantaten verbessern. Mit Hilfe von Zuckerstrukturen sollen neuartige Titanoberflächen geschaffen werden, die als Kontaktfläche zwischen Knochen und Implantat, z.B. bei einer Hüftprothese, dienen.

Im Mittelpunkt eines Projekts der Universität Freiburg steht die Entwicklung eines schnellen und einfachen Diagnoseverfahrens für die chronisch-lymphatische Leukämie (B-CLL) – die häufigste Leukämieerkrankung bei Erwachsenen. Untersucht werden in diesem Forschungsprojekt Zuckerreste auf molekularer Ebene, die eine wichtige Rolle spielen bei der B-Zellentwicklung, die wiederum die Entstehung und den Verlauf der Krankheit entscheidend beeinflusst.

Weitere Projekte beschäftigen sich u.a. mit der Bedeutung von Zuckerstrukturen für Stoffwechselerkrankungen oder allergischen Reaktionen. Andere wollen neue Analysemethoden entwickeln wie innovative Enzymtests oder eine verbesserte Mas-senspektromie-Analytik, die für die Grundlagenforschung der Biowissenschaften von grundlegender Bedeutung ist.

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