23.03.2007

"Normal bin ich nicht behindert"

Abschlusstagung des Förderprogramms für Menschen mit Behinderung der Landesstiftung Baden-Württemberg – Zwei junge Männer und Carmen Würth finden bewegende Worte. Auf die Frage nach seiner Behinderung hat ein junger Mann mit Lernschwäche geantwortet: "Im Rechnen habe ich Schwierigkeiten. Normal bin ich aber nicht behindert." Menschen mit Behinderung wollen und sollen Regisseure ihres eigenen Lebens sein, das bedeutet Teilhabe an der Gesellschaft. Dieses Ziel verfolgt die Landesstiftung Baden Württemberg mit ihrem Programm zur "Förderung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung von Menschen mit Behinderung", das heute mit einem Festakt im Stuttgarter CVJM-Haus abgeschlossen wurde ...

Tobias Klimpel aus Heilbronn und Alexander Schmid aus Göppingen sind zwei junge Männer mit geistiger Behinderung, die den rund 70 Gästen im CVJM-Haus aus ihrem Leben erzählt haben. Beide haben an Projekten des Förderprogramms der Landesstiftung teilgenommen, beide haben dabei erste selbstständige Gehversuche im Berufsleben unternommen. Alexander Schmid aus Göppingen, machte mit beim Projekt "FIT" fürs Leben – in Praktika im Einzelhandel bis zum ehrenamtlichen Job im Tierpark hat der 17-Jährige Erfahrungen gesammelt. "Ich bin ein super Busfahrplanleser", erzählte Alexander. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Selbstständigkeit. Nach den Herbstferien hofft er auf einen Job in der Gärtnerei, in der er gerade ein Praktikum macht.

Auch Tobias Klimpels Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte. Der Heilbronner hat an einem Gastronomiekurs im Programm der Landessstiftung teilgenommen. Service, Wäscherei, Housekeeping, Küche und Lager waren die Bereiche, "in denen wir fit gemacht worden sind", sagte Tobias. "Aufregend war der Besuch einer Stilberaterin. Ich war froh, dass mir einer sagte, was mir am besten steht", erzählte er.

Besondere Erlebnisse verbindet Tobias mit Praktika in einem besonderen Hotel: dem Anne-Sophie-Hotel von Carmen Würth in Künzelsau. Die Frau des Unternehmers Reinhold Würth führt dieses Haus mit "übervollem Herzen", wie sie selbst sagt. "Denn Integration ist für mich das Verständnis von Mensch zu Mensch und das gelingt uns nur, wenn wir mit dem Herzen dabei sind", so Carmen Würth.

Die Geschichte der Behindertenhilfe des Landes Baden-Württemberg ist rund 100 Jahre alt. Die so genannten Anstalten des 19. Jahrhunderts waren die ersten Schutzräume für Behinderte. Im Mittelpunkt stand das Ziel zu bewahren und zu versorgen. Heute hat sich das Bild der Behindertenhilfe gewandelt: "Menschen mit Behinderung wollen teilhaben. Ihre Umwelt muss so gestaltet sein, dass sie ihre Behinderung nicht mehr daran hindert", sagte Dr. Heidrun Metzler vom Zentrum zur interdisziplinären Erforschung der Lebenswelten behinderter Menschen der Universität Tübingen.

Dieses Ziel verfolgen die Projekte der Landesstiftung, die bereits 2001 erstmals aufgelegt wurden und seit dem Jahr 2005 erneut fortgeschrieben werden. Insgesamt wurden und werden seitdem 24 Projekte mit Modellcharakter im Auftrag der Landesstiftung Baden-Württemberg umgesetzt. "Wenn es uns gelingt, Menschen, die es im Leben nicht immer leicht haben, durch Teilhabe am beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Leben Freude zu vermitteln, dann stiften wir wirklich Zukunft", sagte Herbert Moser, Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg.

"Durch die intensiven Bemühungen und die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahrzehnten ein tragfähiges und lebendiges Netzwerk von Diensten und Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung aufgebaut werden", sagte der Beauftragte der Landesregierung für die Belange behinderter Menschen, Staatssekretär Dieter Hillebrand beim Festakt. "Die Landesstiftung ist ein verlässlicher Partner bei der Hilfe für behinderte Menschen. Ohne sie würden innovative Ansätze nicht umgesetzt werden können. Die Projekte der Landesstiftung ergänzen die Politik der Landesregierung für behinderte Menschen sinnvoll", würdigte Hillebrand.
Hermann Seimetz, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen (LAG), die im Auftrag der Landesstiftung die Projekte des Förderprogramms koordinierte, würdigte noch einmal alle Projekte: "Der Einfallsreichtum und das Engagement der Projekte verblüffte uns immer wieder." Für alle gelte: "Zur Nachahmung empfohlen."

Die gemeinnützige Landesstiftung Baden-Württemberg ist eine der größten Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige Stiftung, die in außergewöhnlicher Themenbreite dauerhaft, unparteiisch und ausschließlich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert - und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger.

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