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Max Ruppert möchte dem Journalismus mit Drohnen neuen Schwung verpassen.
An der Hochschule der Medien in Stuttgart hat er damit begonnen.

Text: Iris Hobler/ Fotos: KD Busch/Katrin Spannblöchl

Das Ding, das da durch die Abenddämmerung schwirrt, hört sich an wie ein Hornissenschwarm. Nur wenige Meter von Max Rupperts Balkon entfernt, bleibt es in der Luft stehen. Rote Lämpchen blinken. Ruppert ist auf Augenhöhe mit der Drohne – und er ist aufgebracht. „Hey, was soll das?“, ruft er vom fünften Stock hinunter in den Garten. „Filmst du mich etwa?“ Diese Begegnung mit dem unbemannten Flugobjekt ist mehr als drei Jahre her. Für Ruppert war sie ein Schlüsselmoment. „Ich fühlte mich in dem Augenblick beobachtet und bedroht, aber irgendwie war ich auch fasziniert“, erzählt der 41-Jährige in seinem Büro an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Und dieses „irgendwie“ hat bei dem Kommunikationswissenschaftler und TV-Journalisten dazu geführt, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mittlerweile zählt Ruppert zu den wenigen Experten in Deutschland, wenn es um Drohnenjournalismus geht.

Bekannt aus Film und Fernsehen

Kein Tatort oder Polizeiruf kommt heute ohne Drohne – oder „Copter“, wie es im Fachjargon heißt – aus. Mit einer Kamera ausgestattet, lassen sich ungewöhnliche Aufnahmen machen. Beispielsweise der rasante Flug knapp über der Wasseroberfläche des Bodensees oder eine Nahaufnahme von der Spitze des Ulmer Münsters. „Kein Hubschrauber kommt so nah an Objekte heran wie ein Copter“, sagt Ruppert. Außerdem sei es einfacher und günstiger, eine Drohne loszuschicken, als einen Kamerakran aufzubauen oder Aufnahmen mit dem Helikopter zu machen. Für Ruppert steht fest: „Drohnen werden im Journalismus und in der Medienproduktion in den nächsten Jahren immer häufiger eingesetzt, weil sie neue Möglichkeiten eröffnen.“ Die sieht der Stuttgarter beispielsweise beim Datenjournalismus. Mit Sensoren ausgestattete Drohnen können Informationen aus der Luft sammeln, die am Boden zu Grafiken verarbeitet werden. Ein weiteres Feld sieht Ruppert bei der investigativen Recherche, wo es bereits erste Ansätze gibt. 2013 filmte ein Reporter etwa die Proteste auf dem Taksim- Platz in der Türkei mit einer Drohne und dokumentierte damit die brutale Vorgehensweise der Polizei – bis der Copter von den Beamten abgeschossen wurde.

Wildwest am Himmel

Legal ist ein solcher Einsatz allerdings nicht. Der Reporter hätte eine offizielle Aufstiegsgenehmigung gebraucht, die er im Zweifel nicht erhalten hätte. Als Journalist weiß Ruppert, dass bei investigativen Recherchen rechtliche Grenzen überschritten werden können. Profis sind sich darüber im Klaren – bei Laien sieht das möglicherweise anders aus. Seit es Copter in Elektromärkten schon ab 70 Euro gibt, herrscht „Wildwest-Stimmung am Himmel“. Grundsätzlich kann jeder eine Drohne steuern, der Lust dazu hat. Er darf sie allerdings nicht über Menschen fliegen lassen und muss das Gerät stets im Blick haben. Das allerdings wissen die Wenigsten. „Es ist nicht einfach, einen Copter zu fliegen. Wenn man den nicht richtig steuert und kontrolliert, kann es gefährlich werden“, sagt Thomas Maier. Er ist wie Ruppert akademischer Mitarbeiter an der HdM und ein erfahrener Modellflugzeug- Pilot. Seit drei Jahren baut und fliegt er Multicopter. Die technische Expertise des 30-Jährigen floss in das zweisemestrige „Copter Communication Camp“ ein, das Ruppert ab dem Sommersemester 2015 an der HdM entwickelt und durchgeführt hat. Sein Ziel: Das Thema Copter Communication an der Hochschule zu verankern und mit dem Camp eine neue Seminarform auszuprobieren. Gefördert wurde Rupperts Vorhaben im Rahmen eines Fellowship für Innovationen in der Hochschullehre von der Baden-Württemberg Stiftung und dem Stifterverband.

Die Mischung macht’s

15 Studierende aus unterschiedlichen Fakultäten nahmen am Camp teil. Darunter angehende Informationsdesigner, Journalisten, Medieninformatiker und Studierende der Druck- und Medientechnik. Die Heterogenität war Max Ruppert wichtig, denn „Copterjournalismus ist unweigerlich mit technischen, rechtlichen und ethischen Fragen verzahnt“. Gerade Letzteres führt bei der Thematik immer wieder zu hitzigen Diskussionen. Beispielsweise über Datenschutz oder die Angst vor Überwachung. „Wenn es darum geht, gibt es schlimmere Dinge“, sagt Thomas Maier. „Beispielsweise Ihr Smartphone, das Sie überall ortet.“ Außerdem seien Multicopter so laut, dass man sie auf jeden Fall bemerkt. „Dennoch muss das Bedrohungspotenzial der fliegenden Systeme für Menschen und Tiere im Einsatz ernst genommen werden.“

Eine weitere Besonderheit des Camps war die enge Verknüpfung von Technik und ihrer praktischen Anwendung. Dazu zählte beispielsweise, dass die Teilnehmer zwei Copter bauten – und dafür weltweit Teile bestellen mussten, dass sie eine Aufstiegsgenehmigung beantragen und dafür den gesamten bürokratischen Prozess durchlaufen mussten, oder den Copter mit einem Sensor ausstatteten, um die Feinstaubwerte in der Luft zu messen. „Meines Wissens nach sind wir die einzige deutsche Hochschule, die das in der Form so macht“, so Ruppert.

Willkommen im MakerSpace

Ruppert bekommt auch nach Abschluss seines Camps im Februar regelmäßig Anfragen. Von Studierenden, die sich einen Copter gern für eine Filmproduktion ausleihen möchten. Oder von den Agrarwissenschaftlern der Uni Hohenheim, die für Forschungsprojekte einen Copterpiloten suchen. „Wir haben durch das Camp viel Know-how aufgebaut“, sagt Ruppert. Dass das nicht verloren geht, daran arbeiten Ruppert und Maier derzeit. Sie haben sich mit dem Copter- Communication-Projekt für einen Raum im geplanten MakerSpace der Hochschule beworben – eine Art Hightech- Werkstatt, in der Studierende rund um die Uhr tüfteln können.

 

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