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Ingrid Leonhardt, 70, engagiert sich als Sitzwache im Marienhospital Stuttgart.

Text: Anette Frisch/ Foto: Christian Mader

Es gibt Nächte, da habe ich nichts zu tun. Diese Nächte sind in gewisser Weise anstrengender. Ich sitze im Zimmer und höre auf den Atem des Patienten und die Töne der Instrumente. Setzt der Atem aus? Piepst was? Auch wenn die Patienten nicht mehr ansprechbar sind, sie fühlen, dass jemand im Raum ist, und das beruhigt sie.

Nicht jede Nacht verläuft so. Vor zwei Tagen war ich auf der Gynäkologie bei einer 85-jährigen Dame. Sie war sehr unruhig und verwirrt. Sie räumte ihre Sachen aufs Bett, weil sie mit mir weggehen wollte. Ich habe ihr gut zugeredet und dann alles wieder eingeräumt. Wichtig ist für mich der Respekt vor dem kranken Menschen. Dass man vollkommen auf seine Bedürfnisse eingeht und sich selbst zurücknimmt.

Seit drei Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich als Sitzwache im Marienhospital. Ich verbringe vier Stunden bei einem Patienten. Häufig nachts, aber auch tagsüber gibt es Schichten. Im Marienhospital sind wir 40 Sitzwachen. Die Jüngste ist 35 Jahre alt und die Älteste 81. Natürlich ersetzen wir das Pflegepersonalnicht. Wir unterstützen die Schwestern, indem wir ganz allein für den Patienten da sind.

Wir sind in einem Kurs auf unsere Tätigkeit sehr gut vorbereitet worden. Fachärzte, Psychiater und Experten der Palliativmedizin haben Vorträge gehalten und sich sehr viel Zeit für anschließende Gespräche genommen. Wir haben sogar auf Stationenhospitiert. Die Vorbereitung hat mir viel gegeben und ich empfinde meine Tätigkeit als Bereicherung. Unsere Sitzwachengruppe trifft sich regelmäßig. Wir tauschen uns intensiv aus und haben einen starken Zusammenhalt. Auch das Team vom Marienhospital ist immer für uns da. Niemand bleibt mit seinen Erlebnissen allein.

Viele von uns sind durch persönliche Erfahrungen zur Sitzwache gekommen. Ich habe meinen Mann und meinen Bruder gepflegt und begleitet. Sie sind daheim gestorben. Warum ich mich engagiere? Aus Dankbarkeit! Weil es mir selbst so gut geht, ich gesund bin und etwas weitergeben möchte.

Ich halte auch einiges aus. Die Angst des Patienten und auch die Schmerzen. Eine Situation hat mich tief berührt. Ein 50-jähriger Mann lag im Sterben. Seine Ehefrau war hilflos und konnte nicht bei ihm ausharren. Sie war einfach überfordert. Für ihren Mann war das Loslassen dadurch schwerer. Eine halbe Stunde, nachdem ich abgelöst wurde, starb er. Jede Nacht ist anders.“