21.01.2010

Geld und Konsum - Herausforderung für Kinder

Ob mit Handys, Bekleidung oder Unterhaltungselektronik - jeden Tag verdient die deutsche Industrie Millionen von Euro an Kindern und Jugendlichen. Die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg hat mit ihrem Modellprogramm "Kinder und ihr Umgang mit Geld und Konsum" versucht, junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Sieben Einzelprojekte haben in ganz Baden-Württemberg daran teilgenommen. Bei der festlichen Abschlussveranstaltung wurde nun die wissenschaftliche Begleitung vorgestellt. Fazit: In der Schule und im Alltag kommt das Erlernen des Umgangs mit Geld und Konsum zu kurz ...

Bild 1: Herbert Moser, Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg appeliert, auch die Eltern der Kinder mit ins Boot zu holen.

Bild 2: Der Sparkassenverband Baden-Württemberg hat die wissenschaftliche Evaluation des Programms unterstützt.

Bild 3: Insgesamt wurden sieben Modellprojekte aus ganz Baden-Württemberg realisiert. Mit dabei ist u.a. die Gruppe des Diakonisches Werks Breisgau-Hochschwarzwald (Kirchzarten) mit ihrem Projekt "Ohne Moos was los".

Kaum eine Zielgruppe nimmt bei der langfristigen Strategieplanung von Unternehmen einen wichtigeren Platz ein als die 10- bis 18-Jährigen. Die Hersteller von Markenprodukten leisten dabei ganze Arbeit. So ermittelte beispielsweise im Jahr 2001 das Soziologische Institut der Universität Hohenheim, dass für über die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Kleidermarke eine wichtige Rolle, für 15 Prozent sogar eine sehr wichtige Rolle spielen.

Konsum ist jedoch nicht per Definition schlecht – maßgeblich ist der vernünftige Umgang damit. Die Stiftung Kinderland hat 2007 das Programm "Kinder und ihr Umgang mit Geld und Konsum" auf den Weg gebracht. Insgesamt sieben Modellprojekte aus ganz Baden-Württemberg wurden realisiert. Der Sparkassenverband Baden-Württemberg hat die wissenschaftliche Evaluation des Programms unterstützt.

"Wie sich ein junger Mensch in der Konsumgesellschaft verhält, lässt unmittelbare Rückschlüsse auf die Gepflogenheiten in seinem Elternhaus zu", sagt Herbert Moser, der Geschäftsführer der Stiftung Kinderland. "Kinder orientieren sich auch an ihrer Eltern. Wenn sie signalisieren, dass der Besitz bestimmter Konsumartikel bedeutet, ‚in’ zu sein, werden die Kinder dies ebenfalls verinnerlichen." Gleiches gelte beispielsweise für Konsumschulden. "Wir sind deshalb froh, dass einige der Projektträger auch die Eltern der Kinder, mit denen sie gearbeitet haben, ins Boot geholt haben."

"Die Landesstiftung hat hiermit ein wirklich wichtiges Themas aufgegriffen. Gerade jungen Menschen sollte heute der verantwortungsbewusste Umgang mit Geld auf den Lebensweg mitgegeben werden. Auch Kinder und Jugendliche müssen mit ihren finanziellen Mitteln auskommen. Dies wird zunehmend schwerer. Denn die jungen Menschen sind als beliebte Zielgruppe ins Blickfeld der Konsumindustrie gerückt. Daneben sollten wir den Kindern und Jugendlichen nahebringen, dass auch dem Staat nicht unbegrenzt Mittel zur Verfügung stehen. Eine nachhaltige Politik hat das Ziel, den kommenden Generationen finanzielle Handlungsspielräume zu erhalten. Daher muss sie mit den vorhandenen Mitteln sparsam umgehen. Dieses Wissen gehört zu einem umfassenden Demokratieverständnis dazu. Den Umgang mit den eigenen finanziellen Spielräumen zu erlernen, ist hierfür die Grundvoraussetzung," sagte Frau Dr. Gisela Meister-Scheufelen in ihrem Grußwort.

Abschließend dankte sie den Sparkassen für die Unterstützung der Förderprogramms und allen weiteren Verantwortlichen, die an dem Projekt beteiligt waren.

"Das Projekt der Stiftung Kinderland ist ein wichtiger Beitrag, um Kindern und Jugendlichen verantwortungsvollen Umgang mit Geld aufzuzeigen", so Sparkassenpräsident Peter Schneider MdL in seinem Grußwort. "Die Sparkassen in Baden-Württemberg haben das Projekt sehr gerne unterstützt. Kinder und Jugendlichen zu zeigen, wie man mit Geld richtig umgeht ist Teil unseres öffentlichen Auftrags als Sparkassen. Sie müssen lernen, wie sie sich vor potenziellen Schuldenfallen schützen können. Daher wünsche ich mir, dass die Projekte landesweit Nachahmung finden."

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe von der Justus-Liebig-Universität in Gießen hat das Programm wissenschaftlich begleitet. In ihrem Evaluationsbericht schreibt sie: "Kinder und Jugendliche werden ganz selbstverständlich als autonome Verbraucher angesehen und angesprochen. Sie stellen eine relevante Zielgruppe im Wirtschaftssystem dar." "Das rechtzeitige Erlernen eines angemessenen Umgangs mit Geld und Konsum ist folglich eine Grundvoraussetzung zur souveränen Alltagsgestaltung (…)." In vielen Familien, so Meier-Gräwe, werde nicht offen über Geld und den Umgang damit gesprochen. "Auch in der Schule kommt die für den Alltag so wichtige finanzielle Bildung oftmals (…) zu kurz." Eine unbefriedigende Situation, der die Stiftung Kinderland mit ihrem Präventionsprogramm begegnet sei. Besonders hervorzuheben sei die kreativen und vielfältigen Ansätze, die sich an den Zielgruppen orientieren, einen hohen Praxisbezug aufweisen und durchweg als Vorbilder für weitere Projekte dienen könnten.

Mit dem Programm, das am 21. Januar mit einer Festveranstaltung in Stuttgart offizielle zu Ende ging, wollte die Stiftung Kinderland Kinder und Jugendliche helfen, eine nüchtern-kritische und verantwortungsbewusste Beziehung zu Geld zu entwickeln. So wurde den jungen Menschen gezeigt, wie sie Schuldenfallen erkennen und vermeiden und im Alltag ein bewusstes Konsumverhalten entwickeln können. Idealerweise sollen die im Rahmen der einzelnen Projekte gewonnenen Erkenntnisse in Zukunft auch an anderen Standorten genutzt und verstetigt werden.

Stiftung Kinderland Baden-Württemberg
Kinder sind unsere Zukunft. Die Stiftung Kinderland setzt Impulse für ein kinderfreundliches Baden-Württemberg. Sie nimmt Kinder und Familien an die Hand und schafft mit ihnen gemeinsam neue Werte und Strukturen. Mit experimentellen Modellprojekten geht die Stiftung innovative Wege und gibt Impulse für ein familienfreundliches Land. Die Stiftung Kinderland ist eine Unterstiftung der Landesstiftung Baden-Württemberg.

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