21.07.2003

Landesstiftung startet Projekt

Sprachfähigkeit entscheidend für Bildungsbiografie - Förderpraxis und Wissenschaft eng miteinander verzahnt - Ausschreibung ab sofort veröffentlicht ...

Stuttgart. Über die Notwendigkeit einer Sprachförderung im Vorschulalter besteht seit PISA kein Zweifel mehr. Denn welche Lern- und Entwicklungschance ein Kind hat, ist beinahe schon vor der Einschulung entschieden. PISA hat insbesondere für Deutschland klare Zusammenhänge zwischen Herkunft und sprachlicher Kompetenz aufgedeckt. Hiervon sind deutsche und Kinder mit Migrationshintergrund betroffen.

Die Situation in Baden-Württemberg ist zwar national und international deutlich besser als der Durchschnitt, doch auch im Land gibt es geschätzt 20.000 förderwürdige Kinder pro Jahrgang. Um diesen Kindern intensiv, aber altersgerecht "Hörverstehen" und "Sprechvermögen" nahe zu bringen, hat die Landesstiftung Baden-Württemberg das Projekt 'Sprachförderung im Vorschulalter' ins Leben gerufen.

Kommunale und freie Träger von Tageseinrichtungen für Kinder können sich ab sofort an der Ausschreibung beteiligen. Die Tagesstätten verpflichten sich den inhaltlichen Leitlinien, die jedoch bewusst Spielraum für neue Ansätze offen lassen. Wissenschaftliche Begleitmaßnahmen evaluieren das Programm laufend.

Die 'Sprachförderung im Vorschulalter' wird mit einer freiwilligen Sprachstandserhebung in den Tagesstätten für Kinder beginnen müssen. Besonderen Wert legt die Landesstiftung darauf, keine der bekannten Erhebungsverfahren zu bevorzugen, da sich bis heute keine allgemein anerkannte Methodik herauskristallisiert hat.

Die Fördergruppen werden aus mindestens sechs förderwürdigen Kindern bestehen, die in der Regel in der vertrauten Umgebung der Kindertagesstätte ca. ein- bis eineinhalb Jahre vor der Einschulung sprachlich gefördert werden. Die Maßnahmen sollen einen Umfang von mindestens 120 Stunden haben. Bei vier bis sechs Wochenstunden sollen sie sich über einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr erstrecken und verstehen sich als zusätzliches Angebot neben dem bestehenden gesetzlichen Auftrag der Kindertagesstätten.

Die Fördergruppen werden von der Landesstiftung Baden-Württemberg mit jeweils 2.700 Euro Entgelt unterstützt - dabei sind verbindliche inhaltliche und qualitative Kriterien einzuhalten. Bei der Entwicklung der Ausschreibungsunterlagen hat eine Projektgruppe mitgewirkt, in der die Träger von Kindertagesstätten und andere Sachverständige vertreten waren.

Die Projektkonzeption der Landesstiftung sieht vor, dass Eltern über Informationsveranstaltungen, Elterngespräche und Elternabende für eine positive Mitwirkung gewonnen werden sollen und darüber hinaus sogar an den Sprachfördermaßnahmen selbst teilnehmen können. Das Modell ist insgesamt als lernendes Projekt konzipiert. Mittels wissenschaftlicher Begleitung sollen deshalb die unterschiedlichen Verfahren der Sprachstandserhebung genauso wie die Methoden der Sprachförderung selbst kontinuierlich evaluiert und Vorschläge für Verbesserungen erarbeitet werden.

Da die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich der vorschulischen Sprachförderung derzeit noch nicht ausreichend sind, hat die Landesstiftung Leitsätze entwickelt, die den ErzieherInnen Freiräume in der Ausgestaltung der Fördermaßnahmen offen lassen. Die Einhaltung dieser Leitsätze wird von der Landesstiftung durch ein Projektcontrolling überwacht.

Damit die Kindertagesstätten auf die neuen Aufgaben gut vorbereitet sind, sollen von der Landesstiftung zudem MultiplikatorInnen ausgebildet werden, um über Fortbildungsangebote für MentorInnen und ErzieherInnen die flächendeckende Verbreitung und das Qualitätsniveau sicherstellen zu können.

Altersgerecht und spielerisch sollen die Kinder den Umgang mit Sprache erlernen. Durch die Sprachfördermaßnahmen sollen Aktivitäten entstehen, bei denen die Kinder bewusst ihr Hörverstehen und Sprechvermögen einsetzen können. Dazu tragen Gedichte und Lieder, Märchen und Erzählungen bei, welche die Freude am Sprechen, Singen, Hören und Nacherzählen wecken. Die Ohren spitzen und die Aussprache verfeinern - das lässt sich durch das Erzeugen von Geräuschen und Klängen sowie als Wechselspiel aus Zuhören und Sprechen erlernen.

Sprache kommt nicht ohne Regeln aus, so dass die Kinder früh an die grammatischen Zusammenhänge heran geführt werden sollen. Rollenspiele oder Alltagssituationen ermöglichen ihnen, sich unterschiedlichen Sprach- und Mitteilungsformen zu erschließen.

"Wir sind uns sicher, dass wir mit diesem Modellprojekt für die Bildungslandschaft Baden-Württembergs einen wichtigen Akzent setzen können", schätzt der Geschäftsführer der Landesstiftung, Prof. Dr. Claus Eiselstein, das Potenzial der Fördermaßnahmen ein.

Die Ausschreibung und die Dauer des Projekts sind derzeit nicht befristet. Anträge können ab sofort gestellt werden, sollten jedoch mindestens zwei Monate vor dem geplanten Maßnahmenbeginn vorliegen.

Die Antragsformulare können im Internet unter www.landesstiftung-bw.de oder www.sprachfoerderung-bw.de als pdf-Dateien geladen werden.

Anträge sind zu richten an die L-Bank, Abt. Wirtschaftsförderung II, 76113 Karlsruhe.

Die Entscheidung über die Förderwürdigkeit liegt allein bei der Landesstiftung Baden-Württemberg, die sich darüber mit einem Fachbeirat abstimmt.

Die Landesstiftung Baden-Württemberg fördert gemeinnützige Projekte, die sie überwiegend selbst durchführt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei, neben der Forschung und Wissenschaft, in der Förderung von Bildungs- und Jugendarbeit, Kunst und Kultur, Völkerverständigung und Sport. Die Landesstiftung Baden-Württemberg ist die einzige bedeutende Stiftung, die in dieser Themenbreite dauerhaft, unparteiisch und ausschließlich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert und damit in die seiner Bürgerinnen und Bürger.

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