17.09.2003

Auswege aus der alltäglichen Gewaltspirale

Stuttgart. Tagtäglich kommt es im häuslichen Bereich zu gewaltsamen Übergriffen, vor allem von Männern und Jugendlichen gegen Frauen und Kinder. Anti-Gewalt-Trainingskurse können den Tätern helfen, ihr aggressives Verhalten nachhaltig zu ändern. Die Landesstiftung Baden-Württemberg fördert daher Modellprojekte zur Gewaltvorbeugung. Ein von der Landesstiftung einberufenes Gutachtergremium hat jetzt 17 Modellprojekte zur Förderung vorgeschlagen. Die Trainingskurse beginnen in Kürze ...

Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass Männer, die in ihrer Kindheit Gewalt am eigenen Leib erfahren haben, später selbst zur Gewalttätigkeit neigen. Die Täter müssen zunächst lernen, die Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Erst dann können sie in einem zweiten Schritt neue Verhaltensmuster für gewaltfreie Konfliktlösungen einüben.

"Gewalt findet in der Mehrzahl im Verborgenen statt: Innerhalb der geschlossenen vier Wände einer Wohnung oder eines Hauses. Mit der Einführung eines polizeilichen Platzverweises haben wir in der Bekämpfung häuslicher Gewalt bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen und das Tabu gebrochen", erklärte Sozialminister und Aufsichtsratsmitglied der Landesstiftung, Dr. Repnik. Opfer häuslicher Gewalt seien zumeist Frauen. "Im ersten Halbjahr wurden landesweit annähernd 1.000 Platzverweise ausgesprochen. In der Mehrzahl der Fälle waren Kinder mit betroffen", so Repnik. Umfassende Hilfe für die Opfer von Gewalt sei zwar notwendig, greife jedoch alleine zu kurz. "Wir müssen die Gewaltspirale durchbrechen. Dabei dürfen wir die Täter nicht aus dem Auge verlieren." Mit gezieltem sozialem Training solle es gelingen, erneuter Gewalttätigkeit vorzubeugen. "Gewalt darf sich nicht immer wieder aufs Neue wiederholen", so Repnik.

Zielgruppe der Projekte sind Männer und Jugendliche, die polizeilich bereits in Erscheinung getreten sind, z.B. weil gegen sie ein Platzverweis wegen häuslicher Gewalt ausgesprochen wurde. Dazu gehören ferner Männer, gegen die wegen tätlicher Auseinandersetzung ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.

"Ziel der Projekte ist, den Aufbau eines flächendeckenden Angebotes von Anti-Gewalt-Trainingskursen in Baden-Württemberg zu fördern, insbesondere in den Städten und Gemeinden, die sich am Modellversuch "Platzverweisverfahren" beteiligt haben", erläutert Prof. Dr. Claus Eiselstein, Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg. Dabei erteilt die Polizei den Tätern bei häuslicher Gewalt ein Hausverbot, um die Opfer vor weiterer Gewalt zu schützen. "Es hat sich erwiesen, dass das Platzverweisverfahren besonders effektiv ist, wenn es von einer Beratung der Opfer und einem sozialen Training der Täter flankiert wird", so Eiselstein.

Ein von der Landesstiftung einberufenes Gutachergremium hat aus den eingegangenen Anträgen jetzt insgesamt 17 Modellprojekte zur Förderung ausgewählt. Die Landesstiftung hat nun die Verträge mit den jeweiligen Einrichtungen abgeschlossen, so dass die verschiedenen Anti-Gewalt-Trainingskurse, Gewalt-Sensibilisierungskurse und Einzel- bzw. Gruppentrainingsprogramme in Kürze beginnen können.

Leiterin Stabsstelle Kommunikation

Julia Kovar (in Elternzeit) Julia Kovar (in Elternzeit)
Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Kriegsbergstraße 42 · 70174 Stuttgart
Fon +49 (0) 711 248 476-16
Fax +49 (0) 711 248 476-54 kovar(a)bwstiftung.de

Pressesprecherin

Christine Potnar Christine Potnar
Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Kriegsbergstraße 42 · 70174 Stuttgart
Fon +49 (0) 711 248 476-17
Fax +49 (0) 711 248 476-54 potnar(a)bwstiftung.de

Veranstaltungskalender