20.10.2005

Kinder als Zeugen häuslicher Gewalt

Zum Fachtag "Kinder als Zeugen häuslicher Gewalt" fanden sich am 20. Oktober in Stuttgart über 200 Mitarbeiter und Vertreter aller am Platzverweis beteiligten Einrichtungen zusammen. Sie diskutierten über Modelle und Projekte, die Kindern helfen sollen, Gewalterfahrungen in der Familie wirksam zu verarbeiten ...

Stuttgart. Von häuslicher Gewalt in Familien sind auch immer die Kinder betroffen. Entweder als unmittelbares Opfer oder als Zeugen der Gewalt. Werden Kinder mit diesen Erfahrungen alleine gelassen, kann das der Grundstein für traumatische Verletzungen sein. Das Entstehen problematischer Rollenbilder und zukünftiger Gewaltkreisläufe ist unter diesen Voraussetzungen wahrscheinlich. Die Landesstiftung Baden-Württemberg hat deshalb das bundesweit einmalige Aktionsprogramm "Gegen Gewalt an Kindern - Kinder als Zeugen und Opfer häuslicher Gewalt" ins Leben gerufen. 14 Modellprojekte aus elf Regionen in Baden-Württemberg nehmen daran teil. Projektträger ist der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg. Auf einem Fachtag am 20. Oktober in Stuttgart hatten über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller am Platzverweis beteiligten Einrichtungen die Gelegenheit, sich auszutauschen und fortzubilden.

Die Modellprojekte haben Anfang 2005 ihre Arbeit aufgenommen. Seitdem wurden rund 160 Kinder möglichst zeitnah nach Gewalterfahrungen in der Familie betreut. In Einzelgesprächen oder in Gruppen wurden die Kinder und Jugendlichen altersgerecht aufgefangen. Ziel der 14 Modellprojekte ist es immer, den Kindern und Jugendlichen die Verarbeitung der Geschehnisse zu ermöglichen. Sie sollen gestärkt aus der Betreuung herausgehen und einen Weg finden, mit den Erlebnissen umzugehen. Bei Bedarf werden die Kinder und Jugendlichen an weitere Betreuungsangebote vermittelt. Parallel wird auch immer mit den Müttern bzw. Vätern gearbeitet.

Ein zweites wichtiges Anliegen aller Modellprojekte ist die effektive Vernetzung der zuständigen Institutionen bei der Betreuung der Kinder und Jugendlichen nach häuslicher Gewalt. Viele der Projekte wirken federführend in Arbeitskreisen mit, in denen sämtliche am Platzverweis Verfahren beteiligte Institutionen wie Jugendamt, ASD, Polizei, Justiz, Frauenhäuser, Interventionsstellen, Frauen- und Männer-Beratungsstellen, Fachberatungen und Einrichtungen der Jugendhilfe vertreten sind. Ziel dieser Arbeitskreise ist es unter anderem, Interventions- und Ablaufpläne für den Fall zu entwickeln, dass in einer Familie ein Polizeieinsatz oder ein Platzverweis wegen häuslicher Gewalt notwendig war.

Am Fachtag "Gegen Gewalt an Kindern - Kinder als Zeugen und Opfer häuslicher Gewalt" der Landesstiftung Baden-Württemberg und des PARITÄTISCHEN in Stuttgart, nahmen über 200 Mitarbeiter/-innen und Vertreter/-nnen sämtlicher Institutionen, die am Platzverweisverfahren beteiligt sind, teil. Auf dem Programm standen Vorträge, Fachforen und eine Podiumsdiskussion zum Thema. Als Hauptreferentinnen konnten Prof. Dr. Barbara Kavemann und Dr. Susanne Heynen gewonnen werden, die durch Forschungen und Veröffentlichungen zum Thema bekannt geworden sind.

"Es muss unser aller Ziel sein, Kindern in diesen besonders schwierigen Umständen die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen", sagte der Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg, Herbert Moser, in seiner Begrüßung. "Ich bin sehr froh darüber, dass mit dem Aktionsprogramm neue Hilfsangebote wirksam unterstützt werden können", so Moser weiter.

"Bei dem heutigen Fachtag geht es darum, Fragen aus der Projektpraxis
aufzugreifen", erläuterte Hansjörg Böhringer, Landesgeschäftsführer des
PARITÄTISCHEN. "Wir wollen zum einen über die Betroffenheit von Kindern bei häuslicher Gewalt informieren und fachliche Hilfsangebote, die Kindern bei der Bewältigung ihrer oft traumatischen Erlebnisse unterstützen,
vorstellen", betont Böhringer. Ein Hauptanliegen sei es, die Vernetzung der Hilfsangebote aktiv voran zu treiben.

Der Fachtag "Gegen Gewalt an Kindern - Kinder als Zeugen und Opfer häuslicher Gewalt" findet im Rahmen des gleichnamigen Aktionsprogramms der Landesstiftung Baden-Württemberg statt. Mit der Projektdurchführung ist der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband beauftragt.

Die Landesstiftung Baden-Württemberg fördert gemeinnützige Projekte, die sie überwiegend selbst durchführt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei, neben der Forschung und Wissenschaft, in der Förderung von Bildungs- und Jugendarbeit, Kunst und Kultur, Völkerverständigung und Sport. Die Landesstiftung Baden-Württemberg ist die einzige bedeutende Stiftung, die in dieser Themenbreite dauerhaft, unparteiisch und ausschließlich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert und damit in die seiner Bürgerinnen und Bürger.

Senior Referentin Stabsstelle Kommunikation

Julia Kovar Julia Kovar
Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Kriegsbergstraße 42 · 70174 Stuttgart
Fon +49 (0) 711 248 476-16
Fax +49 (0) 711 248 476-54 kovar(a)bwstiftung.de

Leiterin Stabstelle Kommunikation

Christine Potnar Christine Potnar
Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Kriegsbergstraße 42 · 70174 Stuttgart
Fon +49 (0) 711 248 476-17
Fax +49 (0) 711 248 476-54 potnar(a)bwstiftung.de

Veranstaltungskalender