19.07.2006

Mehrsprachigkeit als Chance wahrnehmen und fördern

Bildungserfolg steht und fällt mit Sprachkenntnissen - darüber sind sich die Experten einig. Doch viele Chancen werden vertan, gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund. Die Landesstiftung Baden-Württemberg setzt sich seit Jahren mit Nachdruck für die Sprachförderung im Vorschulalter ein. Mit einem internationalen Kongress bringt sie am 5. und 6. Oktober Experten aus verschiedenen Forschungs- und Praxisbereichen zusammen. Das Ziel: Mehrsprachigkeit als Chance verstehen und aktiv fördern ...

"Es ist für unsere Gesellschaft untragbar, dass Migrantenkinder in fast allen Schulfächern Nachteile haben, wenn sie nicht genügend Deutsch können. In der Folge bleibt ihnen oft der Weg zu einer qualifizierten Berufsausbildung versperrt," so Herbert Moser, Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg. "Dadurch werden aber nicht nur die Kinder und ihre Familien extrem benachteiligt. Unternehmen klagen zunehmend über sprachliche Defizite bei ihren Auszubildenden." Dabei könnte gerade die Mehrsprachigkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, beispielsweise mit Migrationshintergrund, den Unternehmen große Chancen bieten.

Die Landesstiftung Baden-Württemberg setzt seit 2002 mit ihrem landesweiten Programm "Sag' mal was - Sprachförderung für Vorschulkinder" auf frühzeitige, interaktive Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund. Kinder mit besonderem Förderbedarf kommen hier intensiv mit der deutschen Sprache in Kontakt. Über 35.000 Kinder sind inzwischen mit den Sprachfördermaßnahmen erreicht worden, für das der Aufsichtsrat der Landesstiftung bislang 21,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Parallel zur Sprachförderung hat die Landesstiftung ein Qualifizierungsprogramm für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufgelegt, die ein dauerhaftes Netzwerk in Baden-Württemberg garantieren sollen. Das gesamte Programm wird außerdem wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

In den vergangenen vier Jahren wurden so reichlich Erfahrungen gesammelt, unter welchen Rahmenbedingungen Kinder - und auch Erwachsene - ihr natürliches Sprachlerntalent am besten ausschöpfen können. Zur Frage, wie solche Rahmenbedingungen geschaffen werden können, veranstaltet die Landesstiftung Baden-Württemberg am 5. und 6. Oktober einen internationalen Kongress - gemeinsam mit der Universität Mannheim. Dort bilden Spracherwerb und Mehrsprachigkeit seit Jahren einen gemeinsamen Schwerpunkt in Forschung und Lehre an den sprachwissenschaftlichen Lehrstühlen.

Der internationale Kongress in Mannheim trägt den Titel "Frühe Mehrsprachigkeit: Mythen - Risiken - Chancen". Er soll Experten aus verschiedenen Forschungs- und Praxisfeldern zusammen bringen. Im Mittelpunkt stehen neue Forschungsergebnisse darüber, wie Sprache überhaupt gelernt wird, das mehrsprachige Potential des Gehirns und die bemerkenswerten Sprachlern-Fähigkeiten von Kindern. Außerdem soll ein kritischer Blick auf die Bildungslandschaft geworfen und über gängige Missverständnisse und Mythen aufgeklärt werden.

"Aktuelle Forschungsergebnisse zur frühen Mehrsprachigkeit zeigen, dass Kinder immer noch unterfordert und unterfördert sind" sagte Prof. Rosemarie Tracy, Lehrstuhlinhaberin für Anglistische Linguistik an der Universität Mannheim. "Internationale Studien besagen außerdem, dass sich zum Beispiel bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen die Mehrsprachigkeit als Vorteil erweist. Wir haben also noch lange nicht das Potenzial der Mehrsprachigkeit ausgeschöpft" so Tracy weiter.

Dr. Inken Keim vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim wies darauf hin, dass "die Mischung unterschiedlicher Sprachen nicht unbedingt auf fehlende Deutschkenntnisse schließen lässt. Kinder müssen eine hohe grammatikalische Kompetenz beider Sprachen besitzen, um das zu können. Eltern und Lehrende sollten jedoch mehr auf das Potential aufmerksam gemacht werden und wissen, wie sie es fördern können."

Als Experten konnten für den Kongress u.a. Prof. Wassilios Fthenakis (Universität Bozen/München), Prof. Ingrid Gogolin (Universität Hamburg), Prof. Rita Franceschini (Universität Bozen) gewonnen werden. Aus der Wirtschaft hat Dr. Linda von dem Bussche (BASF) zugesagt und der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Andreas Storm, hat ebenfalls seine Teilnahme angekündigt.

Der Kongress richtet sich vor allem an Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, in Schulen, Kommunen, Träger- und Migrantenverbänden. Insgesamt 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zu dem Kongress am 5. und 6. Oktober im Mannheimer Rosengarten erwartet.

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